Tomas Alfredson über "Dame, König, As, Spion"
Tomas Alfredson machte sich in seiner Heimat als Fernsehregisseur einen Namen, bevor er 2008 mit "So finster die Nacht" auch außerhalb Schwedens bekannt wurde. Nun lässt er in der Verfilmung von John le Carrés Spionagethriller "Dame, König, As, Spion" den Kalten Krieg wieder aufleben.
Hauptdarsteller Gary Oldman ist als Agentenveteran, der einen Maulwurf im Secret Service aufspüren soll, zurecht für einen Oscar nominiert (Foto: Studiocanal)
In den Siebzigerjahren waren die BBC-Miniserie und Alec Guinness als George Smiley Kult. Beeinflusste das Ihre Herangehensweise?
TOMAS ALFREDSON: Erst einmal: Ich habe mit "Dame, König, As, Spion" kein Remake von "Smileys Leute" gemacht. Es gab viele interessante Aspekte, die mir einen eigenen Zugang zum Buch eröffneten. Und John Le Carré hat mich darin bestärkt, die Serie nicht zu kopieren.
Welche Tipps hat er Ihnen gegeben?
Vor unserer ersten Begegnung war mir etwas mulmig. Aber er nahm mir sofort jegliche Angst, gab mir sozusagen eine Carte blanche. Nachdem das Eis gebrochen war, habe ich ihn mit Fragen nur so gelöchert, vor allem zum Innenleben des britischen Geheimdiensts. Er ist ein Phänomen, kann sich noch akribisch an jede Kleinigkeit aus der Zeit erinnern.
Was macht Gary Oldman zum idealen George Smiley?
Ich suchte jemanden, der optisch nicht an Alec Guinness erinnert. Die Figur strahlt nichts Besonderes aus und fällt nicht durch viel Reden auf. Auf der Straße würde man ihn übersehen. Und genau das war der Punkt. Ich brauchte einen Mr. Pokerface, der auf den ersten Blick total ausdruckslos wirkt, aber fähig ist, mit der kleinsten Mimik und Gestik jegliche Empfindung auszudrücken und den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Eine Kunst, die auf sehr viel Erfahrung beruht, die jemand wie Gary Oldman mitbringt.
Wie haben Sie die Traumbesetzung bis in die letzte Nebenrolle hingekriegt?
Ohne große Schwierigkeiten. Ein guter Stoff reizt jeden guten Schauspieler. Britische Darsteller sind absolute Profis, da muss man nicht lange herumdiskutieren, sie machen einen exzellenten Job.
Wo liegt das heutige Interesse an einer Geschichte aus dem Kalten Krieg?
Spionage- und Agentenfilme sind immer in einen zeitlichen Kontext eingebettet und dennoch in ihrer emotionalen Spannung zeitlos. Im Mittelpunkt stehen hier Freundschaft und Loyalität, Liebe und Verrat, das interessiert heute noch. Faszinierend finde ich auch die Einsamkeit der Männer, die in ihrer Position einen hohen persönlichen Preis zahlen und auf vieles verzichten mussten.
Ein ziemlicher Sprung vom kleinen schwedischen Vampirfilm zur Großproduktion in Englisch. Verlief alles nach Plan?
Als mir mein Agent das Projekt vorschlug, war ich wie elektrisiert. Ich habe früher die John-Le-Carré-Bücher verschlungen und BBC-Serien prägten mich seit meiner Jugend. So ein Angebot erhält man nur einmal. Am Set merkte ich aber die Tücken. Es ist ein Unterschied, ob man in der Muttersprache oder einer fremden Sprache dreht, auch wenn man glaubt, sie zu beherrschen. Mir fehlten manchmal winzige Nuancen. Einen Perfektionisten wie mich bringt das auf die Palme. Nach dieser Erfahrung bin ich aber bereit für weitere englischsprachige Projekte. Viel Kopfzerbrechen hat mir auch der Schnitt bereitet, es dauerte lange, die richtige Form gerade für die Zeitsprünge im Buch zu finden.
Hätten Sie Lust, sich an weitere Le-Carré-Romane mit George Smiley zu wagen?
Die Idee wäre reizvoll und an Lust fehlt es nicht, aber im Moment sehe ich keine realistische Möglichkeit. Wir müssen erst einmal die Ergebnisse von "Dame, König, As, Spion". abwarten. Ich bin offen für alles. Mal sehen, was für Drehbücher mir auf den Tisch flattern. Wenn mir beim Lesen schon Bilder einfallen, ist das ein gutes Zeichen. Wer weiß, vielleicht drehe ich auch mal eine romantische Komödie.
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