Anderson über "Der fantastische Mr. Fox"
Wes Anderson gilt als einer der Kult-Autorenfilmer des amerikanischen Kinos. Bislang trotzt er sogar der Krise des Independent-Films - aktuell als Regisseur des Stop-Motion-Animationsfilms "Der fantastische Mr. Fox", bei dem er trotz neuer Technik seinem Stil und seinen Themen treu bleibt.
Gibt es einen Anderson-Stil?
WES ANDERSON: Ich möchte nicht, dass mein Stil unsichtbar bleibt, aber ebenso wenig geht es mir darum, ein Markenzeichen zu schaffen. "Der fantastische Mr. Fox" sollte sich nicht wie ein Wes-Anderson-Film, sondern wie eine Verfilmung eines Roald-Dahl-Buchs anfühlen. Dass die Leute meine Schreibe und Inszenierungsweise wiedererkennen, kann ich nicht vermeiden. Aber das alles ist nur ein Ausdruck meiner Person.
Wie ist es mit den Themen? Ihre Filme erzählen von dysfunktionalen Familien.
Ich bin mir dessen bewusst, aber diese Themen wähle ich nicht, um einen Zusammenhang zwischen meinen Filmen herzustellen. Ich entwickle Geschichten in die Richtung, die mir sinnvoll erscheint, und so ergibt sich das eben. Wobei ich hinzufügen muss, dass ich mich mit meinem Vater sehr gut verstehe.
Wie kam es, dass Sie zum ersten Mal keine eigene Geschichte verfilmten?
Der Zeitpunkt ist Zufall. Das ist die erste Geschichte von Roald Dahl, die ich je gelesen habe, ich fühlte mich schon als Kind von ihr angesprochen - von den Figuren ebenso wie von den Illustrationen. So beschloss ich schon vor vielen Jahren, sie zu verfilmen. Zwischenzeitlich verloren wir unsere Finanzierung, und ich drehte andere Projekte. Dann bekamen wir das Geld wieder.
Wie schwer fiel Ihnen als Regisseur die Umstellung auf Stop-Motion-Animation?
Natürlich war das eine Lernerfahrung, die viel Geduld erforderte. Ich musste mich daran gewöhnen, dass die Umsetzung meiner Regieanweisungen einige Zeit dauert. Wenn ich sage: "In dieser Szene hätte ich gern eine Teetasse", dann muss diese erst von einem Handwerker angefertigt werden. Außerdem läuft dabei eine Vielzahl von Prozessen ab, über die ich die Kontrolle behalten wollte. Wir mussten also erst einmal ein System entwickeln, das mir das erlaubte.
Wie stark ist dieses Verlangen nach Kontrolle?
Es ist nicht überzogen. Ich bin kein Diktator, sondern durchaus bereit, Überraschungen zuzulassen und spontan neue Möglichkeiten zu nutzen. Das war ja auch bei meinem letzten Film "Darjeeling Limited" der Fall, der in Indien entstand. Bei "Der fantastische Mr. Fox" brachte jeder Animator seine Persönlichkeit und seine Ideen mit ein, und auf diese Weise entwickelte sich eine sehr spannende Zusammenarbeit. Ganz besonders wichtig waren mein Szenenbildner Nelson Lowry und Modell-Supervisor Andy Gent.
Sie scheinen sich cineastischen Trends zu entziehen. Ist das auch Zufall oder bewusste Entscheidung?
Das liegt daran, dass ich mich an der Tradition klassischer Filmemacher orientiere. Zu meinen Lieblingsregisseuren gehören John Huston, Jean Renoir, Orson Welles, Stanley Kubrick oder Federico Fellini, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wobei ich es durchaus gern habe, wenn ich im Kino überwältigt werde. Ich mag nur keine Filme, die sich wie Videospiele anfühlen.
Welche Filme im letzten Jahr haben Sie beeindruckt?
Das waren "A Serious Man" von den Joel Coens, Almodóvars "Zerrissene Umarmungen" oder Hanekes "Das weiße Band". Ich muss aber zugeben, dass mir auch "Star Trek" sehr gut gefallen hat.
Ist es schwierig, für Ihre Art des Kinos Geld zu bekommen - vor allem nach dem Misserfolg von "Die Tiefseetaucher"?
Ich zerbreche mir darüber nicht großartig den Kopf. Ich denke von Projekt zu Projekt und versuche, irgendwie Geld dafür aufzutreiben. Bei "Der fantastische Mr. Fox" war es letztlich nicht besonders schwierig. Bei "Die Tiefseetaucher" war nur das hohe Budget ein Problem, denn damit entstand ein enormer Erfolgsdruck. Ich wünschte, wir hätten damals nicht so viel ausgegeben.
Sie zeigen in Ihren Filmen eine Vorliebe für frühere Jahrzehnte. Würden Sie sich im Hollywood der Siebziger wohler fühlen?
Es stimmt - ich bin Nostalgiker. Aber ich bin nicht von der Vergangenheit besessen und würde auch nicht in einem früheren Jahrzehnt arbeiten wollen. Ich bin eindeutig ein Mensch des 21. Jahrhunderts. Und für mich gibt es letztlich nur eine Maxime: Ich versuche Filme zu machen, wie ich sie selbst als Zuschauer sehen möchte.
Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.