Max Mayer über "Adam"
Mit "Adam" (Fox, 10.Dezember) legt Max Mayer seinen zweiten Kinofilm vor. Darin erzählt er die Geschichte eines jungen Mann, der an dem Asperger-Syndrom leidet und sich auf das Abenteuer Beziehung einlässt.
Warum wählten Sie den Hintergrund einer Boy-meets-Girl-Geschichte, um etwas über das Asperger-Syndrom zu erzählen?
MAX MAYER: Ich wollte den Asperger-Aspekt der Geschichte natürlich akkurat wiedergegeben, aber es war nicht mein primäres Ziel. Ich wollte mehr etwas über eine Beziehung erzählen. Das Asperger-Syndrom erschien mir wie eine Art Metapher für eine allgemeine menschliche Befindlichkeit. Es ist schwer für Asperger-Erkrankte, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Aber sie haben dasselbe Verlangen nach Beziehungen. Grundsätzlich handelt der Film davon, wie man eine Beziehung eingeht, ohne ein Talent für eine Beziehung zu haben.
Warum dieses Thema?
Ich lebe in Los Angeles, und wie jeder Bewohner der Stadt verbringe ich einen Großteil meiner Zeit im Auto. In einer Radiosendung wurde ein junger Mann mit Asperger interviewt. Er erzählte, wie die Welt ihm erscheint. Das bewegte mich so stark, dass ich am Straßenrand anhalten musste. Danach fing ich mit Erkundigungen zu dem Thema an.
Sie haben also nicht gezielt nach einem Thema für einen Film gesucht?
Ich war zu der Zeit mit einer wundervollen Frau verheiratet, und wir lebten uns immer mehr auseinander. Nur wussten wir das nicht. Wir hatten das Gefühl, dass wir nicht in den anderen hineinsehen konnten. Das war die persönliche Seite daran, und dann wirkte es auf mich wie eine großartige Metapher.
Wollten Sie von Anfang an daraus einen Film machen? Sie sind vor allem Theaterregisseur.
Ich habe bereits vor zehn Jahren einen Film gemacht: "Better Living", der auf einem Theaterstück basiert. Ich hatte eine tolle Zeit damals beim Dreh, auch wenn ich nicht wirklich Ahnung hatte, was ich da machte. Es gibt viel Gutes an dem Film, aber er blieb irgendwie immer ein Theaterstück. Ich verstand damals das Medium noch nicht gut genug. Aber ich wollte es wieder machen.
Wie hat sich nun, zehn Jahre später, Ihr besseres Gefühl für das Medium gezeigt?Ich glaube vor allem durch meine Kommunikation mit dem Kameramann. Ich konnte ihm nun etwas besser bei seiner Arbeit helfen und verstand es besser, die Kamera als Element des Geschichtenerzählens einzusetzen.
Wie machen Sie so ein Projekt anderen schmackhaft?
Ich wusste, dass es ein kleiner unabhängiger Film werden würde. Ich habe eine Partnerin aus dem Theater, die mittlerweile Filme produziert. Ich gab es ihr zum Lesen, und nachdem wir ein bisschen wegen dem Ende gestritten hatten, mochte sie es sehr. Dann gab es andere, die ich aus dem Theater kannte und die auch ins Filmgeschäft wollten. Die brachten etwas Geld herein und wiederum andere Leute, die ebenfalls mitmachen wollten. Es war schwerer, als es sich jetzt anhört, aber so lief es im Großen und Ganzen ab.
Wie brachten Sie die Besetzung zusammen?
Zu der Zeit kam "Spuren eines Lebens" in die Kinos. Hugh Dancy prägte diesen Film so ungemein, was beeindruckend ist, wenn man sich die restliche Besetzung ansieht. Hugh Dancy ist ein unglaublich netter, charmanter und intelligenter Mensch, und ich dachte mir: Er ist eigentlich genau der Falsche für die Rolle. Aber nach einiger Zeit merkte ich, dass auch das wie so vieles eine soziale Maske war, und er einige der gleichen Unsicherheiten mit sich trägt, die wir alle kennen.
In dem Film spielt die Stadt New York eine große Rolle. War es schwer, New York so zu zeigen, wie es nicht schon Hunderte Male zuvor gezeigt wurde?
Kurz bevor wir anfingen, war gerade "I Am Legend" abgedreht worden. So waren die meisten Leute in der Stadt und auch das Rathaus nicht so gut auf weitere Filmprojekte zu sprechen. Zudem war unser Dreh kurz vor dem Streik in Hollywood, weshalb alle noch versuchten, ihre Projekte zu realisieren. Es war also schwer, Drehgenehmigungen zu bekommen, und als wir anfingen, fehlten uns noch rund 15 oder 16 Drehorte. Wir drehten also tagsüber und suchten danach nach Locations. Das war mit der schwierigste Teil des Drehs.
Sie sagten, es sei ein sehr persönlicher Film. Hat er etwas verändert bei Ihnen?
Na ja, ich bin mittlerweile geschieden. Aber der Film war natürlich Teil der persönlichen Dinge, an denen man sein ganzes Leben lang arbeitet. Abgeschlossen habe ich mit dem Film nichts, aber er gehört zu diesem fortlaufenden Test.
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