Es ist wieder soweit: Die Filmwelt feiert die 77. Oscar-verleihung. Wir werfen einen Blick auf die bisherigen großen Gewinner der Academy Awards.... http://images.kino.de/newspics/096/172096_1/b150x150.jpg Hollywoods Beste

Story

Oscar-Abräumer

Hollywoods Beste

Am vergangenen Sonntag wurden die Oscars zum 77. Mal verliehen. Ein schöner Anlass, um sich an die erfolgreichsten Oscar-Filme aller Zeiten zu erinnern - die längst auch auf DVD zu den Bestsellern zählen.

Großansicht "Besser geht's nicht": Filme wie "Herr der Ringe 3", "Ben Hur" und "Titanic" sonnen sich auf dem Oscar-Olymp

"Besser geht's nicht": Filme wie "Herr der Ringe 3", "Ben Hur" und "Titanic" sonnen sich auf dem Oscar-Olymp

Selten war Hollywoods Kniefall vor der dicken Kasse deutlicher als im vergangenen Jahr. Nachdem in den beiden Jahren zuvor der erste und der zweite Teil von Peter Jacksons "Der Herr der Ringe"-Trilogie vier bzw. zwei Oscars in technischen Kategorien wie dem besten Tonschnitt oder den besten Masken erhalten hatten, prasselten bei der 76. Oscarverleihung im Jahr 2004 nicht weniger als elf Awards auf "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs" herab, darunter der für den besten Film, die beste Regie und das beste Buch.

Mehr Oscars hat noch nie ein Film errungen. Klar, das hier nicht nur eine herausragende künstlerische Leistung, sondern die ganze Trilogie mitsamt ihrem Milliardeneinspiel belohnt wurde. Hollywood sagt Dankeschön nach Neuseeland, und der Schöpfer von "Braindead" entert zur Feier des Tages sogar mal nicht in Sandalen und Schlabbershirt die Bühne. Elf Oscars für einen Film gibt's natürlich nicht alle Tage, und schon gar nicht für fantastische Stoffe.

Großansicht Lasst uns Orks jagen: Orlando Bloom und Viggo Mortensen in "Herr der Ringe" (Foto: Warner)

Lasst uns Orks jagen: Orlando Bloom und Viggo Mortensen in "Herr der Ringe" (Foto: Warner)

Oscarsegen für den König

Allein "Titanic" war in vergangenen Jahrzehnten ein ähnliches Kunststück gelungen, und auch hier gab's den 11-fachen Goldhagel wohl nicht nur für den künstlerischen Wert allein. Bezeichnenderweise gingen in beiden Fällen die Schauspieler leer aus, während besonders in den technischen Kategorien mit Effects, Maske, Songs etc. gepunktet wurde.

Insgesamt neun Oscars gab es innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte für "Der englische Patient" und "Der letzte Kaiser" sowie acht für "Amadeus" und "Gandhi", allesamt aufwendige historische Arrangements mit starken Darstellerleistungen in Überlänge - beinahe eine Grundvoraussetzung für den Gewinn vieler Oscars.

Großansicht Kevin Costner in seinem einzigen Oscar-Erfolg "Der mit dem Wolf tanzt" (Foto: Kinowelt)

Kevin Costner in seinem einzigen Oscar-Erfolg "Der mit dem Wolf tanzt" (Foto: Kinowelt)

Endlich spielt Spielberg mit

Das gilt auch für "Schindlers Liste", "Jenseits von Afrika" und "Shakespeare in Love", die mit jeweils sieben Oscars nach Hause gingen, einer davon endlich auch für Steven Spielberg, der Hollywood schon lange klingende Münze am Filmmeter beschert und öfters vergeblich nach der Statuette geschielt hatte (zuletzt mit "Das Reich der Sonne", der dann mit 0:8 gegen den "letzten Kaiser" verlor).

Auch "Der mit dem Wolf tanzt", die grandiose One-Man-Westernshow von Kevin Costner, wurde 1991 mit sieben Oscars ausgezeichnet - Vorschusslorbeeren für einen modernen Action-Autorenfilmer, die der Einzelkämpfer dann mit zwei haarsträubend gefloppten Endzeitklamotten zu je 200 Millionen Dollar das Stück in den folgenden Jahren flugs zu zerstreuen wusste.

Großansicht "Chicago": Renée Zellweger schwingt als Roxy Heart das Tanzbein (Foto: Buena Vista)

"Chicago": Renée Zellweger schwingt als Roxy Heart das Tanzbein (Foto: Buena Vista)

Die mit den Oscars tanzen

Sechs Oscars ernteten sowohl Tom Hanks All-American-Guy-Auftritt "Forrest Gump" als auch das Musical "Chicago", das seine Preise vornehmlich über Ausstattung und heiße Damen eroberte, den Preis für die beste Regie indes Polanski für seinen immerhin noch mit drei Oscars prämierten "Der Pianist" überlassen musste.

Mit je fünf Oscars wurden "Gladiator", "Braveheart", "American Beauty" und "Der Soldat James Ryan" gekrönt. Dem "Das Schweigen der Lämmer", einem astreinen Horrorschocker, gelang bei der Verleihung 1992 sogar das Kunststück, fünfmal in so genannten Hauptkategorien zu siegen (Film, Regie, Buch, beide Hauptdarsteller).

Großansicht Glanzleistung: Russell Crowe in "Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" (Foto: Universal)

Glanzleistung: Russell Crowe in "Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" (Foto: Universal)

Vier gewinnt

Manchmal reichen auch vier Oscars zum totalen Triumph, sofern nur die Preise für Film und Regie darunter sind. Ron Howards "A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn" überzeugte die Akademie in diesen Kategorien ebenso wie Clint Eastwoods epochales Westerndrama "Erbarmungslos"; in den 80ern waren "Miss Daisy und ihr Chauffeur", "Rain Man" und "Platoon" mit je vier Statuetten dabei.

Freunde des guten Verlierers stellen noch "Gangs of New York" von Martin Scorsese dazu. Zehnmal nominiert sein und keinen einzigen Oscar gewinnen, das muss auch erst mal jemand schaffen. Dabei hatte Scorsese extra alles historisch arrangiert und auch die Überlänge nicht vergessen! Na ja, auch für Hitchcock und Kubrick hat es schließlich nie einen Oscar gegeben. Aber vielleicht klappt es ja in diesem Jahr mit der prachtvoll ausgestatteten Hollywood-Hommage "Aviator".

Großansicht "Die üblichen Verdächtigen": Ein ganz besonderer Thriller-Leckerbissen (Foto: Columbia Tristar)

"Die üblichen Verdächtigen": Ein ganz besonderer Thriller-Leckerbissen (Foto: Columbia Tristar)

Doppelt hält besser

Nicht allein in der Masse liegt die Kraft. Auch ein einzelner Award kann den Status eines Films heben, ihm das Prädikat "Oscar-Film" verleihen. Besonders, wenn es diesen Oscar für eine herausragende Darstellerleistung gibt. Was wiederum den Status des Geehrten hebt. Außer es handelt sich um den Oscar für die beste weibliche Nebenrolle (Marisa Tomei, Brenda Fricker, Linda Hunt, Peggy Ashcroft, anybody?).

Hat man aber erst einmal zwei Oscars fürs Schauspielern ergattert - wie zuletzt zum Beispiel Kevin Spacey ("Die üblichen Verdächtigen" und "American Beauty"), Tom Hanks ("Philadelphia" und "Forrest Gump") oder Denzel Washington ("Glory" und "Training Day") - dann kann man noch eine ganze Weile als bester Schauspieler der Welt gelten, ohne so schnell wieder einen Hit landen zu müssen.

Großansicht Verlust, Vergeltung und Freundschaft - "Mystic River" mit Sean Penn (Foto: Warner)

Verlust, Vergeltung und Freundschaft - "Mystic River" mit Sean Penn (Foto: Warner)

Mit einem Zinken ans Ziel

2004 gewannen mit Sean Penn und Tim Robbins nicht nur zwei ausgewiesene Liberalos der Traumfabrik, sondern auch gemeinsame Darsteller in Eastwoods elegischer Mordmeditation "Mystic River" den begehrten Darstellerpreis.

Als beste weibliche Darstellerin ging die Südafrikanerin Charlize Theron durchs Ziel, weil sie sich vom Bilderbuchbabe so eindrucksvoll zum "Monster" wandelte. Frauen und Maskenbildner waren auch ein Jahr zuvor ein viel versprechendes Doppel, als Nicole Kidman unter falschem Zinken den nackten Goldmann für "The Hours" einheimste.

Großansicht Halle Berry in "Monster's Ball": eine Darstellung, die keinen kalt lässt (Foto: Universum)

Halle Berry in "Monster's Ball": eine Darstellung, die keinen kalt lässt (Foto: Universum)

Damenkür in Gold

2002 war zur Abwechslung eine schwarze Dame reif für den Oscar: Halle Berry obsiegte für ihre Darstellung einer sexy Sträflingswitwe in "Monster's Ball". Zuvor kürte die Academy zwei absolute Publikumslieblinge zu Siegern: Julia Roberts gewann als "Erin Brockovich", Russell Crowe als "Gladiator".

Hilary Swank ihrerseits könnte bald zum Club der Zwei-Oscar-Besitzer zählen, wenn die Gewinnerin von 2000 mit "Boys Don't Cry" in diesem Jahr dank Oscar-Darling Eastwood und dessen Boxerinnenfilm "Million Dollar Baby" zum großen Schlag ausholt. Ein gewonnener Golden Globe deutet jedenfalls schon mal dezent in diese Richtung. Im selben Jahr, als Swank für "Boys Don't Cry" ausgezeichnet wurde, gewann Angelina Jolie den Oscar für die beste Nebenrolle in "Durchgeknallt". Es gibt also auch Nebendarstellerinnen, die mächtig durchstarten (Renée Zellweger!).

Großansicht Robin Williams wird als Professor auf den cleveren "Good Will Hunting" aufmerksam (Foto: Universum)

Robin Williams wird als Professor auf den cleveren "Good Will Hunting" aufmerksam (Foto: Universum)

Chaotisches Dreamteam

Die Darstellerpreise, die man "Titanic" nicht auch noch geben wollte, landeten verdientermaßen bei "Besser geht's nicht" (Helen Hunt und Jack Nicholson), während im selben Jahr mit Matt Damon und Ben Affleck auch noch zwei extrem populäre männliche Schauspieler ausgezeichnet wurden - allerdings nicht für ihre glaubwürdige Darstellung zweier Raufbolde, sondern für das gemeinsame Drehbuch zu "Good Will Hunting".

Robin Williams empfing für denselben Film den Oscar für den besten Nebendarsteller. Ein Oscar für die beste weibliche Nebenrolle ging, sozusagen als Zuckerl für 20 Jahre treue Dekorationsdienste in Machofantasien, an das vormalige Playboy-Bunny Kim Basinger für ihre Darstellung einer Femme fatale in dem Noir-Krimi "L.A. Confidential".

Großansicht "Dead Man Walking": Susan Sarandon hat als Nonne ein Herz für einen Mörder (Foto: Universal)

"Dead Man Walking": Susan Sarandon hat als Nonne ein Herz für einen Mörder (Foto: Universal)

Knapp vorbei ist auch daneben

Dass ein Golden Globe nicht automatisch den Oscar bedeutet, erfuhr 1997 der noch immer Oscar-lose Tom Cruise, als nicht er, sondern Cuba Gooding jr. für "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" ausgezeichnet wurde. Zur besten Hauptdarstellerin kürte die Academy im gleichen Jahr Frances McDormand als glaubhafte Provinzbullette im Coen-Krimi "Fargo".

Ein Jahr zuvor gewann Susan Sarandon als Kämpferin gegen die Todesstrafe in "Dead Man Walking", doch statt ihres kaum minder überzeugenden Partners Sean Penn prämierte die Akademie dann doch lieber die auch nicht schlechte Leistung von Nicholas Cage in "Leaving Las Vegas".

Großansicht "Das Piano": Die stumme Ada wird in Neuseeland abgesetzt, um eine arrangierte Ehe einzugehen (Foto: Pandora)

"Das Piano": Die stumme Ada wird in Neuseeland abgesetzt, um eine arrangierte Ehe einzugehen (Foto: Pandora)

Extras für den Goldjungen

Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang Holly Hunter in "Das Piano", Tommy Lee Jones in "Auf der Flucht", Al Pacino in "Der Duft der Frauen" und Kathy Bates mit ihrer beeindruckenden Horrorperformance in "Misery". Nur Daniel Day-Lewis und "Mein linker Fuß" sucht man auf DVD bislang vergeblich.

Natürlich gehören zu den Oscar-Gewinnern von heute und vorgestern auch ein paar erlesene Klassiker, denn auch dafür hat uns die liebe Industrie die DVD geschenkt - opulente Filmlegenden im Letterboxformat, digital aufpoliert und günstigenfalls mit Audiokommentaren etc. versehen.

Großansicht Es grünt so grün wenn Spaniens Rosen blüh'n: "My fair Lady" (Foto: Warner)

Es grünt so grün wenn Spaniens Rosen blüh'n: "My fair Lady" (Foto: Warner)

Hoch leben die 50er und 60er

Aus den goldenen 50ern sollten "Verdammt in alle Ewigkeit" (acht Oscars), "Die Faust im Nacken" (acht Oscars), "Die Brücke am Kwai" (sieben Oscars), "Lawrence von Arabien" (sieben Oscars) und der langjährige alleinige Rekordhalter "Ben Hur" (elf Oscars) nicht fehlen.

Konservative Kulturpolitik betrieb die Akademie in den 60ern, als Musicals wie "My Fair Lady" (acht Oscars), "Meine Lieder - meine Träume" (fünf Oscars) und "Oliver!" (sechs Oscars) richtungsweisende Klassiker wie "Frühstück bei Tiffany" (zwei Oscars für Musik), "Die Reifeprüfung" (ein Oscar für Regie) oder Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum" (ein Oscar für Effekte) in den Schatten stellten. Zum Ausgleich erhielt im Weltrevolutionsjahr "Asphalt-Cowboy" als erster Film mit X-Rating den Oscar für den besten Film.

Großansicht Mafiosi unter sich in der Gangsteroper "Der Pate" (Foto: Paramout)

Mafiosi unter sich in der Gangsteroper "Der Pate" (Foto: Paramout)

Rocky boxt sich durch

Bei der Preisverleihung von 1971 räumte das Army-Opus "Patton" sieben Awards ab; in den Folgejahren setzten "Der Pate" und sein Sequel (zusammen neun Oscars) neue Maßstäbe im Gangsterkino. Fünf Oscars nur in Hauptkategorien ergatterte Milos Formans "Einer flog über das Kuckucksnest"; später wiederholte der Regisseur das Kunststück eine Nummer größer mit "Amadeus".

Und schließlich hätte beinahe Sylvester Stallone den Oscar kassiert, denn "Rocky" war mit Sicherheit auf ganzer Linie sein Film. Stattdessen aber erhielten "nur" Film, Schnitt und Regisseur Avildsen den begehrten Preis. Für den besten Darsteller hielt man Peter Finch in "Network".

Thomas Abel, 21.02.2005, 15:58

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