Jane Campion über "Bright Star"
Nach einer Schaffenspause ist Jane Campion wieder da mit "Bright Star - Meine Liebe. Ewig", einem Film über die zum Scheitern verurteilte Liebe zwischen dem Poeten John Keats und der Schneiderin Fanny Brawne im 19. Jahrhundert.
Wie sollen wir Ihren Film bezeichnen? Als Literaturverfilmung oder als Biopic?
Jedenfalls nicht nur als Historienfilm, auch wenn Ausstattung und Kostüme die Zeit widerspiegeln. Historienfilme sind oft nur schön und langweilig. Die Kombination von Abbie Cornish und Ben Whishaw macht "Bright Star" vor allem zu einer Lovestory voller Sehnsucht und Sinnlichkeit. Liebe ist als universelles Gefühl nicht an ein bestimmtes Jahrhundert gebunden. Dass die beiden Schauspieler ausgerechnet aus den beteiligten Ländern kommen, ist Zufall. Als ich Ben in "Das Parfum" sah, dachte ich erst, das haut nicht hin. Aber dann schickte mir sein Agent Fotos, auf denen er wie ein Rockstar wirkte. Abbie als willensstarke und lebhafte junge Frau und Ben als sensibler und unschuldiger Poet, das passte einfach. In den Proben vergaßen sie nach und nach zu spielen, wurden zu John und Fanny.
Haben Sie einen Hang zur Romantik oder warum wählten Sie ausgerechnet dieses Sujet?
Ich habe bei dieser Romeo-und-Julia-Geschichte in Andrew Motions Biografie "Keats" geweint, weil sie auch nichts mit Klischee und Kitsch zu tun hat. Keats' Briefe und Gedichte trafen einen besonderen Punkt in mir. Wir kauften die Rechte, und Motion stand uns als Berater zur Seite. Nur wusste ich nicht, wie ich Keats' Poesie auf die Leinwand bringen konnte. Das ist ja nichts Greifbares. Das Geheimnis lag darin, nichts zu intellektualisieren, sondern Empfindungen nachzuspüren, nicht alles auszusprechen, sondern ahnen zu lassen. Poesie hat auch etwas Göttliches. Ich hoffe, die Kraft der eingebauten Verse überzeugt selbst eingefleischte Lyrikhasser.
Ihre Heldinnen von "Sweetie" über "The Portrait of a Lady" bis zu "Bright Star" entsprechen nicht dem Image der netten und gefälligen Frau, sondern wagen das Abenteuer.
In dieses Muster passt auch Fanny Brawne, der es nicht reicht, zu Hause zu sticheln und zu sticken, auch wenn sie Mode mag. Sie ist keine passiv Duldende, sondern eine wilde Person, die raus will aus dem Korsett der Konventionen und sich mit Begeisterung in die fremde Welt der Poesie stürzt. Sie ist eine -Muse und sehnt sich nach Freiheit. Das unterstreichen die lichtdurchfluteten Landschaftsbilder, Symbol des Lebens. Dabei habe ich an den Maler Monet gedacht.
Was sagen Sie zu dem Etikett "feministische Regisseurin"?
Das hört sich so bedeutungsvoll an. Jeder hat seine persönliche Art der Arbeit. Ich halte es für meine wichtigste Aufgabe zu beobachten und daraus Schlüsse zu ziehen, nicht rigide etwas vorzuschreiben. Schauspieler sind sehr verletzlich, ich nehme sie bei der Hand. Eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der sie sich geschützt fühlen, erleichtert alles. Ob Frauen dazu begabter sind, weiß ich nicht. Es herrscht schon manchmal eine angriffslustige Haltung gegenüber Filmemacherinnen, viele Entscheider im Filmbusiness und auch Filmkritiker sind männlich. Die "Boys Group" vor allem in Hollywood verfügt über ein mächtiges Netzwerk. Frauen werfen einen anderen Blick auf das Leben, nicht nur auf Gefühlsdinge. Wir dürfen uns nicht auf die gleiche Ebene der Aggression begeben und nicht fürchten. Angst ist ein schlechter Begleiter.
Die Liste der Koproduzenten ist lang. Wie kamen Sie mit den verschiedenen Köchen, die oft den Brei verderben, klar?
Die Zusammenarbeit lief einwandfrei und harmonisch. Erst war Pathé im Boot, dann kam Screen Australia als Investor an Bord, gefolgt von den Briten, allen voran BBC Films. Als sich herauskristallisierte, dass wir in England on Location drehen würden stieß noch Produzentin Caroline Hewitt hinzu.
Zwischen "In the Cut" und "Bright Star" liegen vier Jahre. Wollen Sie sich jetzt wieder intensiver ins Filmgeschäft stürzen?
Ich brauchte eine Auszeit fernab jeglichen Rummels. Aber jetzt bin ich wieder da, Sie können wieder mit mir rechnen.
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