Ränkeschmiede
Lange Zeit gehörten Filme über politische Themen zu den Außenseitern auf den Kinoleinwänden. Doch spätestens seit dem 11. September 2001, dem Einzug der USA in Afghanistan und dem Irak-Krieg ist auch in Hollywood das Interesse an Politik neu erwacht.
Konnten sich in den 90ern meist nur Genrefans für Filme wie "JFK - Tatort Dallas", "Thirteen Days" (beide mit Kevin Costner) oder Oliver Stones "Nixon" begeistern, strickt man in Tinseltown nun fleißig an zahlreichen Polit-Thrillern, Dokumentationen und Biopics.
Den Anfang machte Michael Moore mit seinem viel beachteten und mehrfach ausgezeichneten "Fahrenheit 9/11". Der kritische Film über die Verstrickungen der beiden Bush-Regierungen mit dem Bin-Laden-Clan und die Skepsis vieler Amerikaner gegenüber der Anti-Terror-Politik ihres Landes sprach vielen Zuschauern aus der Seele - und brachte Moore ein hübsches Sümmchen ein. Jetzt plant er seine nächste Doku, dieses Mal über das unzureichende Gesundheitssystem der USA.
Ebenfalls kritisch gab sich Denzel Washington in Jonathan Demmes Remake von "Der Manchurian Kandidat": Als traumatisierter Soldat versucht er, dunkle Stellen in seiner Golfkriegs-Vergangenheit zu erhellen und stößt dabei auf eine groß angelegte politische Verschwörung, die Programme zur Gehirnwäsche von Soldaten verschleiert.
Meryl Streep gibt sich in diesem Film als machtgierige Senatorin die Ehre, die ihren Sohn um jeden Preis zum Präsidenten machen will.
In ihrem nächsten Film dürfte die Oscar-Preisträgerin dagegen wesentlich sympathischer rüberkommen: Streep spielt in der Komödie "First Man" eine Politikerin, die zur ersten US-Präsidentin gewählt wird.
Charaktermime Robert De Niro ist Streeps Gatte, der bislang jeden Wahlkampf organisierte und für seine Gattin erfolgreich die Strippen zog. Jetzt muss er sich damit abfinden, dass er neben der mächtigsten Frau der Welt nur noch die zweite Geige spielt.
Allerdings dürfte der "Taxi Driver" mit einem anderen Projekt einen guten Ausgleich zu seiner Rolle als untergebutterter Gatte finden.
De Niro übernimmt nämlich Regie und Hauptrolle bei dem Drama "The Good Shepherd", in dem er die Anfangsjahre der CIA und ihre Gründer unter die Lupe nimmt. Er und Matt Damon spielen den jeweils älteren und jüngeren Agenten Tom Wilson, dessen Ehe (mit Angelina Jolie als Mrs. Wilson) unter dem Druck seines Jobs zu zerbrechen droht.
Matt Damon versucht sich in "The Good Shepherd" als CIA-Gründer James Wilson (Foto: Kurt Krieger)
Doch auch Damon bekommt nicht genug von Filmen über politische Intrigen: Er spielt in George Clooneys Thriller "Syriana" einen Ölmanager, der gemeinsam mit seiner Frau (Amanda Peet) in die Hände von Terroristen gerät. Clooney, der auch privat gerne über Politiker - besonders George W. Bush - herzieht, produziert den Film und spielt darin außerdem den langjährigen CIA-Agenten Robert Baer.
Dieser muss nach dem Kalten Krieg und angesichts der zunehmenden Bedrohung aus dem nahen Osten mit ansehen, wie seiner Agency in immer gefährlicher werdenden Zeiten die Mittel gekürzt werden.
George Clooneys politisches Engagement ist schon lange kein Geheimnis mehr (Foto: Kurt Krieger)
Verglichen mit "Syriana" mutet Clooneys zweites Projekt fast schon harmlos an: In "Good Night, and Good Luck" konzentriert sich der Star auf den Journalisten Edward R. Murrow, der in den 50er-Jahren den Kommunistenverfolger Joseph McCarthy mit unangenehmen Fragen löcherte. Clooney fungiert als Regisseur, Produzent und Nebendarsteller. Die Hauptrolle überlässt er seinem Kollegen David Strathairn.
Auch in den 50er Jahren spielt der Thriller "The Chancellor Manuscript". Er basiert auf einem Roman von Robert Ludlum, der auch "Die Bourne Identität" und "Die Bourne Verschwörung" geschrieben hat.
Leonardo DiCaprio mimt darin den Autor Peter Chancellor, der ein entlarvendes Buch über den FBI-Chef J. Edgar Hoover schreibt. Bei seinen Nachforschungen findet Chancellor heraus, dass die von Hoover verfolgten linksgerichteten Denker ein Attentat auf den FBI-Gründer planen.
Offenbar will auch Sylvester Stallone auf der Welle politischer Filmprojekte mitschwimmen: Der "Rocky"-Star plant ein Biopic über den umstrittenen Partisanenführer und jugoslawischen Staatschef Tito.
Auffällig bei der aktuellen Welle politischer Filme ist, dass die wenigsten von ihnen in der Gegenwart spielen. Die Kritik an der aktuellen Politik bleibt dem Fernsehen mit Serien wie "The West Wing" oder "Over There" überlassen.
Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.