Engagiert
Ein Tag für die Liebe, den Frieden und viele, viele Preise.
Schneegestöber in Berlin. Ich wage schon jetzt die Behauptung aufstellen zu können, dass am Ende des Festivals die Damen der Schöpfung mit dicker Grippe im Bett liegen werden. Jeden Abend roter Teppich, jeden Abend nackte Füße, keine Mäntel und vor allem gute Miene zu bösen Spiel - trotz Frostbeulen.
Wie gut, dass gestern Valentinstag war und somit das Herz von Innen wärmte. Die wohl schönste Berlinale-Nachricht zum Valentinstag: Anke Engelke ist schwanger! Für das ARD Morgenmagazin berichtet sie vom Festival und schon bei der Premiere des neuen Dietl- Films "Vom Suchen und Finden der Liebe" vor ein paar Wochen kochte die Gerüchteküche. Jetzt ist es offiziell und Anke erwartet mit 39 Jahren ihr zweites Kind. Herzlichen Glückwunsch!
Weitere Glückwünsche konnte gestern früh Dani Levy für seinen grandiosen Film "Alles auf Zucker!" entgegen nehmen. In Anwesenheit der Hauptdarsteller Hannelore Elsner und Henry Hübchen wurde er am Morgen mit dem Ernst-Lubitsch-Preis für "die beste komödiantische Leistung in einem deutschen Film" ausgezeichnet.
Der Ernst-Lubitsch-Preis wurde 1957 von Billy Wilder angeregt und wird seitdem jährlich vom Club der Filmjournalisten Berlin gestiftet. Heinz Rühmann, Loriot, Manfred Krug, Christiane Hörbiger, Harald Juhnke oder Tom Tykwer sind nur einige Namen der bisherigen Preisträger.
Ebenfalls einen Preis erhielt Schauspieler Kai Wiesinger für das Drehbuch zu seinem ersten Dokumentarfilm "Evru - The Wire" - allerdings bereits im letzten Jahr.
Der mit 75.000 Euro dotierte "Planet-Dokumentarfilmpreis" ermöglichte Wiesinger sein Projekt im letzten Herbst zu realisieren, welches er gestern Nachmittag im Rahmen des "Talent Campus" auf der Berlinale vorstellte. Der Film handelt von einer Gemeinde orthodoxer Juden im Staate New York, die sich raffiniert über die geltenden Sabbat-Gesetze, wie zum Beispiel das absolute Trageverbot von Gegenständen, hinwegsetzen: Sie spannen einen Draht um ihr Viertel - den Evru.
Der Film stieß auf großen Anklang und im Anschluss entbrannte eine rege Diskussionsrunde. Kai glücklich: "Die Resonanz, die ich bekomme, ist unglaublich. Direkt nach dem Screening des Films hatte ich das Filminstitut aus London auf meiner Mailbox, die den Film unbedingt auf dem Londoner Filmfest zeigen wollen. New York rief letzte Woche schon an."
Morgen kann Wiesinger sich noch ein bisschen mehr freuen, denn dann bekommt er für das fertige Werk im Rahmen einer Party erneut einen Preis überreicht. Diesmal für das fertige Werk. Sehenswert!
Der Abend stand ganz im Zeichen des Friedens bei der glamourösen "Cinema for Peace" Gala im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, und so war der ausgerollte Teppich auch weiß an Stelle von rot.
Die Gala hat sich in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten und prestigeträchtigsten Veranstaltungen des ganzen Jahres entwickelt und dementsprechend handverlesen war die Gästeliste.
Kevin Spacey und Film-Schwager Bob Hoskins zeigten "Beyond the Sea" (Foto: Kurt Krieger)
Klaus Wowereit war zu Gast, Susan Sarandon, Tim Robbins, Catherine Deneuve, Christopher Lee, Bob Hoskins, Nadja Auermann, Veronica Ferres, die Klitschko-Brüder, Boris Becker, Suzanne von Borsody, Oliver Kahn mit seiner Verena im Schlepptau, Iris Berben und viele, viele mehr.
600 Euro kostete eine der begehrten Karten, und während der großen Charity-Versteigerung im Laufe des Abends wurden die rund 600 Gäste um noch ein wenig mehr Kleingeld erleichtert.
So erzielten von Jette Joop mit einer Digicam geschossene Portraits von Berlinale-Stars wie Catherine Deneuve, Susan Sarandon oder Kevin Spacey 18.000 Euro, ein Mercedes SLK Roadster in Kombination mit einer Tennisstunde bei Boris Becker 48.000 Euro, ein Couture Kleid der Star Designer Unrath&Strano zusammen mit Tickets für den nächsten WM Kampf der Klitschkos 8000 Euro und das Manuskript der Rede des Abends von US-Star Tim Robbins - versteigert von Catherine Deneuve höchstpersönlich - 6500 Euro.
Alles in allem konnten so über eine Million Euro für die Unicef Projekte im Rahmen der Tsunami Opferhilfe gesammelt werden. Einen "Cinema for Peace Award" gab's auch, und der ging an den im höchsten Maße berührenden Film "Hotel Rwanda", der erst am Freitag auf der Berlinale Premiere feierte. Der Preis wurde überreicht von Sir Bob Geldof, der bereits Stammgast der Gala ist.
Doch am meisten berührten sicherlich die Reden des engagierten US-Schauspieler-Paares Sarandon und Robbins. Für Frau Sarandon ist klar: " Berlin ist in Sachen Frieden die symbolträchtigste Stadt Europas. Deshalb gibt es keinen besseren Ort um ein Statement gegen Gewalt abzugeben". Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
Nova Meierhenrich
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Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.