Zwischenbilanz
Nach einer durchwachsenen ersten Hälfte schleppt sich das Festival in die zweite Halbzeit, filmisch gesehen, in Sachen Business, Kontakte und Gossip dagegen tat sich bereits einiges.
Die Berlinale in diesem Jahr fühlt sich ein wenig an wie die Geschehnisse um den sportlich maladen Hauptstadtclub Hertha BSC: Auf dem Platz passiert relativ wenig, die Stars fehlen oder fallen aus, das Publikum murrt, aber hinter den Kulissen und im Kabinengang rührt sich einiges.
Die Auktion "Cinema for Peace" beispielsweise trieb den Glamourfaktor mit einigen Rastellis der Filmszene (Liza Minnelli, Christopher Lee) wieder ein wenig in die Höhe, die Filmverleiher liefern sich einen Transferpoker um die Berlinalefilme (Columbia sicherte sich bereits den hochgelobten Neuzugang "Country of My Skull") und Techniktrainer Peter Fonda und Teamchef Dieter Kosslick stellten mit den "Shooting Stars" bereits ihr persönliches Team 2006 mit Nachwuchsstars aus 21 Ländern auf.
Die Talentförderung stimmt also, die Stadien sind ebenfalls restlos ausverkauft, nun müsste nur noch die sportliche Leistung, also die Qualität der Filme, besser werden. Vielleicht besteht ja Grund zur Hoffnung: Schließlich hat auch die alte Dame Hertha am Wochenende wieder mal gewonnen.
Apropos Dame, zu diesem Thema war in Berlin unter anderem folgender schöner Spruch zu hören: "Heute geht es nicht um Schönheit, sondern um Kunst. Die Siegerin sollte in der Lage sein, ein internationaler Star werden."
Dieser schier in Stein gemeißelte Satz stammt nicht etwa von Dieter Kosslick zur Verleihung der Bären. Nein, hier spricht Häuptling Silberlocke Rolf Eden. Nachdem der selbsternannte Oberplayboy vor zwei Jahren seine Disco Big Eden verkauft hatte, war damit auch das Schicksal einer langen Tradition besiegelt: das der "Miss Filmfestspiele"-Wahl.
Lautes Gemurre der Berliner und Deutschen Nicht-ganz-so-High-Society rief nun in diesem Jahr einige findige Party-Veranstalter auf den Plan und - Tusch! - es gibt sie wieder, die wohl am wenigsten beachtete Miss-Wahl in einer Hauptstadt. Die Siegerin heißt Michaela, ist bereits Miss Tempelhof und Miss DDR, und Rolf Eden, wieder runderneuert und mit einem ins Gesicht getackerten Permanentgrinsen am Abend zugegen war selig - na wenigstens einer!
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