

Mit einem Schlag in Hollywood etabliert: Diane Kruger in "Das Vermächtnis der Tempelritter" (Foto: Buena Vista)
» "Das Vermächtnis der Tempelritter" ist schon Ihr zweiter großer Hollywoodfilm in diesem Jahr. Haben Sie jemanden erpresst, um als Newcomerin solche Rollen zu bekommen?
DIANE KRUGER: Es ist einfach so passiert, keine Ahnung wie. Ich dachte nie, dass ich an amerikanische Filme rankommen würde. Jeder in diesem Land möchte doch Schauspieler sein, da ist die Konkurrenz riesengroß. Deshalb habe ich ja auch in Frankreich gedreht.
Aber Luc Besson, mit dem ich bei einem Projekt zusammenarbeitete, schlug mich für eine US-Produktion vor. Daraufhin bewarb ich mich für "Troja". Zu meiner großen Überraschung wurde ich genommen, und bald bekam ich dann auch das Drehbuch für "Das Vermächtnis der Tempelritter".


Mit Nicolas Cage auf den Spuren von "Indiana Jones" (Foto: Buena Vista)
» Das heißt, die Macher von "Das Vermächtnis der Tempelritter" kannten noch gar keinen Ihrer Filme?
Nur die französischen Produktionen, aber weder "Troja" noch "Sehnsüchtig". Sie haben mir schon sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Ich hoffe nur, ich habe sie nicht enttäuscht.
» Macht es mehr Spaß, in Hollywood zu drehen als in Europa?
Es ist auf jeden Fall komfortabler. In den Vereinigten Staaten wirst du schon sehr verwöhnt. Vielleicht begreifen die amerikanischen Schauspieler gar nicht, welcher Luxus das Arbeiten in Hollywood ist. In Europa musst du immer selbst zum Drehort kommen, hier wirst du jeden Tag von einer Limousine abgeholt.


Atemlose Jagd: Kruger und Justin Bartha (Foto: Buena Vista)
» Haben Sie sich schon an diese Starbehandlung gewöhnt?
Ich würde nicht gerade behaupten, dass ich ein Star bin. Nicolas Cage, mit dem ich in "Das Vermächtnis der Tempelritter" spiele, wird noch ganz anders behandelt. Ich bin ja bereits froh, dass ich überhaupt so unglaubliche Rollen bekomme.
Im amerikanischen Kino kannst praktisch ein Niemand sein - solange du gut und hart arbeitest, steckt man dich in solche Filme. Deshalb möchte ich auch weiterhin hier drehen.


Einstand nach Maß: Kruger und Orlando Bloom in "Troja" (Foto: Warner)
» Dabei wollten Sie ja ursprünglich keine Schauspielerin, sondern Balletttänzerin werden.
Das machte ich elf Jahre lang, bis mich eine Knieverletzung stoppte. Ich lebte damals in London und hatte keine Lust, nach Deutschland zurückzukehren. Allerdings konnte mich meine Familie nicht finanziell unterstützen, und die Uni war auch nicht so mein Fall.
Zum Glück bot mir jemand einen Job als Model an. Also ging ich mit 17 nach Paris, um in dieser Branche zu arbeiten. Nach fünf Jahren wurde mir das zu langweilig. Ich ging auf die Theaterschule, und weil ich genügend verdient hatte, konnte ich mein erstes Projekt sehr sorgfältig auswählen.


Liebeskummer in "Sehnsüchtig" (Foto: Concorde)
» Nach "Troja" können Sie es sich ja erlauben, noch ein wenig wählerischer zu sein.
Dieser Film hat mir sicher viele Türen geöffnet, und ich bekomme eine wesentlich größere Zahl von Angeboten. Aber das macht die ganze Angelegenheit eigentlich auch schwieriger. Denn jetzt ist die Frage: Wie viele davon soll und darf ich ablehnen, um auf noch bessere Rollen zu warten?
Ein Teil von mir sagt sogar: Jetzt mach mal Pause. Dann können die Leute endlich deine bisherigen Filme sehen und beurteilen, ob du spielen kannst oder nicht.


"Das Vermächtnis der Tempelritter" fest im Blick (Foto: Buena Vista)
» Was ist denn das Beste, das Sie in letzter Zeit so bekommen haben?
Das war der französische Film "Merry Christmas". Er erzählt eine wahre Geschichte von gegnerischen Soldaten im Ersten Weltkrieg, die kurzzeitig einen Waffenstillstand schließen, um Weihnachten feiern zu können. Ich spiele darin eine Opernsängerin.
» Also doch wieder ein europäisches Projekt. Gibt es etwas, das Sie an Hollywoodproduktionen nicht mögen?
Nun ja, die können physisch ganz schön anstrengend sein. Für "Troja" war es notwendig, innerhalb von zwei Wochen fünf Kilo zuzunehmen. Alle zwei Stunden musste ich etwas essen oder einen Proteinshake schlucken. Dabei war mir die Rolle zu diesem Zeitpunkt nicht mal sicher!
Weil ich "Das Vermächtnis der Tempelritter" unmittelbar danach drehte, blieb keine Zeit mehr, um mich in Form zu bringen. Deshalb hat mich der Dreh ganz schön geschlaucht. Andererseits - wovon reden wir? Wenn ich das mit meiner Kindheit vergleiche, sind diese Erfahrungen doch lächerlich.


Mit den Gedanken schon beim nächsten Blockbuster? (Foto: Buena Vista)
» Was hat Sie damals so geschockt?
Ich musste auf eine Dorfschule gehen - als eins von drei Mädchen mit 24 Jungen in einer Klasse. Und ich hatte Pflichtfächer wie Chemie und Physik, die ich nicht ausstehen konnte.
Die ganze Zeit sagte ich mir nur: Wann kommst du hier endlich raus...?
| Das Gespräch führte Rüdiger Sturm |
17.11.2004 |