Comedy-Spezialist Judd Apatow über den speziellen Humor von "Wie das Leben so spielt", seinen Kumpel Adam Sandler und die Spezies des Komikers.... http://images.kino.de/newspics/494/279494_1/b150x150.jpg "Es gibt keine Geschmacksgrenzen mehr"

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Apatow über "Wie das Leben so spielt"

"Es gibt keine Geschmacksgrenzen mehr"

Judd Apatow ist Hollywoods neuer King of Comedy. Mit seiner dritten Regiearbeit "Wie das Leben so spielt" wagt sich der Erfolgsproduzent an seinen bislang ambitioniertesten Stoff.

Großansicht "Wie das Leben so spielt" ist ein tragikomischer Film über tragikomische Menschen: Komiker! (Foto: Universal)

"Wie das Leben so spielt" ist ein tragikomischer Film über tragikomische Menschen: Komiker! (Foto: Universal)

"Wie das Leben so spielt" vereint mit Adam Sandler, Seth Rogen und Jonah Hill beliebte US-Komiker, dennoch ist es keine übliche Komödie.

Sicherlich ist es schwierig, diesen Film zu kategorisieren. Es geht zwar um Komiker, aber im Fokus stehen nicht die Gags, sondern die Story. Ich denke, es ist uns gelungen, beides erreicht zu haben: Einerseits erhält man einen realistischen Einblick in die Probleme von Komikern, andererseits kommt der Humor nicht zu kurz.

Adam Sandler zeigt sich in seiner Rolle nicht immer sympathisch. War es schwierig, ihn dafür zu gewinnen?

Wir beide kennen uns schon sehr lange, haben in unserer Anfangszeit sogar in einer WG gelebt. Adam sagte mir, was immer dein nächster Film ist, ich möchte dabei sein. Es gab nie einen Moment, in dem er etwas ablehnte, weil er dadurch Sympathiepunkte verlieren könnte. Für einen Regisseur ist es eine Traumsituation, wenn ihm der Star voll und ganz vertraut.

In den USA blieb das Einspielergebnis hinter den Erwartungen zurück.

Man hofft zuerst, dass zumindest die Investoren ihr Geld zurückkriegen, und sich der Film letztendlich bezahlt gemacht hat. "Wie das Leben so spielt" stach aber auch vom sonstigen Sommerprogramm der Kinos heraus. "G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra" ist sicherlich besser gelaufen, weil er viele Effekte aufweist. Dennoch hoffe ich, dass da draußen immer noch ein Publikum existiert, das nach menschlichen Geschichten schreit. Immerhin landete unser Film sofort auf Platz eins der US-Kinocharts.

Mag es vielleicht auch daran gelegen haben, dass sich die Leute unter dem Originaltitel "Funny People" etwas anderes vorstellten?

Ich gebe zu, dass es schwierig zu kommunizieren ist, was dahintersteckt. Es ist etwas komplizierter als bei "Jungfrau (40), männlich, sucht ...", wo allein schon der Titel verrät, um was es geht. Wir standen vor der Herausforderung, wie wir es sagen sollen, dass unser Film anders ist. Keine durchgedrehte Komödie, sondern eine mit Tiefgang, die auch fast zweieinhalb Stunden dauert. Ich war immer der Meinung, ehrlich zu sein und genau das zu kommunizieren. Manche Zuschauer können sich darauf einlassen, andere wollen ihr Gehirn lieber nicht anstrengen, weil sie müde sind und nur noch mit leichter Kost abgelenkt werden wollen. Aber das Kino ist ja nur der Anfang. Danach kommt der Film auf DVD heraus und wird im Pay-TV gezeigt. Spätestens in zwei Jahren hat jeder etwas von "Wie das Leben so spielt" gehört. Davon bin ich überzeugt.

Leichte Kost sind sicherlich Gags, die unter die Gürtellinie zielen, von denen es auch bei Ihnen reichlich gibt. Hungert das Publikum heutzutage eher nach derart derben Witzen?

Sagen wir mal so, es gibt nicht mehr viele Geschmacksgrenzen, die noch auszutesten wären. Insofern funktionieren Komödien ähnlich wie Horrorfilme, in denen auch ständig neue Wege ausprobiert werden, wie sich Zuschauern noch gruseln lassen. Die größten Lacher bekommt man, wenn Gags eine Schockwirkung haben.

Warum arbeiten Sie immer wieder mit dem gleichen Personal?

Inzwischen sind wir zu einer großen Gruppe angewachsen und wir alle können nun mal gut miteinander. Als ich mit "Wie das Leben so spielt" anfing, fragte ich Adam Sandler, mit welchem Komiker der neuen Generation er hier gern zusammenarbeiten möchte. Er antwortete auf Anhieb: Seth Rogen. Aber wir sehen uns ständig neue Talente an, und Eric Bana ist ein Typ, mit dem wir noch nie etwas zu tun hatten, aber wir stellten sein komisches Potenzial nie infrage. Man darf nicht vergessen: Seine Karriere hat er als Stand-up-Comedian begonnen.

Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus?

Ich habe gerade "Get Him to the Greek" produziert, in dem Jonah Hill und Russell Brand die Hauptrollen spielen werden. Die Komödie soll nächstes Jahr in die Kinos kommen. Als Regisseur und Drehbuchautor nehme ich nach "Wie das Leben so spielt" erst einmal eine Pause. Mein Kopf ist gerade so leer, dass ich die nächsten sechs Monate nur noch Bücher lesen und Filme sehen möchte, die schon lange auf meiner Liste stehen.

Markus Tschiedert, 15.09.2009, 09:00

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