Stadlober & Ullmann
Jungstar Robert Stadlober und Newcomer Kostja Ullmann haben keine Angst vor heißen Eisen. In der Coming-Of-Age-Komödie "Sommersturm" setzen die beiden Hauptdarsteller das Thema Homosexualität in Szene.
Ich hatte das Drehbuch schon vorher gelesen und fand es toll. Als ich gefragt wurde, ob ich in "Sommersturm" mitspielen will, hab ich sofort ja gesagt. Marco Kreuzpaintner und ich haben uns einen Nachmittag in ein Münchner Cafe gesetzt und danach war alles klar. Thema ist super, der Regisseur ist super, die Produktionsfirma ist sowieso super - da gab's keine großen Überlegungen mehr.
Ich hatte zwei Castings und dabei habe ich auch Marco kennen gelernt. Es ging eigentlich alles ziemlich schnell.
Wenn eine heterosexuelle Rudermannschaft auf eine homosexuelle trifft... (Foto: X Verleih)
STADLOBER: Tobi ist mir sehr nahe. Er ist so, wie ich vor ein paar Jahren war. Gerade das unglückliche Verliebtsein habe ich in aller Ausführlichkeit mitgemacht. Es ist das erste Mal, dass ich jemanden spiele, der jünger ist als ich. Super, dass ich dabei schon auf meine doch relativ geringe Lebenserfahrung zurückgreifen konnte.
ULLMANN: Achim ist mir sehr ähnlich. Und gerade in der Zeit, in der ich das Drehbuch gelesen habe, hatte ich eine ähnliche Erfahrung. Anders als im Film war es zwar ein Mädchen, das sich im mich verliebt hat, aber ich konnte diese Liebe auch nicht erwidern.
STADLOBER: Super. Das Tolle ist, einen Film zu machen, bei dem der Regisseur nicht viel älter ist. Vor kurzem hatte man die gleichen Probleme und kann so einfach besser darüber reden.
Marco ist trotz seines jungen Alters einfach ein wahnsinnig guter Regisseur. Er ist großartig in Sachen Schauspielerführung. Er gibt uns einen psychologischen Zurückhalt, den ich sonst nur von Hans-Christian Schmid kenne. Marco ist zart und mitfühlend. Er ist jemand, der einen in den Arm nimmt, wenn alles aus dem Ruder läuft und man am Heulen ist.
STADLOBER: Es gibt eine Diskriminierung, die aber nicht so offensichtlich ist. Oberflächlich ist alles liberal und tolerant, aber gerade durch die HipHop-Kultur kommt es zu einer ganz neuen Diskriminierung.
Wenn man mit 14 in der Schulklasse steht und jemand sagt "Gib mit mal den schwulen Bleistift", trifft das richtig, wenn man meint, dass man auf Männer steht. Ich glaube, es ist immer noch nicht klar, dass es keine Schubladen gibt. Es geht nicht darum, ob jemand schwul, lesbisch oder hetero ist, sondern darum, dass man jemanden liebt.
STADLOBER: Ich möchte, dass 14-Jährige das Kino mit dem Mut verlassen, einfach ihrem Herzen zu folgen - so hippieesque sich das auch anhört. Weil es egal ist, was man liebt.
Das Schöne an dem Film ist, dass auch für Leute etwas dabei ist, die sich sonst gerne "Mädchen Mädchen!" oder "Harte Jungs" ansehen. Vielleicht werden sie unmerklich von einem Thema "gecatched", über das sie eigentlich gar nicht nachdenken wollten. Ich hoffe, das funktioniert.
STADLOBER: Die Story anders ist als bei einem normalen Coming-Out-Film, der in der Schwulen-Ecke landet und den sich jemand, der mit dem Thema nichts zu tun hat, nicht ansehen würde.
Wir haben Witze drin, die ein Mainstream-Publikum amüsieren können, zum Beispiel die Sachsenmädels und Ferdels eingeklemmte Vorhaut. Es ist ein Film, der auf ein breites Publikum zielt. In Verbindung mit dem Thema Homosexualität gab es das so vorher noch nicht.
STADLOBER: Die Zeit nach "Crazy" war hart. Es war aufregend und lustig, aber auch wirklich anstrengend und nervig. Auf einmal kam dieser Hype, und alle fanden mich toll. Ein Jahr später war wieder alles anders. Das war nicht einfach zu handeln.
Mein Presseagent hat mich aus dieser Nummer rausgezogen. Er hat mir unter die Arme gegriffen und mir gesagt, wie ich mich der Presse gegenüber verhalten soll. Mittlerweile weiß ich selber, was gut und was schlecht ist, aber mit 16 war ich da noch ein bisschen blauäugig. Auf beiden Augen.
ULLMANN: Ich konnte es nicht glauben, es war für mich schon so unglaublich überhaupt bei "Sommersturm" mitzumachen. Es war mein erster Kinofilm. Mit Marco zu drehen war einfach super - neben Robert. Ich glaube, einen besseren Einstig konnte ich gar nicht bekommen.
Und dann auch noch zu erfahren, dass ich nominiert bin. Ich erwarte auch gar nicht viel. Allein nominiert zu sein, ist schon super.
STADLOBER: Ich würde natürlich gerne international arbeiten, nicht nur in Deutschland. Leider kann man das alles nicht planen. Im Prinzip will ich einfach gute Filme machen und hoffe, dass ich davon leben kann. Sonst stehe ich nämlich da. Ich hab keinen Schulabschluss, ich bin ein ganz armes Würstchen.
ULLMANN: Ich hoffe, dass ich weiterhin tolle, anspruchsvolle Filme machen kann. Schön wäre es auch, noch mal mit Marco zu drehen. Das war einfach super. Es soll einfach weiterhin so gut laufen. Im Moment kann ich mich nicht beschweren. Ich bin ja auch noch jung.
STADLOBER: Da sind wilde Geschichten passiert. Wir haben alle zusammen in einem Hotel gewohnt, in dem außer uns keine Gäste waren.
Gerade die Leute, die tageweise frei hatten, haben's gut krachen lassen. Marlon (Kittel, Anm. d. Red.) hat mit der Kegelkugel ein großes Loch in die Decke gemacht. Durch das Loch hat es dann reingeregnet.
STADLOBER: Es ist schon eine seltsame Gruppendynamik, die sich bei einem Filmteam entwickelt. Man hat zwei Monate lang fast 24 Stunden am Tag miteinander zu tun. Man sagt sich Sachen, die man nur seinem besten Freund sagen würde. Wenn man sich so intensiv mit Leuten anfreundet, ist es seltsam, sie wieder zu verlassen.
Aber es bleiben zum Glück immer noch ein paar übrig. Es ist nicht so, dass man geht und sich nie wieder sieht. Mit Marco ist es einfach Freundschaft. Wir Schauspieler untereinander haben noch viel miteinander zu tun. Ich bin dankbar, dass Hanno Koffler dabei war. Er ist ein toller Typ.
Aber man ist trotzdem traurig, wenn man das Team verlassen muss. Für mich war es nicht so schlimm, weil ich mich kurz vorher frisch verliebt hatte und ganz froh war, dass ich zu meiner Freundin zurück konnte.
ULLMANN: Ich war schon traurig. Wenn man nicht gleich wieder dreht, sondern ein, zwei Monate Pause hat, ist man einsam. Es war ein tiefes schwarzes Loch, in das ich gefallen bin.
STADLOBER: Ja, das stimmt. Man fällt in ein Loch. Harald Juhnke sagte auch immer, dass man danach wirklich im Eimer ist. Man hat die ganze Zeit Leute um sich herum und auf einmal sitzt man wieder allein in seinem Zimmer.
Drama über die Rettungsaktion dreier Grauwale 1988, die eine Zusammenarbeit der Supermächte USA und UdSSR erforderte.