Ausnahmeregisseur Atom Egoyan über Mainstream, Midlifecrisis und eine Schocksituation beim Dreh seines neuen Films "Chloe" mit Liam Neeson.... http://images.kino.de/newspics/808/287808_1/b150x150.jpg "Ein wichtiger Film für Männer"

News

Atom Egoyan über "Chloe"

"Ein wichtiger Film für Männer"

Atom Egoyan präsentiert mit "Chloe" ein publikumswirksames Drama nach dem französischen Film "Nathalie". Der 2009 in Mannheim als "Master of Cinema" ausgezeichnete Regisseur fühlt sich Deutschland sehr verbunden.

Großansicht Atom Egoyan mit den Darstellerinnen Amanda Seyfried und Julianne Moore (Foto: Kinowelt)

Atom Egoyan mit den Darstellerinnen Amanda Seyfried und Julianne Moore (Foto: Kinowelt)

Was halten Sie von dem Kritikervorwurf, Sie würden in die kommerzielle Richtung gehen?
ATOM EGOYAN: Darüber muss ich schmunzeln. Vielleicht ist "Chloe" leichter zugänglich. Was ist daran schlecht, einen Film für ein größeres Publikum zu machen, die psychologische Geschichte mit klassischer Struktur zu erzählen, etwas linearer als sonst? Das ergab Sinn, ohne dass ich einen Kompromiss eingehen musste. Die Struktur hängt von der Story ab. Da lege ich mich auch in Zukunft nicht fest. Neu war für mich die Erfahrung, nicht das Drehbuch zu schreiben. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber der Stil von Erin Cressida Wilson gefiel mir.

Warum interessiert Sie ein Remake des französischen Films "Nathalie"?
Ich würde es Neuentdeckung nennen, ich gehe über die französische Vorlage hinaus. Wir konzentrieren uns auf bestimmte Archetypen, die Personen sind anders. Auch wenn sich die Struktur unterscheidet, sehe ich eine Ähnlichkeit im Ton zu meinem "Exotica". Eher zufällig schlug mir Ivan Reitman das Projekt vor. Und da ein US-Studio absprang, weil es die Weltrechte nicht bekam, hatten wir nur mit Studio Canal zu tun. Das erleichterte die Kommunikation.

Während der Dreharbeiten starb Liam Neesons Frau Natasha Richardson.
Ein Riesenschock und die extremste Situation meiner Karriere. Plötzlich tauchten Versicherungsleute und Investoren am Set auf und fragten uns Löcher in den Bauch, dabei wusste ich selbst nicht, wie es weitergehen sollte. Wir haben dann Szenen ohne Liam gedreht, und wie durch ein Wunder kehrte er zurück, und wir konnten den Film beenden. Diese Erfahrung wünsche ich meinem schlimmsten Feind nicht.

Wendet sich "Chloé" primär an ein weibliches Publikum?
Beim Testscreening kamen viele Zuschauer nur wegen Liam Neeson, waren aber nicht enttäuscht, dass Julianne Moore und Amanda Seyfried die zentralen Parts spielen. "Chloé" ist ein wichtiger Film für Männer, da lernen sie viel über Frauen in der Midlifecrisis.

Bilder zu "Chloe"

Fotos ansehen

Die Midlifecrisis gibt es auch beruflich. Hat man in einem bestimmten Alter das Gefühl, die besten Zeiten seien vorbei, die besten Filme realisiert?
Im Rückblick auf die künstlerische Karriere ist man in den Dreißigern auf dem Höhepunkt, da hatte ich diesen außergewöhnlichen Lauf mit "Calendar", "Exotica" oder "Das süße Jenseits". Für mich der wichtigste, wenn auch nicht der beste Film kam erst mit "Ararat" 2002. Ich gebe zu, das war eine ziemlich problematische Sache, aber ein Wendepunkt in meinem kreativen Schaffen und Beginn einer neuen Ära. Ich schätze mich deshalb glücklich, weiterhin Unterstützung zu bekommen.

Ihre Filme wurden seitdem schwieriger, etwa "Simons Geheimnis". Muten Sie dem Zuschauer zu viel zu?
Manchmal frage ich mich, ob ich nicht zu intellektuell an die Projekte herangehe. Es ist natürlich enttäuschend, so viel Arbeit investiert zu haben und dann mit leeren Händen dazustehen. In allen Ländern löste "Simons Geheimnis" Diskussionen aus, in Deutschland waren die Kritiken gut und die Zusammenarbeit mit X Verleih einfach toll. Aber der Zuschauer verweigerte sich. Das tut schon weh.

Was verbindet Sie mit Deutschland?
Meinen zweiten Geburtstag habe ich in Köln gefeiert, in Mannheim, meinem ersten Festival überhaupt, erhielt ich 1984 den Goldenen Dukaten für "Die nächsten Angehörigen", im Forum in Berlin lief "Familienbilder", in Hof "Exotica", da erinnere ich mich noch an ein lustiges Fußballspiel. In Deutschland wurde meine künstlerische Arbeit von Anfang an anerkannt, sogar früher als in Frankreich. Und ich bin natürlich von der deutschen Philosophie beeinflusst, habe "Salome" und Wagners "Ring" inszeniert.

Wie steht es mit dem Gemeinschaftsprojekt mit Hal Hartley?
Das köchelt so vor sich hin. Ich inszeniere weiter Oper und Theater, liebe Musik und finde Theaterproben aufregend, würde aber nicht ein Medium gegen das andere ausspielen. Filmemachen bleibt meine Priorität.

Margret Köhler, 30.03.2010, 10:12

Clip zur News

treffpunkt kino kompakt

In der aktuellen Ausgabe: Die große Preview zu "Ice Age - Voll verschoben" und der erste Trailer zu "Skyfall"!

Zum Magazin

Das multimediale Kinomagazin jede Woche kostenlos per Mail - jetzt registrieren!

GO

Cannes 2012: Die schönsten Bilder vom Festival

Kostenloser Newsletter

Newsletter
  • Neustarts und Filmcharts
  • Neueste Trailer und Previews
  • Stars, Gerüchte & Geheimnisse
Jetzt kostenlos bestellen

Service

kino.de mobil

kino.de mobil

Das aktuelle Programm Ihres Lieblingskinos haben Sie überall dabei - kostenlos auf Ihrem Handy.
E-Magazin

Treffpunkt Kino - die neue Ausgabe jetzt auch online!

Jeden Monat die schönsten Seiten des Kinos: Deutschlands größte Kinozeitschrift Treffpunkt Kino liegt kostenlos in den Foyers der größten Kinoketten und vielen weiteren Kinos aus. Diesen Monat gibt's Treffpunkt Kino auch online.