Antoine Fuqua zu "Gesetz der Straße"
"Training Day"-Regisseur Antoine Fuqua wartet mit einem neuen Cop-Thriller auf. Für "Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest" drehte er mit einem hochkarätigen Ensemble an Originalschauplätzen.
Was zog Sie nach Brooklyn?
ANTOINE FUQUA: Eine Reihe von Zufällen brachte das Projekt ins Rollen. Das Drehbuch kam über Thunder Road Productions und über Basil Iwanyk zu mir, einer der Executives von Warner, den ich von "Training Day" her kenne. Eigentlich hatte ich keine Lust auf einen neuen Cop-Film, aber das Skript zog mir die Schuhe aus. Es ging weit über das Übliche hinaus, eine menschliche Tragödie und ein Genrefilm. Die Handlung stützt sich auf mehrere Figuren und ihre ganz persönliche Wirklichkeit. Stellen Sie sich vor, es sterben mehr Cops in New York durch Suizid als bei Verbrecherjagden. Diese Männer stehen jeden Tag unter Strom, kein Wunder, dass bei einigen die Sicherungen durchbrennen.
Wie in "Training Day" auf den Straßen von Los Angeles wagen Sie sich auch hier in heruntergekommene Viertel.
Ohne die authentische Atmosphäre hätte ich das Projekt fallen lassen. Da gab es Finanziers, die meinten, ich könne doch woanders drehen, aber das wäre ein anderer Film gewesen. Das Publikum muss das Resultat unserer Arbeit riechen und schmecken können. So wie South Central in Los Angeles einer der Hauptcharaktere in "Training Day" war, so ist es nun mit East Brooklyn in "Gesetz der Straße". Wenn man an Originalschauplätzen dreht, setzt das ganz andere Emotionen und Energien frei als im sterilen Studio.
Konnten Sie ohne Gefahr an diesen sozialen Brennpunkten drehen?
Wir haben uns an einem der gefährlichsten Plätze Amerikas getummelt. Die Polizei warnte uns, versprach uns nur bedingten Schutz. Die East Brooklyn Housing Projects sind nichts für Weicheier, die Kriminalitätsrate ist extrem hoch, Mord und Totschlag an der Tagesordnung, Crack und Kokain werden an jeder Straßenecke gehandelt. Natürlich durften wir als Team da nicht einfach reinplatzen, sondern mussten erst einmal Vertrauen gewinnen und vor allem die "Chefs" überzeugen. Das Eis brach unsere Initiative "Filming in Brooklyn". Vier Kids nahmen an meinem Filmprogramm für Jugendliche teil, wurden mit professionellem Equipment ausgerüstet und zogen begeistert mit der Kamera los, hoffentlich ein Neuanfang für sie. Um die Bewohner einzubinden, gaben wir ihnen Jobs, auch als Statisten. Diesen Mix aus Superprofis wie Richard Gere, Wesley Snipes, Ethan Hawke und Normalos finde ich reizvoll.
Wie arbeiten Sie mit einem so hochkarätigem Ensemble?
Ich probe viel und erlaube den Schauspielern viel Freiheit. Auch wenn ich sehr gut vorbereitet bin, klammere ich mich nicht rigide an meine Ideen. Es wäre eine Sünde, sich von so tollen Leuten nicht inspirieren zu lassen. Diese A-List-Stars überhaupt zusammenzukriegen war eine Wahnsinnserfahrung, wir sind locker an die Sache herangegangen, waren gut drauf.
Sie werden als Regisseur hoch gehandelt und haben sogar den Final Cut.
Die absolute Vorbedingung. Kontrolle über meine Arbeit ist mir sehr wichtig, ohne künstlerische Freiheit geht bei mir gar nichts. Seit "King Arthur" habe ich einiges gelernt. "Brooklyn's Finest" war ein Independent-Movie, trotz des Budgets von 17 Mio. Dollar. Ich kann mir vorstellen, zwischen kleineren Filmen und Studioproduktionen zu wechseln - auch weil eine erfolgreiche Großproduktion erst Herzensprojekte ermöglicht. Zurzeit plane ich zwei ziemlich aufwendige Filme, "Consent to Kill" und "Escobar". Da kommt was auf mich zu.
Es heißt, Hollywood sei immer noch rassistisch.
Das können Sie laut sagen, es gibt kaum farbige Executives, daran haben wir uns zähneknirschend gewöhnt. Den Rassismus kann ich nicht von einem Tag auf den anderen zum Verschwinden bringen. Aber ich will meine Projekte so realisieren, wie ich will. Wer die absegnet, ist mir egal. Irgendwann muss sich die Situation ändern.
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