A. Payne im Gespräch
Mit "Sideways" macht sich Alexander Payne zur Ikone des US-Independent-Kinos. Wir trafen den Regisseur und Weinkenner zum Gespräch.
: Mich stört, dass man so wenige von ihnen im Kino sehen kann.
Zumindest das Mainstream-Kino in Amerika dreht sich immer nur um unfassbar schöne Menschen, die unfassbare Dinge tun - und das nach einer ganz bestimmten Formel. Über das Leben erfahre ich da nichts. Aber genau das interessiert mich: das Leben. Ich will, dass meine Kunst ein Spiegel des menschlichen Erlebens ist.
Mit jedem Film wird es einfacher. Mein Erstling "Citizen Ruth" war ein Albtraum. "Election" war eine endlose Arie, bis er endgültig stand. Bei "About Schmidt" war es schon leichter. Der Name Jack Nicholson öffnet viele Türen.
Und "Sideways" entstand fast ohne Widerstände. Der Grund dafür ist simpel: Es gibt ein Publikum für meine Filme, keiner von ihnen hat Geld verloren. Da ist man fein raus und hat fast freie Hand.
Warum nicht? Paul war perfekt. George Clooney hatte sich ursprünglich für die Sidekick-Rolle angeboten. Ich würde gerne mit ihm arbeiten, weil er ein guter Schauspieler und ein großer Star ist. Aber das hätte ein Ungleichgewicht gegeben und sich nicht richtig angefühlt.
Thomas Haden Church war die richtige Entscheidung. Mir geht es dabei nur um eins: Glaube ich, was mir gezeigt wird? Church glaube ich - Clooney hätte ich nicht geglaubt.
Auf jeden Fall habe ich die Freiheit erhalten, "Sideways" ohne Stars zu drehen. Zudem war er mit einem Budget von 16 Millionen Dollar für amerikanische Verhältnisse ausgesprochen preisgünstig.
Über solche Fragen denke ich eigentlich nur dann nach, wenn ich in Filmschulen doziere - was ich sehr gerne mache. Das zwingt mich, mich mit mir und meiner Arbeit auseinanderzusetzen.
Ich war viel entspannter, als ich ihn gedreht habe. Ich habe begriffen, dass ich meine kreative Vision nicht aufdrängen muss, sondern meinen kreativen Mitstreitern einfach nur den nötigen Spielraum zu lassen habe, um optimale Resultate zu erzielen.
Meine Aufgabe bestand vielmehr darin, die Atmosphäre zu schaffen, in der all diese Dinge passieren können. Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass man der Regisseur ist - aber nicht der Schöpfer. Man muss einfach nur die kreativen Energien in die richtigen Bahnen lenken.
Ehrlich gesagt: Nein. Das ist doch die ganze Idee, die hinter dem Filmemachen steckt. Man weiß nicht, was einen erwartet. Ich habe eine Vorstellung, das schon. Aber ich lasse mich überraschen, inspirieren, will entdecken. Das kann man nicht vorab planen.
Zunächst mal: Ich liebe Wein. Und in der Umgegend von Santa Ynez wird guter Wein gemacht. Napa Valley und Sonoma im Norden von San Francisco sind immer noch bekannter, weil es den Weinbetrieb dort schon länger gibt. In Santa Ynez wird Wein erst seit 30 Jahren gemacht. Aber die Gegend wird langsam populär.
Ich sehe sie zunächst als Menschen mit all ihren Schwächen und Fehlern. Das interessiert mich. Verlierer sind sie nur deshalb, weil sie das Gegenteil von Gewinnern sind. Sie sind zum Scheitern verdammt, kämpfen aber dennoch um ihre Würde.
Die Idee des Verlierens hat eine große Tradition in der Komödie. Chaplins Tramp war ein Verlierer, Laurel und Hardy waren Verlierer. Aber ich sehe nicht auf sie herab oder mache mich über sie lustig, weil sie scheitern. Im Gegenteil: Das macht sie menschlich.
Das würde ich so nicht sagen. Worum es mir und meinem Drehbuch-Kollegen Jim Taylor geht, ist ein gewisser Blick auf das Leben. Wenn wir einen Film in Frankreich machen würden, hätte er gewiss die selbe Sensibilität.
Man kann die Dinge immer nur mit den eigenen Augen sehen. Und darum geht es uns: Amerika, das Leben - gefiltert durch unseren Blick. Wir zeigen nur, was wir in Amerika sehen: Auf dem Weg vom Flughafen zur Stadtmitte fährt man an den hässlichsten Ecken vorbei, die man sich vorstellen kann. Die wollen wir zeigen, so wie wir sie sehen.
Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.