Hingucker 2007
Im Jahr des Fortsetzungswahns und der Threequels - der dritten Teile - konnte man sich risikolos von Bewährtem und Bekannten unterhalten lassen; oder sich hinaus wagen und ein überaus anspruchsvolles Jahr entdecken, das so vielfältige und bezaubernde Kost wie lange nicht mehr bot.
Fantasy, Sapß, Action: 2007 wartete in den verschiedensten Genres mit DVD-Perlen auf (Foto: Senator, Fox, UIP, Fox)
Den Goldenen Bär und den Friedenspreis gewann das sensible, erschütternde Mutter-Tochter-Drama "Esmas Geheimnis - Grbavica" (2.2.), das im notdürftig befriedeten Sarajevo mit den bosnischen Kriegsmythen aufräumt. Humor, so schwarz wie eine Raucherlunge bewies Ivan Reitmans Sohn Jason bei seiner galligen Satire "Thank You For Smoking" (12.2.), die zu einen Rundumschlag gegen die Tabak-Lobby ausholt.
Ebenso empörend war Michael Winterbottoms mit dem Silbernen Bären ausgezeichneter "Road to Guantanamo" (26.2.), eine Abrechnung mit dem amerikanischen Unrechtssystem, bei dem drei britische Muslime unschuldig in der Hölle von Guantanamo landen.
Ausgezeichneter Ökofeldzug: Al Gore will auf die Folgen der Klimaerwärmung aufmerksam machen (Foto: UIP)
Zuerst der Oscar, dann der Friedensnobelpreis - Al Gores unermüdlicher Einsatz für Aufklärung über den Klimawandel wurde endlich angemessen gewürdigt. Ausgangspunkt: Die Dokumentation über seine Vortragsserie "Eine unbequeme Wahrheit" (29.3.). In der packenden Dystopie "Children of Men" (12.4.) war die Lage noch verzweifelter: Die Menschheit stirbt aus, weil kein Kind mehr geboren wird. Mitreißende Social Fiction, versehen mit atemberaubender Kameraarbeit.
Gleich zwei Oscars heimste die anrührende Komödie "Little Miss Sunshine" (14.5.) ein, die als zutiefst menschliches Roadmovie über eine verdreht-exzentrische Familienbande zur herzerwärmenden Ode an Außenseiter wird.
Was für Standards "Pan's Labyrinth" (30.7.) setzte, ließ sich leicht an drei Oscars und dem gewaltigen Erfolg ablesen, den Guillermo Del Toros düster-phantasische Mär aus dem Franko-Regime erreichte. Eine Vision, die jetzt schon als Klassiker gilt.
Das bislang eindringlichste und mit seinem Idealismus begeisternde Lehrer-Schüler-Drama gelang "Freedom Writers" (23.8.), dessen optimistische Botschaft von Toleranz und Respekt auf wahren Begebenheiten fußt. Ein großartiges Melodram um irreversible Entscheidungen und ihre Auswirkungen realisierte die dänische Meisterin der menschlichen Gefühle, Susanne Bier, mit "Nach der Hochzeit" (3.9.).
Mit "Bobby" ist Emilio Estevez ein stimmiger Querschnitt durch die amerikanische Gesellschaft im Jahr 1968 gelungen (Foto: Kinowelt)
Ein Fantasyfilm, hinter dessen Fassade sich ein sensibles Jugenddrama über den Umgang mit Trauer und Verlust verbarg: "Die Brücke nach Terabithia" (20.9.) überraschte mit AnnaSophia Robb als zukünftigen Stern.
Zu Grabe trug das stargespickte Ensemble-Drama "Bobby" (5.10.) hingegen die Hoffnungen einer Nation, als JFKs Bruder Robert Kennedy erschossen wurde. Und in dem ergreifend erdichteten französischen Emo-Drama "Keine Sorge, mir geht's gut" (8.11.) verschweigen verzweifelte Eltern ihrer Tochter den Tod des Bruders - mit lebensgefährlichen Folgen. Mehr davon!
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