Jay Roach im Gespräch
Mit "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" landete Regisseur Jay Roach erneut einen Riesenhit. Die Komödie, die in Deutschland über drei Millionen Zuschauer in die Kinos lockte, wird auch auf DVD ein breites Publikum zum Lachen bringen.
» "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" ist nach dem ersten Teil, "Meine Braut, ihr Vater und ich", und den drei "Austin Powers"-Filmen Ihre fünfte Hitkomödie. Haben Sie das Geheimnis des Humors entdeckt?
JAY ROACH: Ich wünschte, es wäre so. Dann wären diese Filme nicht mehr so anstrengend, und ich würde nicht jedes Mal krank werden.
Es gibt aber ein Grundkonzept, dem ich vertraue: Man schafft liebenswerte Charaktere und versetzt sie in Situationen, in denen sie das Gleiche wollen wie man selbst- aber sie vermasseln es, weil sie es zu sehr wollen. Wir alle sind die Architekten unserer Peinlichkeit.
» Und damit konnten Sie Ihre Stars überzeugen?
Robert De Niro war ja Teil des Projekts. Die Rolle des Bernie Focker war für Dustin Hoffman maßgeschneidert worden. Barbra Streisand musste ich bearbeiten. Ihre Rolle war am Anfang noch nicht so stark, und sie wollte unbedingt ein paar prägnante Szenen. Die Szene, in der sie De Niro eine Massage verpasst, gab den Ausschlag.
» Hatten Sie Angst vor einem solchen Starensemble?
Ich hatte riesige Angst, sie zu enttäuschen. Zu Beginn der Dreharbeiten hatten wir noch nicht alle Skriptprobleme gelöst. Doch alle Schauspieler sagten: "Ihr kriegt das schon hin."
» Vielleicht hätten Sie stattdessen "Per Anhalter durch die Galaxis" drehen sollen, den Sie jahrelang entwickelt haben.
Das hätte nicht viel gebracht. Denn von Film zu Film setze ich mich immer stärker unter Druck. Allerdings war "Anhalter" schon ein gewisses Opfer.
Doch zu dem Zeitpunkt, an dem die Finanzierung dafür zustande kam, hatte ich mich schon für ""Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" verpflichtet. Und da ich wusste, dass Regisseur Garth Jennings ein toller Kandidat war, konnte ich das Projekt guten Gewissens abgeben. Ich habe schon ein paar Schnittfassungen gesehen. Jetzt weiß ich, dass meine Entscheidung richtig war.
» Wenn Sie bei jedem Projekt so leiden, wollen Sie da nicht mal einen kleineren Film machen?
Das habe ich auch vor. Unter anderem entwickle ich mit meiner Firma Everyman Pictures "Charlie Bartlett". Das ist eine Komödie im "Rushmore"-Stil über einen Teenager, der durch den Verkauf von verschreibungspflichtigen Drogen zum Schulstar wird. Außerdem bereite ich ein Remake von "Elling" vor. Beide Projekte liegen mir sehr am Herzen. Denn ich finde, dass unsere Gesellschaft im Umgang mit psychischen Krankheiten rückständig ist. Dieses Thema möchte ich unbedingt bearbeiten.
» Das heißt, Sie wenden sich vom Humor im "Meine Frau"-Stil ab?
Ich mag diese Art von Humor. Bei diesem Film haben wir bewusst auch sehr derbe Gags eingebaut, weil die Leute Sex und Körperfunktionen nicht zu ernst nehmen sollten. Wer all das verdrängt, lebt nicht gesund, wie schon Freud wusste. Und letztlich steckt in dem Blödsinn dieses Films auch ein ernstes Grundthema. Denn im Endeffekt konfrontieren wir ja das konservative und das liberale Amerika miteinander.
Jetzt würde ich gern einen Schritt weiter gehen und versuchen, die Leute nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Weinen zu bringen. Ich bewundere Klassiker wie "Die Reifeprüfung" oder die Filme von Alexander Payne oder Paul Thomas Anderson. Vielleicht bin ich für so etwas reif genug.
» Wird es dann "Austin Powers 4" geben?
Das hängt nicht von mir ab, sondern von Mike Myers. Bei unseren letzten Treffen hatte ich nicht den Eindruck, dass er sich schon für eine Idee begeistert hätte. Aber ich würde niemals nie sagen. Eines Tages werden wir diese Charaktere schon wieder zum Leben erwecken. Vorher drehen wir vielleicht "Elling" zusammen. Mike wäre perfekt. Er hat als Schauspieler eine viel größere Bandbreite, als ihm die Leute zutrauen.
» Was für einen Film dürfen wir als Nächstes von Ihnen erwarten?
Es könnte auch eine klassische Komödie sein. Seit längerer Zeit entwickle ich mit Ben Stiller "Used Guys". Die Geschichte spielt in einer Zukunft, in der die Frauen die Herrschaft übernommen haben und Männer nur noch als stumpfsinnige Sexobjekte dienen.
» Angeblich planen Sie mit Section Eight den Thriller "Niagara".
Dieses Projekt habe ich fürs Erste zurückgestellt. Letztlich gibt es für mich kein größeres Vergnügen, als ein lachendes Publikum zu erleben. Wenn ich Talent dafür hätte, würde ich als Stand-up-Comedian auftreten - dann könnte ich diese Erfahrung jeden Abend genießen. So aber muss ich Filme drehen und meine Gesundheit ruinieren.
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