J.Masannek im Interview
Der deutsche Kinderkinomarkt boomt weiter. Erstlingsregisseur Joachim Masannek legt nun mit "Die wilden Kerle" das ultimative Fußballabenteuer für Kids vor. Der Clou: Die Figuren entstammen der Realität und wurden bereits vom Filmemacher in einer Kinderbuchreihe verewigt.
» "Die wilden Kerle" gibt es ja wirklich. Es ist ein Jugendfußball-Team aus dem Münchner Nobelvorort Grünwald, das Sie trainieren. Wie kamen Sie darauf, über die Jungs einen Spielfilm zu machen?
JOACHIM MASANNEK: Ich habe es relativ leicht gehabt, weil Jan Birck, gleichzeitig der Illustrator meiner Kinderbücher, mir mit seiner Firma Dreamotion dabei geholfen hat, einen Vierminüter, den ich mit den echten wilden Kerlen gedreht habe, zu finanzieren. Zur gleichen Zeit erhielt ich auch vom Baumhaus-Verlag den Auftrag, insgesamt 13 Bücher zu diesem Thema zu schreiben.
» Wie kam dann das Kinoprojekt zustande?
In dem Moment, als Samfilm an Bord kam. Die Produzenten Ewa Karlström und Andreas Ulmke-Smeaton haben alles akzeptiert, auch mich als Regisseur. Was zum Beispiel Verleiher wie die Constantin abgelehnt haben. Das haben sie zwar nicht offiziell mit diesem Argument begründet, aber ich weiß es aus anderen Quellen.
» 13 Bücher und Ihr Debüt als Kinofilmregisseur. Fühlten Sie sich manchmal überfordert?
Ich war jetzt zum ersten Mal seit zehn Jahren eine Woche ohne Computer im Urlaub. Zum ersten Mal, seit dieses Projekt existiert, habe ich nicht geschrieben. Ich habe selbst im Studio, als ich hinter dem Mischpult saß, an Band 9 geschrieben. Und auf dem Weg zum Drehort, zur Motivsuche habe ich damals Band 4 verfasst. Jetzt gebe ich mir gerade mal bis zur Filmpremiere ein wenig Zeit.
» Ursprünglich wollten Sie ja mit den echten wilden Kerlen drehen. Warum haben Sie den Plan wieder verworfen?
Erst einmal war die Angst da, ob die Kinder das für einen Kinofilm überhaupt leisten können - zumal mit mir als Erstlingsregisseur. Dann habe ich beschlossen, ein Casting zu machen. Es hat sich herausgestellt, dass einige einfach nicht geeignet waren. Schließlich waren wir mit 25 Kindern beim Endcasting und dort haben sie sich dann gefunden. Nur bei meinen Kindern (Marlon und Leon spielen Maxi bzw. Markus, Anm. d. Red.) war es etwas anders.
» Und Rufus Becks Sprössling Jonathan?
Der ist auch ein echter Kerl. Er hat aber inzwischen aufgehört zu spielen. Jonathan ist natürlich auch deshalb dazugekommen, weil er schon sehr viel Erfahrung hat und obendrein ein Freund meiner Kinder ist.
» Wie sind Sie auf die Ochsenknechts gekommen? Auch Nachbarn aus Grünwald?
Ja, aber die kannte ich damals noch nicht. Jimmy ist zwar im Fußballverein, hat aber mit Fußball nicht so viel am Hut. Aber er hat es toll gemacht. Die beiden Brüder sind zum Drehort gekommen und waren einfach klasse. Ihr Name spielte dabei überhaupt keine Rolle.
» Warum wurde "Die wilden Kerle" in Tschechien gedreht?
Die Hauptentscheidung war neben dem finanziellen Faktor, dass ich die Kinder in einer Art Camp zusammenhaben wollte; dass sie nicht im Hotel wohnen und dass sie auch nicht wieder zwischendurch nach Hause kommen. Denn die Sorge der Mütter war die Hauptlast der Kinder. Irgendwann haben die Mütter aber auch eingesehen, dass die Kinder nicht ausgebeutet werden.
» Der deutsche Kinderfilmmarkt wird immer spannender, siehe "Bibi Blocksberg" oder auch "Till Eulenspiegel". Mit den "Wilden Kerlen" haben Sie aber eher eine ältere Zielgruppe im Visier.
Die Welt selbst ist schon auch für Ältere. Bei der im Film dargestellten Problematik ist meines Erachtens mit 13 Schluss. Der Hauptunterschied ist, dass der Film für Kinder ist und nicht für deren Mütter oder Omas. Wir haben das auch beim Testscreening gemerkt. Buena Vista war erst ein wenig erschrocken. Gott sei Dank hatte Thomas Menne seinen Sohn dabei und dadurch gemerkt, dass der Film funktioniert.
» Mit wie vielen Kopien will Buena Vista "Die wilden Kerle" starten?
Offiziell sind es 320. Ich denke, der Verleih glaubt an uns. Schließlich haben Wolfgang Braun und Thomas Menne gemerkt, dass man die Kinder nicht unbedingt über die Eltern kriegt, sondern das Gegenteil der Fall ist. Und das hat ihnen keine Angst gemacht, im Gegenteil, sie fanden das eher gut.
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