M. Nichols im Gespräch
Nach den brillanten TV-Arbeiten "Wit" und "Angels in America" kehrt der 73-jährige Mike Nichols nun mit "Hautnah" zur Leinwand zurück - ein brillantes, bitteres Drama in der Tradition von Evergreens wie "Wer hat Angst vor Virginia Woolf ?", "Die Reifeprüfung" und "Die Kunst zu lieben".
Ich treffe keine Unterscheidung zwischen Kino und Fernsehen. Für mich sind sie gleichwertig und gleich wichtig, weil es die gegenwärtig spannenden Medien sind, mit denen ich mich beschäftigen möchte.
"Wit" und "Angels in America" waren Projekte, die, wie ich fand, ins Fernsehen gehörten. Aber das hat etwas mit der Auswertung und nicht mit der Herstellung zu tun.
Die letzten Jahre, beginnend mit "Wit", waren gut für mich. Ich fühle tatsächlich eine neue Energie, die ich nicht weiter definieren kann. Muss ich ja auch nicht - ich bin der Vogel, Sie sind der Ornithologe. Aber ich bin beflügelt von dem Gefühl, dass ich mit meiner Arbeit wieder näher an das rücke, was ich wirklich erreichen will.
Ich habe gegenwärtig einen Kreis von Mitstreitern um mich geschart, mit denen ich Stoffe umsetzen kann, die sich beinahe von selbst machen. Seit Beginn meiner Karriere hängen meine Höhen und Tiefen davon ab, mit wem ich gerade arbeite. Mal ist es leichter, mal fällt es schwerer. Die letzten drei Projekte waren wunderbar: Wir haben gute Arbeit geleistet und uns blendend dabei verstanden - eine beinahe mystische Verbindung, die mich beglückt.
Hätten wir uns auf die gleiche Weise bekriegt wie die Figuren im Film, wäre die Produktion die Hölle gewesen. Wir hätten den Film niemals fertig stellen können. Wenn man ans Eingemachte geht wie bei "Hautnah", muss man in einem harmonischen Umfeld arbeiten.
Als Filmemacher darf man keine Angst vor menschlichem Verhalten haben, sonst hat man den Beruf verfehlt. Als ich das Stück sah, fühlte ich mich von seiner Intimität angesprochen. Ich hatte sofort Filmbilder im Kopf, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass Patrick Marber einer jener jungen Autoren ist, die ihre Stücke weniger wie Theaterstücke, sondern mehr wie Filme schreiben.
Das sind doch die Fragen, die uns alle bewegen. Unser Leben dreht sich um den Menschen, den wir lieben, mit dem wir leben, die Ehefrau, den Ehemann, den Partner. Daraus beziehen wir Bedeutung für unser Leben. Alles, was damit zu tun hat, ist wichtig und interessant.
Was sich ändert, ist die Art und Weise, wie wir in Beziehungen leben. Und das will ich untersuchen, festhalten.
Es waren nur drei Sekunden. Und es war die richtige Entscheidung. Das hat nichts mit Prüderie zu tun. Natalie war, rein emotional, so nackt in dieser Szene, dass mehr nackte Haut sie keinen Deut nackter gemacht, sondern nur abgelenkt hätte.
Den Director's Cut sehen Sie im Kino. Wenn ich gewollt hätte, dass der Film anders ist, dann hätte ich ihn anders gemacht.
Es ist sicher ok, wenn ein Filmemacher seine Arbeit als ständigen Work in Progress sieht und wöchentlich neue Änderungen vornimmt. Aber das ist nicht meine Art. Wenn ein Film fertig ist, kommt etwas Neues.
Nur, wenn ich ihnen auf Festivals nicht entgehen kann. Manchmal bin ich überrascht, weil sich keinerlei emotionale Bindung herstellen lässt - sie sind wie die Filme eines anderen. Manchmal bin ich überrascht, wie unmittelbar sie mich noch berühren. Dann habe ich gute Arbeit geleistet.
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