Berlinale-Retro
Die Retrospektive der kommenden Berlinale dreht sich wieder um Frauen im Film. Nachdem in diesem Jahr die Traumfrauen der Fünfzigerjahre für Glamour sorgten, rücken im Februar die Frauenbilder im Stummfilm in den Fokus.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich das Rollenverständnis der Frau in der westlichen Gesellschaft in einem revolutionären Umbruch. Frauen drängten, motiviert durch den Bedarf an weiblichen Arbeitskräften im ersten Weltkrieg, erstmals verstärkt ins Berufsleben - ob als Fabrikarbeiterinnen oder als Verkäuferinnen in den aus dem Boden schießenden Warenhäusern.
Das Wahlrecht wurde eingeführt, in Deutschland 1919, in den gesamten USA 1920. Das weibliche Selbstverständnis änderte sich fundamental, was sich auch in der Mode in Form des Flappergirls der Zwanzigerjahre manifestierte, mit Bubikopf, kurzen Kleidern und ohne steifes Korsett. Dieser neue urbane Frauentyp spiegelte sich auch im Film wieder. Das Bild der "Neuen Frau" wurde durch das Kino massenhaft verbreitet.
Die Retrospektive der 57. Internationalen Filmfestspiele Berlin, "City Girls. Frauenbilder im Stummfilm", reflektiert die Darstellung dieses neuen Frauentyps im Kino. Unter den thematischen Überschriften "Working Girls", "Flaming Youth", "Husbands and Wives" und "Fate and Passion" zeigt die Retro insgesamt dreißig internationale Stummfilmprogramme, von Ernst Lubitschs "Ich möchte kein Mann sein" (Deutschland, 1918) bis zu Mikio Naruses "Yogoto no yume" (Every Night Dreams, Japan 1933). "Die Stummfilmzeit hat weltweit einen neuen Frauentyp auf der Leinwand propagiert, der bis heute für Modernität steht. In der aktuellen Debatte über Geschlechterrollen findet man zahlreiche Parallelen zur Emanzipationsdiskussion dieser Ära", erläutert Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
Die Retrospektive wird von Rainer Rother, dem neuen künstlerischen Direktor des Filmmuseums Berlin - Stiftung Deutsche Kinemathek, geleitet. Ergänzend zum Filmprogramm präsentiert die Deutsche Kinemathek eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Diskussionen. Begleitend erscheint eine Publikation im Berliner Bertz + Fischer Verlag.
Jeden Monat die schönsten Seiten des Kinos: Deutschlands größte Kinozeitschrift Treffpunkt Kino liegt kostenlos in den Foyers der größten Kinoketten und vielen weiteren Kinos aus. Diesen Monat gibt's Treffpunkt Kino auch online.