Als Satiriker war er bisher ein US-Geheimtipp. Bei den Oscars 2006 lernte der Rest der Welt ihn kennen. 2008 kehrte er nochmals zurück.... http://images.kino.de/newspics/550/199550_1/b150x150.jpg Charmantes Gift

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Jon Stewart

Charmantes Gift

"Warum ich das mache, ist offensichtlich. Wenn sie sich durch so viele Showbiz-Größen durcharbeiten und dann bei dir ankommen, sind sie so verzweifelt, dass man glaubt, man ist mit einer Selbstmord-Hotline verbunden." So kommentierte Stewart bereits seine Wahl zum Grammy-Moderator (2001), so äußerte er sich - leicht variiert - auch über den Ritterschlag durch die Oscars 2006.

Großansicht Der Moderator der Oscars 2006: Jon Stewart (Foto: Norman Jean Roy)

Der Moderator der Oscars 2006: Jon Stewart (Foto: Norman Jean Roy)

So tragisch kann der Job als Oscar-Host jedoch nicht gewesen sein, denn er hat ihn für die 80. Academy Awards erneut angenommen. Souverän und mit treffsicheren Seitenhieben machte er die überlange Verleihungszeremonie auch bei seinem zweiten Auftrag zu einem kurzweiligen Vergnügen.

Seit 1999 führt Jon Stewart spitzbübisch und sarkastisch durch die "Daily Show". Dieser mehrfach ausgezeichnete satirische Dauerbrenner spottet intelligent über nationale und globale Nachrichten, schießt sich auf politische Themen, aber auch die Entertainmentbranche ein.

Längst genießen die Show und ihr Moderator Kultstatus. Gerade auch bei der liberalen Politprominenz in Washington, die sich gern vor die Kameras locken lässt. "Können sie mich zu einem großen Sender bringen?", fragte das Aushängeschild des Spartenkanals Comedy Central frech den Präsidentschaftskandidaten John Kerry. Diese Respektlosigkeit, die immer charmant, nie aggressiv wirkt, zeichnet Stewart aus.

Großansicht Seit sieben Jahren ist seine "Daily Show" ein Erfolg in Amerika (Foto: Norman Jean Roy)

Seit sieben Jahren ist seine "Daily Show" ein Erfolg in Amerika (Foto: Norman Jean Roy)

Aller Anfang ist schwer

"Es gibt keinen bösen Zug an ihm", schwärmte US-Star-Journalist Peter Jennings über ihn. "Jemand, der heutzutage, bei all dem giftigen Gerede, seine Ballons graziös und elegant zum Platzen bringt, ist einfach ein Segen."

Wie seine berühmten Kollegen Jay Leno oder Conan O'Brien schärfte auch Stewart sein komisches Talent auf der Bühne. Sein erster Kurzauftritt 1987 in New York war ein Kapitalflop. Entmutigen ließ er sich davon genauso wenig wie von den anderen Pleiten, die ihn nach dem Collegeabschluss in Psychologie erwarteten. Er war Kellner, brachte als Puppenspieler Schulkindern das Problemfeld "Behinderung" näher, erzählte mit masochistischem Stolz, in einer einzigen Mall von sechs Geschäftsinhabern gefeuert worden zu sein, richtete einmal bei Woolworth einen Schaden von 10.000 Dollar an und musste entlassen werden - von seinem dort angestellten Bruder Larry.

Großansicht Mit Gillian Anderson stellte er in "Leben und Lieben in L.A." sein Können unter Beweis (Foto: Buena Vista)

Mit Gillian Anderson stellte er in "Leben und Lieben in L.A." sein Können unter Beweis (Foto: Buena Vista)

Gut Verkuppelt

Seinen Geburtsnamen Leibovitz legte er 2001 ab. "Klang zu sehr nach Hollywood", begründete er den Schritt ironisch. Schon in der High School fiel sein Humor auf, der - mit einem Physiker als Vater, einer Lehrerin als Mutter - wohl kaum genetisch ist.

Mit Witz eroberte der im Haupthaar früh ergraute Fan von Woody Allen und Steve Martin auch seine Frau Tracey. Die Mutter seines Sohns Nathan lernte er bei einem Blind Date kennen, das ein Produktionsassistent während der Dreharbeiten zur Drew-Barrymore-Komödie "Wishful Thinking" vorschlug.

Großansicht Er konzentriert sich lieber auf seine Show als auf die Schauspielerei (Foto: Norman Jean Roy)

Er konzentriert sich lieber auf seine Show als auf die Schauspielerei (Foto: Norman Jean Roy)

Worcaholic und Ninja-Züchter

"Einen nicht sehr guten Schauspieler", nennt er sich selbst. Was erklärt, warum er seine Filmkarriere seit dem Debüt in der Komödie "Lifesavers - die Lebensretter" eher beiläufig betreibt. Nach kleinen Rollen als bekiffter Stoner in "Half Baked", als Lehrer in "Faculty - Trau keinem Lehrer" oder als Adam Sandlers Kumpel in "Big Daddy" zeigt eigentlich nur "Leben und Lieben in L.A." sein Potenzial.

Hier umwirbt er "Akte X"-Star Gillian Anderson charmant und smart, durchbricht schließlich ihre Mauer des Misstrauens. Sein Fazit: "David Duchovny brauchte fünf Jahre für einen Kuss, ich schaffte es in zwei Wochen." Zuletzt gab der oft schlaflose Workaholic, der auch die humorvolle Essaysammlung "Naked Pictures of Famous People" veröffentlichte, einen TV-Boss in Danny DeVitos "Tötet Smoochy". Das komische Multitalent lebt glücklich in Manhattan - mit Frau und Sohn, zwei Pitbulls, einer Katze und großen Plänen: "Ich möchte eine Rasse von Ninjas züchten".

Peter Koberger, 02.02.2006, 12:00

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