Dreamteam des Dunklen
Sieben gemeinsame Filme hat Dreamteam zusammen bereits gestemmt. Und trotzdem schaffen es die beiden immer wieder, die Erwartungen noch zu übertrumpfen.
Zwei, die sich gefunden haben: Johnny Depp und Tim Burton am Set von "Charlie und die Schokoladenfabrik"
20 Jahre, sieben Filme: So lautet die Bilanz der beiden schrägsten Vögel Hollywoods. 1990 haben Johnny Depp und Tim Burton einen Bund geschlossen, der schon weit länger hält als die durchschnittliche Promi-Ehe. Die Beständigkeit ihrer Partnerschaft fußt auf dem Geheimnis der meisten erfolgreichen Beziehungen: Man hat eine schöne gemeinsame Zeit miteinander, geht auch mal getrennte Wege, schränkt sich nicht ein, erfreut sich an den Gemeinsamkeiten und verehrt die Spleens des Anderen.
Das jüngste Kind ihrer von Mal zu Mal kauzigeren Kooperation hört auf den Namen Alice, genauer "Alice im Wunderland". Die Vorlage, der Kinderbuchklassiker von Lewis Carroll, ist ein Stoff, der nur darauf gewartet hat, von diesen beiden Ausnahmetalenten neu interpretiert zu werden. Grotesk, auf angenehme Art überdreht und zuweilen erschreckend düster ist die 3D-Verfilmung ausgefallen - im direkten Vergleich mit der Disney-Variante wurde der Kern des Originals diesmal also richtig getroffen, aufgeschlitzt und in fruchtbaren Boden gesetzt.
Bedingt kindertauglich
Die Modernisierung alter Stoffe scheint den beiden zu gefallen. Vor fünf Jahren haben sich Depp und Burton schon einmal an das Remake einer verfilmten Literaturvorlage gemacht: "Charlie und die Schokoladenfabrik" ist die bonbonbunte Neuauflage von "Willy Wonka und die Schokoladenfabrik" mit Gene Wilder in der Hauptrolle. Beide Filme basieren auf einer Kurzgeschichte von Roald Dahl, ebenfalls ein Exzentriker vor dem Herrn.
Und damit wäre das filmische Burton/Depp-Repertoire für ein mental robustes Kinderpublikum auch schon erschöpft. Denn eigentlich spazieren die beiden am liebsten durch das Grenzgebiet von Leben und Tod. "Corpse Bride", das liebevoll arrangierte Stop Motion-Märchen in schönster "Nightmare Before Christmas"-Manier, ist dabei das harmloseste der immer leicht entrückten Parallelwelt-Experimente. "Sleepy Hollow", die Mär von dem kopflosen Reiter, der die Bewohner eines viktorianischen Dorfes in Angst und Schrecken versetzt, folgt an zweiter Stelle. Dies vor allem, weil Depp seinen Charakter auf das leicht verdauliche Niveau eines naseweisen Heranwachsenden herunter gebremst hat.
Ein frühes und ein spätes Meisterwerk
Ganz anders die Kategorie, in der "Sweeney Todd" spielt. Wer bis dato glaubte, dass Musicals mit leichter Kost gleichzusetzen sind, wurde hier eines besseren belehrt. Depp singt und schwingt in der Racheparabel eines wahnsinnig gewordenen Londoner Barbiers sein Rasiermesser, als gäbe es kein Morgen. Von Burton dirigiert, tänzeln Hauptfigur und die von ihm verursachten Blutströme in einträchtigster Harmonie über die Leinwand. Schöner gestorben wurde selten.
Und dann sind da ja noch die ersten beiden Werke, die das düstere Dreamteam geschaffen hat. "Edward mit den Scherenhänden", eine Mischung aus Teenie-Liebesdrama, Frankensteins Monster und surrealer Kleinstadtgroteske, legte den Grundstein für die Zusammenarbeit und ist allein deswegen im Kultregal eingeordnet. "Ed Wood" hingegen, das Biopic über den wahrscheinlich schlechtesten Regisseur der Welt, ist auch vollkommen losgelöst von den beiden berühmten Namen ein cineastisches Kleinod und vielleicht das schönste Werk, das Burton und Depp der Nachwelt einst vermachen werden. Anderseits: Woher sollte man das jetzt schon wissen? Denn die Leinwand-Ehe der beiden Exzentriker, sie wird hoffentlich noch lange währen.
Unser "blonder Basterd" Diane Kruger eröffnete die 62. Berlinale - und Stars aus der ganzen Welt wollten das sehen.