Lachen über Kasachen
Kasachstan ist ein seltsames Land: Frauen werden dort vor Eselskarren gespannt, Wein gewinnt man aus Pferde-Urin und das beliebteste Volkslied heißt "Werft die Juden aus dem Land".
Dieses Bild der zentralasiatischen Republik zeichnet zumindest der respektlose englische Comedian Sacha Baron Cohen in seiner neuesten Komödie "Borat". Als kasachischer TV-Reporter mit buschigem Schnauzbart und speckigem Anzug bereist er darin die USA, zum Zwecke der "kulturellen Lernung von Amerika um Benefiz für glorreiche Nation von Kasachstan zu machen" - so der Untertitel der Doku-Komödie.
Diese "kulturelle Lernung" besteht aus zahlreichen Interviews, die der fleißige TV-Reporter mit Politikern und amerikanischen Durchschnittsbürgern geführt hat. Auf seine naiv-freundliche Art marschiert er beispielsweise in einen Waffenladen und verlangt nach einer Pistole, "die geeignet ist, um einen Juden zu töten". Skandal? Nein - der eigentliche Skandal liegt darin, dass Borat völlig selbstverständlich bedient wird.
Durch seinen offen zu Schau getragenen Antisemitismus, seine Frauen- und Schwulenfeindlichkeit entlarvt Borat Sagdiyev seine Mitmenschen. In seiner Gegenwart zeigen sie ihr wahres Gesicht. Vielleicht, weil sie den netten Journalisten mit Migrationshintergrund nicht verletzen wollen. Vielleicht aber auch, weil Borat Dinge auszusprechen wagt, die mancher Kleinbürger allenfalls am Stammtisch diskutiert.
Doch Borats Humor kommt nicht überall an. Yerzhan Ashykbayev, kasachischer Außenminister, sieht seine Heimat in Misskredit gebracht: "Mr. Cohens Verhalten ist unakzeptabel. Dieses gefährliche Gemisch aus schlechtem Geschmack und schlechtem Benehmen lässt sich mit den moralischen Grundsätzen der kasachischen Bevölkerung nicht vereinbaren." Erste Reaktion der Regierung: die Homepage der Kunstfigur Borat, www.borat.kz, wurde vom Netz genommen.
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