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Akuter Ideenmangel oder Liebe zur Filmgeschichte? Im Kino gibt's Remakes bis zum Abwinken: Hollywood beklaut sich selbst, wildert im Ausland und übt sich in der hohen Kunst des Verschlimmbesserns.

"Never change a winning team," sagt der Amerikaner beim Mannschaftssport. Und wie Sportweisheiten in den USA gerne mal den Weg ins Big Biz finden, so haben auch Hollywoods Filmemacher das intelligente Credo zum Leitsatz ihrer Produktionspläne erkoren. Was einmal funktioniert hat, funktioniert auch wieder. "Remake" heißt das Zauberwort.

Aktuelles Beispiel: Adam Sandler in "Mr. Deeds" als moderner Gary Cooper, der 1936 in der Vorlage "Mr. Deeds geht in die Stadt" das charmante Landei mit Millionenerbe in der Großstadt gab. Das Original: Ein spritzig satirischer Kommentar auf die "Money Rules"-Philosophie der Golden Twenties. Das Remake: Ein plumpes Slapstick-Spektakel, das einen mit Markennamen von Burgerbuden, Bierkonzernen und Softdrink-Ketten schier erschlägt. Filmzitat Adam Sandler alias Longfellow Deeds: "Reich sein ist doch toll." Der Film leider nicht.

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Adam Sandler freut sich als
"Mr. Deeds" über seinen tollen neuen Firmenhubschrauber

#LEFT] Wer sich an Klassikern misst, kann eigentlich nur verlieren. Oder hatte jemand ernsthaft erwartet, Adam Sandler würde Gary Cooper ausstechen können? Gar nicht nötig: Hauptsache aktuelle Stars und moderner Look.

Doch allzu oft hat die Remake-Maschinerie reichlich Sand im Getriebe: Zum Beispiel bei Gus Van Sants blasser 98er-Version von "Psycho". Angeblich sogar bis zur einzelnen Kameraeinstellung eine pure Farbkopie des Hitchcock-Meilensteins, bleibt von der Neuauflage des Suspense-Modellfalls nur der Ärger über das Geld für die Kinokarte. So wehrte sich van Sant im Nachhinein denn auch mit Händen und Füßen gegen das böse R-Wort und sprach lieber von "Recreation"   (Wiedererschaffung???).

Understatement statt Overacting: <br />Gary Cooper als Longfellow Deeds

Understatement statt Overacting:
Gary Cooper als Longfellow Deeds

Ebenso scheiterte Madonna am Wertmüller-Original "Swept Away", über der Luxusweibchen-trifft-Fischer-Story schwebt gar das Damoklesschwert Video-Premiere. Ein böses Foul war auch "Rollerball" (Original 1975) von Remake-König John McTiernan (der übrigens mit "Die Thomas Crown Affäre" den besten James Bond der letzten Jahre ablieferte).

Auch auf ausländische Stoffe wird regelrecht Jagd gemacht. Kevin Spacey dreht eine amerikanische Version des norwegischen Komödien-Hits "Elling" (als bester ausländischer Film für den Oscar nominiert), "Vanilla Sky" ging auf den wesentlich intensiveren "Abre los ojos" zurück (Cameron Crowe besteht auf dem Begriff "Cover-Version") und im Oktober gibt es hierzulande Al Pacinos Remake des norwegischen Thrillers "Insomnia" zu sehen.

&quot;Abre los ojos&quot;: Cruz zum ersten mit Eduardo Noriega

"Abre los ojos": Cruz zum ersten mit Eduardo Noriega

Der Hintergrund ist hier freilich ein anderer: Das US-Publikum akzeptiert keine synchronisierten Filme. Gute internationale Stoffe müssen deshalb für den US-Markt neu verfilmt werden.

Wohl dem, der Vorlagen nicht nur nachdreht, sondern bewusst neue Akzente setzt: Steven Soderbergh wagt sich nach "Ocean's Eleven" mit "Solaris" an ein weiteres Remake mit George Clooney in der Hauptrolle. Tarkowskis Sci-Fi-Klassiker von 1972 war vor allem als kritischer Kommentar zum politischen System der UdSSR zu lesen.

Cruz mit Cruise in &quot;Vanilla Sky&quot;

Cruz mit Cruise in "Vanilla Sky"

Soderbergh konzentriert sich dagegen auf die paradoxe "Zweierbeziehung" zwischen dem Astronauten Kelvin und einer Erscheinung seiner verstorbenen Frau Rheya, die das Produkt einer unerklärlichen Kraft auf dem Planeten Solaris ist. Gegen seinen verzweifelten Wunsch muss er die irreale Rheya noch einmal zurücklassen um sich, seine Crew und die Erde zu retten.

Die Idee des Remakes ist übrigens älter als die meisten Filme, die als Vorlage herhalten müssen: Der legendäre "Maltese Falcon" mit Humphrey Bogart war bereits die dritte Filmadaption des Romans von Dashiell Hammett.

Nicht nur dank CGI verbessert: &quot;Solaris&quot; in der Soderbergh-Version

Nicht nur dank CGI verbessert: "Solaris" in der Soderbergh-Version

Und wenn Joel Schumacher eine Neuauflage von "A Star Is Born" mit Will Smith plant, gibt's keinen Grund zum Aufbegehren: Die '76er Version mit Kris Kristofferson und Barbra Streisand war ein dreifaches Remake von Fassungen aus den Jahren '54, '37 und '32.

Freuen wir uns also auf P. J. Hogans "Peter Pan"-Realfilm, auf "Texas Chainsaw Massacre" (Original von '74) mit Jessica Biel, auf "Ladykillers" (Original von '55) von den Coen-Brüdern und auf "Barbarella" (Original von '67) mit Drew Barrymore.

Fehlen nur noch Robbie Williams und Whoopi Goldberg in "Casablanca" - Sie wissen schon: "Cover-Version". Oder am Ende gar "Recreation"?

Sunjic, 08.08.2002, 15:45

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