Francois Ozon im Gespräch
Frankreichs unberechenbarster Regisseur François Ozon überrascht in "Ricky" mit einem gewagten Genremix aus Fantasy und Realismus und bereitet schon das nächste Projekt vor. Er würde am liebsten zwei oder drei Filme pro Jahr drehen.
François Ozon kappte zur Realisierung seines Drehbuchs die Beziehungen zu all seinen früheren Geschäftspartnern (Foto: Concorde)
Sie schütteln die Genres tüchtig durcheinander. Wo sollen wir "Ricky" verorten?
FRANÇOIS OZON: Mein Genre ist der François-Ozon-Film. Ernsthaft, Genres interessieren mich nur, wenn sie sich mischen. Das ist mein persönlicher Geschmack. Die Entwicklung eines Films ist wie das Spiel eines Kindes, das probiert auch einiges aus. Diese überraschungslosen Formula-Filme öden mich an.
Der Zuschauer will gefordert, vielleicht auch provoziert werden und nicht alles mundgerecht serviert bekommen nach dem Schema der Gute, der Böse, und am Ende ist alles in Butter. Ich mag das Herumexperimentieren, auch wenn ich damit irritiere. Buñuel sagte, man muss die Wirklichkeit wie einen Traum inszenieren und Träume wie Wirklichkeit, vielleicht ist " Ricky" ein "buñuelisierter" Film.
Am Ende herrscht Harmonie, ziemlich ungewohnt bei Ihnen.
Aber nicht total. Da ist Melancholie zu spüren, die Familie kommt zwar wieder zusammen, aber einer fehlt. Zur Familie in "Sitcom" ist das ein großer Unterschied.
"Ricky" bietet den Zuschauern verschiedenste Interpretationen und reichlich Diskussionsstoff (Foto: Concorde)
Seit 15 Jahren produzierten Sie mit Fidélité, warum jetzt der Wechsel?
Nach der Enttäuschung von "Angel - Ein Leben wie im Traum" an der Kinokasse, begann ich "Ricky" zu schreiben. Meine Produzenten waren weder von einem fliegenden Baby noch von Alexandra Lamy in der Hauptrolle angetan. Sie wollten keine durchs Fernsehen populäre Schauspielerin, sondern eine mehr intellektuelle wie Isabelle Huppert. In Frankreich ist man Snob.
Also habe ich das Projekt erst einmal ad acta gelegt und mir etwas Neues vorgeknöpft. Da rief mich Claudie Ossard an, die Produzentin von "Die fabelhafte Welt der Amélie", und fragte nach "Ricky". Zu der in der Banlieue angesiedelten Geschichte mit einem Baby meinte sie nur trocken, das sei eine gute Voraussetzung, sie möge weder Babys noch Banlieue, sie wolle das Drehbuch lesen. Dann war sie begeistert.
Drama über die Rettungsaktion dreier Grauwale 1988, die eine Zusammenarbeit der Supermächte USA und UdSSR erforderte.