Charlize Theron
Auf der Berlinale wurde die Südafrikanerin für ihre eindringliche Darbietung in "Monster" als beste Darstellerin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. Unvoreingenommen ist Charlize Theron in die Haut der Serienmörderin Aileen Wuornos geschlüpft, ohne dabei gängige Clichés und die lüsterne Sensationsgier der Zuschauer zu befriedigen.
Weniger am Starrummel als an wahrhaftigen Rollen interessiert: Charlize Theron (Foto: Concorde)
CHARLIZE THERON: Nein, mich hat diese ganze Starlet-Geschichte schon immer genervt. Der Job einer Schauspielerin ist die Darstellung echter Menschen. Das hat mit Starlets nichts zu tun, es sei denn, man spielt die Rolle eines Starlets. Ich bin in einer sehr kleinen Gemeinde aufgewachsen, in der man vom Berühmtsein gar nichts mitbekommt beziehungsweise von diesem Job. Ich hielt Schauspieler immer für Menschen mit der großen kreativen Fähigkeit, Geschichten zu erzählen. Deshalb überrascht es mich, dass das Publikum glaubt, ich hätte mich so wahnsinnig verändert mit dieser Rolle.
Ja klar. Aber das Lustige daran ist, dass mein Marktwert seit "Monster" gestiegen ist. Und das hat mit sehr viel mehr zu tun als mit der körperlichen Veränderung. Es liegt vor allem an der Leistung von Regisseurin Patty Jenkins, die das Thema des Films nicht auf eine sensationslustige, enthüllende Art und Weise angegangen ist. Das wäre eine Katastrophe geworden. Es gab ja bereits zwei TV-Dokumentationen über Aileen. Hier aber ist noch ein entscheidender weiterer Aspekt erzählt worden, den ich sehr interessant fand. Manchmal hast du einfach eine persönliche Verbindung zu einem Stoff, einer Figur oder einer Geschichte.
Man hat eine viel größere Verantwortung als Schauspielerin gegenüber der Figur, die man da spielt. Es ist natürlich ganz anders, eine Figur zu kreieren, als diese zu erforschen und Recherchen über sie anzustellen, wenn sie wirklich existierte. Die Verantwortung liegt nicht nur darin, diese Person zu werden, sondern auch darin, ihre Geschichte zu erzählen. Das war mir sehr wichtig. Patty war sehr hilfsbereit bei der Recherche. Sie musste ja schließlich die Story schreiben, deshalb war es für uns beide ausgesprochen wichtig, tief in Aileen Wuornos' Leben einzutauchen.
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Ich habe die Zweifel nie verloren. Ich hatte wahnsinnige Angst, denn die Rolle war natürlich eine große Herausforderung. Zur kreativen Arbeit gehört, dass du ständig an deiner Performance arbeitest. Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem du dich zurücklehnen und sagen kannst: So, jetzt hab ich's! Bei diesem Film jedenfalls gab es für mich nie einen solchen Moment. Es schien mir bei diesem Thema viel zu gefährlich, mittelmäßige Arbeit abzuliefern, anstatt immer noch weiter zu gehen. In diesem Fall war ich voller Ängste und Zweifel, aber nicht auf eine negative Art und Weise, sondern auf eine konstruktive Art, die mich so weit gebracht hat, das Beste aus mir herauszuholen. Aber ich war ganz sicher nie überzeugt: Klar, kann ich das. Es fühlte sich immer wie eine große Herausforderung an.
Für mich ist es immer eine große Hilfe, mich bei jeder Rolle, die ich spiele, auch körperlich zu verändern, genauso wie man sich emotional in die Rolle versetzt. Der emotionale Aspekt des Spielens ersetzt nicht den Blick in den Spiegel. Alles, was Aileen körperlich zeigt, war schließlich da, weil sie so empfunden und Dinge erlebt hat. Sie sah so aus, weil das ihr Leben war. Es gab für mich gar keinen anderen Weg, ihren Charakter zu erfassen, als auch ihr Äußeres anzunehmen, welches ja die Konsequenz ihres Lebensstils ist. Man kann keinen Alkoholiker spielen, wenn man nicht erfährt, was der Alkohol mit einem anstellt. Und du kannst keinen Obdachlosen spielen, wenn du nicht siehst, was die Obdachlosigkeit mit dir macht.
Nein.
Natürlich. Ich bin zunächst sehr naiv an die Sache herangegangen. Alle Fragen, die ich hatte, wurden jedoch beantwortet, besonders natürlich in den Briefen. Das Leben ist nun mal nicht so einfach zu erfassen. Ich habe die Antworten nicht auf dem Tablett serviert bekommen. Aileen war sehr kompliziert: Sie war niemand, der sich anderen Menschen so einfach geöffnet hat. Die Briefe hat sie an eine Freundin geschickt, der sie vertraute, aber sie ist sicher nicht davon ausgegangen, dass jemals jemand anderes diese Briefe liest. Ich bekam einen ganz anderen Eindruck von ihr als aus den Dokumentationen. Es waren sehr viele kleine Feinheiten in den Briefen - über den Menschen Aileen, über ihre eigenen Selbstzweifel und Sorgen, die den unseren ähnlich sind, und über ihre Lebensumstände, die mich wirklich berührt haben.
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Ich denke, auch Aileen war eine Kämpferin - das sind wir alle. Es ist unsere Natur. Es gibt Tiere, denen das Überleben leichter fällt als anderen. Und Aileen hatte zweifellos eine Persönlichkeit, dank derer sie einiges in ihrem Leben überstanden hat und weitermachen konnte. Sie ist nie auf der Stelle geblieben, oder hat sich selbst bemitleidet. Sie wollte auch kein Mitleid von anderen. Sie war immer dabei, ihr Leben zu verbessern und sicher nicht glücklich damit, eine Nutte zu sein. Sie wollte da raus, einen bessern Job, sich um ihre Freundin kümmern. All diese Dinge waren wichtig für sie. Darin kann ich mich wiederfinden. Ich bin niemand, der sich zurücklehnt. Du machst immer weiter, willst nach vorne und willst niemand anderen dein Leben kontrollieren lassen.
Sehr viel. Ich denke vor allem daran, wie gut wir es haben, und dass wir aufmerksamer werden für das Unglück, das andere Menschen da draußen erleiden, und wie verzweifelt deren Leben wirklich ist. In Aileens Fall ist es so, dass ihr Leben vom Moment ihrer Geburt an ein einziger Kampf war. Für uns ist das Leben so einfach, aber Aileen hatte keine Wahl. Für jemanden, der unter denselben Umstände wie Aileen leben muss, sind dieselben Probleme, die wir haben, natürlich ungleich gravierender. Insofern habe ich gelernt, wie privilegiert ich bin, welches Glück ich habe.
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Nein, ich war schon immer gegen die Todesstrafe. Der Film hat mich höchstens in dieser Haltung bestärkt. Ich bin schon immer Realist gewesen und daran hat sich nichts geändert. Und wenn du liest, dass die Staaten, in denen die Todesstrafe durchgeführt wird, trotzdem eine höhere Kriminalitätsrate haben, dann fühlst du dich darin bestärkt. Außerdem sehe ich keine Moral darin, Menschen, die töten, mit dem Tod zu bestrafen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand das Recht dazu hat. Ich bin keine Politikerin und ich weiß auch keine Antwort auf diese Frage, aber ich glaube, dass wir uns alle noch nicht genügend damit beschäftigt haben.
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Ja. Der Filmemacher, Nick Broomfield, ist ein guter Freund von mir und ich habe mit ihm bei meinen Recherchen zusammengearbeitet. Es gab bereits eine Dokumentation, und er wollte diese nicht wiederholen, sondern sich auf einen anderen Aspekt der Geschichte konzentrieren. Deshalb muss man tatsächlich beide Dokus sehen, um sich wirklich ein Urteil darüber bilden zu können. Die zweite konzentriert sich auf jemanden, der zwölf Jahre in der Todeszelle lebt, und darauf, wie man damit klarkommt. Es bricht einem natürlich das Herz, wenn man nicht weiß, um wen es sich wirklich handelt. Aileen Wuornos hat sieben Männer getötet, und das zeigt dieser Film nicht. Aber für mich war die Doku sehr hilfreich, denn es gibt kaum visuelles Material über Aileen, um zu sehen, wie sie sich bewegte und verhielt.
Sie waren alle schwierig. Ich habe immer zu Patty gesagt: In jedem Film gibt es zwei oder drei wirklich schwierige Szenen, mit denen du dich stark auseinandersetzen musst. Hier war es das totale Gegenteil.
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