
In der Regel lassen sich Autoren Geschichten einfallen, die sie dann mit Figuren bevölkern. In diesem Fall war es womöglich umgekehrt: Die beiden Hauptfiguren sind die Geschichte. Vermutlich hat es Walter Metzger viel Spaß gemacht, sie aufeinander loszulassen und dann zu beobachten, was passiert.
Deshalb lässt sich die Handlung des Films zusammenfassen wie die Ankündigung eines Boxkampfs: Malu vs. Johanna. Beide heißen Seelig, und insgeheim haben sie viel mehr gemeinsam als nur ihren Nachnamen; aber das können sie sich erst nach und nach eingestehen. Anfangs verbindet Malu und Johanna allein, was sie auch trennt: ihre Sturheit.
Um die beiden Damen herum entwickelt sich zwar doch noch eine Geschichte, doch zunächst lebt die gelassen inszenierte Komödie (Regie: Thomas Kronthaler) von den beiden Hauptdarstellerinnen. Was Jutta Speidel kann, war auch vorher bekannt; sie ist eine prima Besetzung für die etwas eigenwillige Titelheldin, die sich seit Jahren in ihr Schneckenhaus am Ammersee, eine frühere Pension, zurückgezogen hat. Die Entdeckung des Films aber ist die junge Nadia Hilker in ihrer ersten Hauptrolle. Marie-Luise, genannt Malu, 17-jährige Münchener Rebellin und Tochter eines verwitweten und daher alleinerziehenden Vaters (Michael Roll), ist wieder mal beim Klauen erwischt worden. Einzige Alternative zum Jugendknast: Sie muss zu ihrer Tante aufs Land ziehen und Sozialdienst in einem Altenheim leisten. Bei Johanna ist der Trotzkopf an der richtigen Adresse: Die beiden Frauen bleiben sich nichts schuldig.
Natürlich ist das ein Komödienstoff, und tatsächlich kommt das komische Potenzial in der Inszenierung durch Thomas Kronthaler keineswegs zu kurz; aber der Generationenkonflikt trägt durchaus dramatische Züge, zumal es für Malu um ziemlich viel geht. Vor allem dank der Fürsorge durch Johannas Untermieter Franz taut die junge Frau schließlich auf, und als sie ihre Tante dazu überreden kann, die Pension wieder zu eröffnen, ist das Eis endgültig gebrochen; bis Malus Freund aus Amerika zurückkehrt und sie in alte Gewohnheiten zurückfällt.
Die schönste Rolle des Films hat im übrigen Ingo Naujoks als verschrobener Mitbewohner, ein frühpensionierter Germanist, der im Gegensatz zur mitunter leicht soziopathisch wirkenden Johanna eine überraschende Lebensgewandtheit offenbart. Nadia Hilker wiederum profitiert natürlich von Metzgers rotzfrechen Dialogen, imponiert aber auch schauspielerisch mit einer bemerkenswert vielseitigen Leistung. Malu wird unter Garantie nicht ihre letzte Hauptrolle bleiben. tpg.
| Darsteller: | Jutta Speidel | als Johanna Seelig | |
|---|---|---|---|
| Nadia Hilker | als Marie-Luise "Malu" Seelig | ||
| Ingo Naujoks | als Professor Franz Gmeiner | ||
| Michael Roll | als Paul Seelig | ||
| Ulrich Cyran | als Hubert | ||
| Max Kidd | als Bill | ||
| Maren Himmler | als Alisa | ||
| Eva Wittenzellner | als Frau Jacob | ||
| Conny Glogger | als Elvira | ||
| Lena Amende | als Vera | ||
| Ingeborg Torsch | als Frau Förster | ||
| Wolfgang Haas | als Richter | ||
| Holger Kriechel | als Kellner | ||
| Maria Bachmann | als Frau von Zimmer 16 | ||
| Regie: | Thomas Kronthaler | ||
| Drehbuch: | Walter Metzger | ||
| Produzent: | Uli Aselmann | ||
| Kamera: | Helmut Pirnat | ||
| Schnitt: | Anke Berthold | ||
| Musik: | Martin Unterberger | ||
| Produktionsdesign: | Oliver Hoese | ||
| Kostüme: | Petra Hanslbauer | ||
| Ton: | Uli Winkler | ||
| Casting: | Silke Fintelmann | ||
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