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Wit


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Kritik

Kaum jemand, der sich nicht von dem bewegenden Kammerspiel "Wit" im Berlinale-Wettbewerb rühren ließ. Mike Nichols, der mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" und "Die Reifeprüfung" in den 60er Jahren furios seine Karriere begann, erzählt vom Kampf einer Krebskranken um Würde im Angesicht des Todes.

"Sie haben Krebs im fortgeschrittenen Stadium" - ohne irgendeine Emotion verkündet Dr. Harvey Kelekian, ein angesehener Wissenschaftler in der Krebsforschung, seiner Patientin, der Universitätsprofessorin Dr. Vivian Bearing, die erschreckende Diagnose und schlägt ihr eine neue chemotherapeutische Behandlung vor. So kalt wie er geben sich auch die anderen Mediziner. Als erstes gerät die Literaturwissenschaftlerin an einen ihrer früheren Studenten, der ungeschickt an ihr herumhantiert und belanglos daher quasselt. Die Frau lernt zu leiden, auch entwürdigende Situationen zu ertragen. Reden über, aber nicht mit der Patientin - das ist die Praxis, ob bei der Chefarztvisite oder beim Testen der Therapie. Sie kriegt in acht quälenden Monaten acht Mal die "volle Dosis", wirkt bald nur noch als Schatten ihrer selbst. Einziger Beistand in der unmenschlichen Atmosphäre: eine farbige Krankenschwester, die auch dafür sorgt, dass man sie nicht wieder für Versuchszwecke der Ruhe des Todes entreißt.

Emma Thompson, die zweifellos den Silbernen Bären als Beste Schauspielerin verdient hätte, spielt die Sterbende bis zur Selbstaufgabe, als geschundenes Bündel Mensch - am Tropf hängend und mit kahlem Schädel. Erst begegnet sie der Krankheit gefasst, amüsiert sich über die sinnentleerte Begrüßung "Nah, wie geht's uns heute", hofft auf ein Überleben. Lange Rückblenden führen zurück in ihre Kinderjahre und Zeit als akademische Lehrerin, wehmütig erinnert sie sich an ihre Professorin und an ihren Vater (gespielt von Harold Pinter). Wenn es dem Ende zugeht, kriecht Thompson wie ein Kind unter die Decke, schreit vor Schmerz, ist nur noch gequälte und gedemütigte Kreatur mit Angst vor der Erlösung. Neben diesen erschütternden Szenen gibt es anrührende Momente, wenn die Krankenschwester ihr liebevoll die Hände massiert oder mit trauriger Zärtlichkeit die Leiche zudeckt. Die Close-Ups machen den Kampf um ein Stückchen menschlicher Würde noch beklemmender. Nichols inszeniert "Wit" nach Margaret Edsons mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Theaterstück als gefühlvolles Kammerspiel. Er zeigt schonungslos den Verlust von Identität und Intimität in der Krankenhausmaschinerie, die Degradierung des Menschen zur Sache. Er verdammt nicht die Ärzteschaft, sondern stellt Fragen. Und das mit solcher Intensität, dass man eine Gänsehaut bekommt. "Wit" wurde zwar für den Kabel-Sender HBO gedreht, aber auch auf der Leinwand entfaltet dieses Drama eine ungeheure Kraft und Wirkung. Ein mutiger Verleih sollte sich finden. mk.

Wit

Darsteller:  Emma Thompson   als Vivian Bearing
  Christopher Lloyd   als Dr. Harvey Kelekian
  Eileen Atkins   als E.M. Ashford
  Audra MacDonald   als Susie Monahan
  Jonathan M. Woodward   als Dr. Jason Posner
  Harold Pinter   als Mr. Bearing
 
Regie:  Mike Nichols  
Drehbuch:  Emma Thompson  
  Mike Nichols  
Produzent:  Simon Bosanquet  
Koproduzent:  Julie Lynn  
  Charles F. Ryan  
  Mike Haley  
Ausf. Produzent:  Cary Brokaw  
  Mike Nichols  
Buchvorlage:  Margaret Edson  
Kamera:  Seamus McGarvey  
Schnitt:  John Bloom  
Musik:  Dimitri Schostakowitsch  
  Arvo Pärt  
  Henryk Mikolaj Gorecki  
  Charles Ives  
Produktionsdesign:  Stuart Wurtzel  
Kostüme:  Ann Roth  
Ton:  Paul Cridlin  

Star

Emma Thompson

Ihre komödiantische Ader und der aus den blitzgescheiten Augen springende Schalk, ihr wunderbar trockener, manchmal bissiger Humor und die...

Star

Christopher Lloyd

Ihn könnte man als Erzkomödianten bezeichnen: Christopher Lloyd, Jahrgang 1938, verkörpert quirlige, ausgeflippte, schräge und...

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