Karoline Herfurth
Nina Hoss
Jennifer Ulrich
Regie: Dennis Gansel
Verleih: Constantin
Vampire machen die Hauptstadt unsicher: Louisa, Nora und Charlotte sind immer auf der Suche, ihren Blutdurst zu stillen. Als Louisa in einer Bar Lena entdeckt und mit ihrem Biss selbst zum Nachtwesen macht, löst sie eine ungeahnte Kette von Ereignissen aus: Nicht nur die Polizei, sondern auch Lenas Freund Tom suchen nach den Vampiren. Als Tom die Geliebte findet, entdeckt er die wahre Größe seiner Gefühle für die Geliebte - und weckt damit die Eifersucht von Louisa, die sich ebenfalls in Lena verliebt hat.

Dennis Gansel unternimmt einen gelungenen Ausflug in ein hierzulande in neuerer Zeit nicht genutztes Genre. In seiner Vampir-Geschichte setzt er statt auf "Twilight"-Weichzeichner auf hohen Blutzoll, furiose Actionszenen, originelle Berlin-Locations, treibenden Sound und ein charismatisches Schauspielerinnen-Quartett mit Sex-Appeal.
Und das bildet auch die auffälligste Variation der Genre-Konventionen. Denn Gansels Vampire sind ausschließlich Frauen, eine schöne Idee. Nina Hoss beißt als verführerische Vampir-Älteste Louise Straßengöre Lena (Karoline Herfurth beweist Wandlungsfähigkeit). Louise und ihre Gefährtinnen, die melancholische Stummfilmschauspielerin Charlotte (Jennifer Ulrich traurig-schön) und das flippig-impulsive Partygirl Nora (Anna Fischer) zeigen Lena, was sie mit ihren neuen Kräften und Freiheiten anfangen kann: Mit Nobelkarossen durch Tunnels brausen ohne Rücksicht auf den Gegenverkehr oder sogar Sonnenbaden im künstlichen Licht des Tropical Island und natürlich Tanzen bis zum Morgengrauen in Louises Club. Auch wenn Lena ihre äußerliche Transformation zur makellosen Frau gefällt (in einer eindrucksvoll realisierten Badeszene, in der die Verletzungen via VFX weggewaschen werden), so sehr schreckt sie die Blutgier. Die Avancen von Louise wehrt sie ab, trifft sich lieber mit dem jungen Polizisten (Max Riemelt), der in einer packenden Verfolgungssequenz am Anfang des Films versucht hat, sie nach einem Diebstahl zu schnappen. Als die Polizei den Aufenthaltsort der blutgierigen Damen ausfindig macht, müssen die vier fliehen.
Gansel erweist sich als erstaunlich geschickter Actionregisseur, sei es in den atemlosen Verfolgungsjagden oder in den virtuosen Kampfszenen, in denen die Frauen keine Gefangene machen. Insgesamt legt er - unterstützt vom starken Schnitt - ein ordentliches Tempo vor. Der Film ist bis zum Showdown auf dem Teufelsberg keine Minute langweilig. Aber auch die ruhigeren Szenen funktionieren, etwa die romantisch-angehauchten, auch witzigen Szenen zwischen Riemelt und Herfurth, denen Lena gerne schnoddrig antwortet. Dass die Figuren bisweilen over the top agieren, der Bösewicht durch eine dicke Narbe entstellt ist, gehört zum Genre. Gansel erfindet es nicht neu, er spielt mit leichter Hand mit den Konventionen, ergänzt sie mit originellen Einfällen und bietet mit Berlin eine wirklich denkwürdige Kulisse - und das nicht nur in Moodshots der sattsam bekannten Skyline mit Fernsehturm. Selbst bei den Verfolgungsjagden rücken prägnante Örtlichkeiten der Haupstadt ins Blickfeld des Zuschauers. Lena schleicht vor dem ersten Treffen mit Louise durch einen überwucherten Dino-Garten in Louises coolen Techno-Club im Freibad. Nicht nur hier vermengt die Optik Gothic- und moderne Elemente. Die Musik setzt passend zum Club-Geschehen hautsächlich auf elektronische Beats, berücksichtigt mit einem Schlaflied aber auch die romantische Komponente. In der gefühlvollsten Szene des Films singt Charlotte "Au claire de la lune" ihrer Tochter vor, die als Greisin im Krankenhaus liegt. Dies ist aber nur ein kurzer existenzieller Ausflug des Filmes, der Berlin by Night zeigt, wie es nicht nur jungen Leuten Spaß macht. hai.
| Darsteller: | Karoline Herfurth | als Lena | |
|---|---|---|---|
| Nina Hoss | als Louise | ||
| Jennifer Ulrich | als Charlotte | ||
| Anna Fischer | als Nora | ||
| Max Riemelt | als Kommissar Tom Serner | ||
| Arved Birnbaum | als Kommissar Lummer | ||
| Steffi Kühnert | als Lenas Mutter | ||
| Jochen Nickel | als Lenas Bewährungshelfer | ||
| Waléra Kanischtscheff | als Wasja | ||
| Regie: | Dennis Gansel | ||
| Drehbuch: | Jan Berger | ||
| Dennis Gansel | |||
| Produzent: | Christian Becker | ||
| Kamera: | Torsten Breuer | ||
| Schnitt: | Ueli Christen | ||
| Produktionsdesign: | Matthias Müsse | ||
| Kostüme: | Anke Winckler | ||
| Maske: | Irina Tübbecke-Bechem | ||
| Georg Korpas | |||
| Dörte Dobkowitz | |||
| Ton: | Roman Schwartz | ||
Nach dem Vampirfilm "Wir sind die Nacht" inszenierte Dennis Gansel mit "Die vierte Macht" einen Polit-Thriller fürs Kino und schätzt sich glücklich als einer der wenigen Regisseure in Deutschland überhaupt Genre-Filme machen zu dürfen.
Moritz Bleibtreu gerät in Dennis Gansels Thriller "Die vierte Macht" in die tödlichen Wirren der russischen Politik (Foto: Kurt Krieger)
Wie war es, in Englisch zu drehen und inwieweit hat es sich auf den Verkauf ausgewirkt?
DENNIS GANSEL: Es lag auf der Hand, "Die vierte Macht" in Englisch zu drehen nachdem nur Moritz Bleibtreu einen Deutschen spielte. Ich hatte am Anfang zwar ein bisschen Angst davor, nicht in meiner Muttersprache zu drehen, aber es war erstaunlich einfach. Wir hatten Sprachcoaches vor Ort - für Russisch und Englisch - und außerdem konnte ich mich zur Not mit dem Hauptdarsteller ja auf Deutsch verständigen.
Wie sind Sie an die internationalen Schauspieler herangekommen?
Über das Buch. Und bei Schauspielern wie Rade Serbedzija, die viel beschäftigt sind, hatten wir einfach Glück, dass sie neben der Lust auch die Zeit hatten. Bei Stoffen wie diesen stößt man bei Schauspielern auf größtes Interesse.
Warum haben Sie in Kiew statt in Moskau gedreht?
Moskau ist einfach zu teuer. Die großzügige Unterstützung durch die Förderer hat uns ermöglicht auf hohem Niveau in Deutschland zu drehen. Hätte mir jemand 30 Mio. Euro Budget in die Hand gedrückt, hätte ich auch in Russland gedreht. So hatten wir nur drei Tage in Moskau, und einen Tag davon hat uns Moritz geschenkt.
Wie sind die Drehbedingungen in der Ukraine?
Ähnlich wie in Deutschland. Aber bekommt man es mit der ukrainischen Mafia zu tun, dann verteuert sich plötzlich ein Drehort um das Zehnfache. Sonst kann ich fast nur Positives berichten. Die Crews sind unglaublich gut, die Menschen offen und lebenslustig. Schade, dass die Chancen der orangenen Revolution so vertan wurden.
Wie in "Wir sind die Nacht" gibt es einige tolle Locations, wie etwa den Nachtclub.
Der Club war das Motiv, bei dem es die gerade genannten Probleme gab. Wir drehten die Szenen schließlich in einer leer stehenden Kirche in Friedrichshain. Produktionsdesigner Matthias Müsse und sein Team haben sich selbst übertroffen. Ihr Budget musste vor Dreh noch mal stark gekürzt werden und trotzdem haben sie Berlin als Moskau überzeugend hinbekommen.
Musste im Schnitt viel gekürzt werden?
Wir hatten erst 150 Minuten. Auf der DVD wird also viel mehr zu sehen sein. Es ging vor allem darum, einen Unterhaltungsfilm zu machen und die Spannung zu halten. So haben wir etwa am Detailreichtum bei der Schilderung der Mechanismen des internationalen Terrorismus gespart und beim Anfang gekürzt.
Einen Genrefilm zu machen, ist in Deutschland ein Wagnis. Auch Ihr "Wir sind die Nacht" blieb unter den Erwartungen.
"Wir sind die Nacht" war ein Flop. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich überlege, wie viel Arbeit wir hineingesteckt haben und wenn man auf der anderen Seite sieht, welch Chance man gehabt hätte wäre das Timing nicht so unglücklich gewesen. Der Stoff war ja deutlich älter als "Twilight". Es muss doch im deutschen Kino noch etwas anderes geben außer Komödien! Umso glücklicher war ich, als Nina Maag und UFA Cinema "Die vierte Macht" machen wollten. Ich wünsche mir eine Kinotradition wie in Frankreich, wo es von der Klamotte über den Thriller bis zu "The Artist" alles gibt. In Deutschland ist das nicht so. Ich gehöre zu den wenigen Glücklichen, die überhaupt Genrefilme fürs Kino drehen dürfen. Tolle Thrillerideen scheitern oft schon bei der Drehbuchförderung. Für einen Film wie "Die vierte Macht" muss man marketingtechnisch viel mehr machen als z.B. für eine Schweighöfer-Komödie. Da gibt es ja bereits ein Grundpublikum, was perfekt beworben wird. Bei Thrillern fängt man bei null an.
Welches Filmprojekt gehen Sie in diesem Jahr an?
Noch ist nichts in trockenen Tüchern. Die Verfilmung von Todd Strassers "Give a Boy a Gun" treiben wir voran. Es gibt auch noch andere Ideen und Projekte. Eines davon sollte sich im Laufe des Frühjahrs konkretisieren. Ich würde jedenfalls ungern dieses Jahr pausieren.
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