In einem Westerwalddorf ist ein kleines Mädchen ermordet worden. Der Verdacht fällt prompt auf Theo, der vor zwanzig Jahren mit einer 13-Jährigen erwischt worden ist. Dabei hat Theo das Dorf damals verlassen. Als in seinem Auto eine Puppe des Mädchens gefunden wird, scheint der Fall klar. Nur Oskar glaubt an die Unschuld seines Bruders und ermittelt auf eigene Faust. Bald stellt er fest, dass es nicht nur in seiner Familie Abgründe gibt.

Auch der im Liedgut gepriesene wunderschöne Westerwald hat seine Abgründe. Dabei sieht die Landschaft in der Tat so aus, als könne sie kein Windhauch trüben; selbst wenn es Wind im Überfluss gibt.
Trotz der diversen Windkraftspargel rings umher ist die Zeit irgendwann stehen geblieben. Für Theo zum Beispiel vor zwanzig Jahren. So lange ist Theo schon weg. Aber in der Erinnerung der Dorfbewohner wird er für immer der Kerl bleiben, der dabei erwischt wurde, wie er sich an einem dreizehnjährigen Mädchen vergriffen hat. Deshalb zweifelt niemand daran, wer die acht Jahre alte Laura entführt und ermordet hat.
Joachim Król, obschon waschechter Westfale, passt perfekt in diese urwüchsige Landschaft. Król spielt Oskar, Theos Bruder. Oskar ist hier geblieben, hat bis den Vater bis zum Ende gepflegt und ist gewissermaßen das Forstamt des Dorfes. Den Vater der beiden Brüder konnte keiner leiden, Theo hat verständlicherweise auch keine Freunde, aber Oskar mag jeder. Oskar ist ruhig, defensiv; zu defensiv vielleicht. Lauras Mutter hält ihn für feige. Aber Oskar wartet nur auf den richtigen Moment, und der kommt, als Theo verhaftet wird: Er ist zur Beerdigung des Vaters zurück gekommen; die Polizei hat Lauras Puppe in seinem Auto gefunden. Kinder haben allerdings gesehen, wie Laura in ein grünes Auto gestiegen ist. Theos Auto ist nicht grün. Oskar hat eine Tochter in Lauras Alter, glaubt fest an die Unschuld seines Bruders und ermittelt auf eigene Faust. Der Kinderfreund aus dem Supermarkt zum Beispiel, der hat ein grünes Auto. Aber dann findet Oskar raus, dass auch weiße Autos grün aussehen können, und plötzlich passt alles zusammen.
Es gibt eigentlich keine schlechten Filme mit Joachim Król, aber dieser wäre auch ohne ihn sehenswert. Nach einem Drehbuch von Michael Schenk, der außerdem den Theo spielt, hat der krimiversierte Edward Berger ("Schimanski", "Unter Verdacht") ein unspektakuläres und völlig unprätentiöses Werk inszeniert, das dank einer wenig prominenten, aber enorm prägnanten Besetzung in den Nebenrollen gleich ganz viele Geschichten erzählt. Zum Beispiel die von Oskars Ex-Frau Claudia (Birge Schade), die von ihrem neuen Freund Arno geschlagen wird; oder die von Babs (Anna Schudt), Lauras Mutter, die ein Verhältnis mit Lauras Freund hat. Bloß Jens Harzer fällt etwas aus der Rolle: Sein Arno ist ein ständig schreiender Choleriker. Schenk und Berger bauen ihn derart konsequent zum Antagonisten auf, dass er unmöglich der Mörder sein kann. Ohnehin ist "Windland" kein Krimi im klassischen Sinn, eher eine Ansammlung kleinerer und größerer Dramen; und am Ende ist über allen Wipfeln Ruh'. tpg.
| Darsteller: | Joachim Król | als Oskar | |
|---|---|---|---|
| Michael Schenk | als Theo | ||
| Anna Schudt | als Barbara | ||
| Birge Schade | als Claudia | ||
| Fiona Balzer | als Rita | ||
| Jens Harzer | als Arno | ||
| Fritz Roth | als Krahl | ||
| Peer Martiny | als Pötschke | ||
| Peter Kurth | als Bulling | ||
| Till Firit | als Kallas | ||
| Martina Eitner-Acheampong | als Ellie | ||
| Barbara Stoll | als Kellnerin | ||
| Daniel Christensen | als Lehrling | ||
| Veit Stübner | als Bauer Raabe | ||
| Christoph Hofrichter | als Bestatter | ||
| Jürgen Rißmann | als Dieter | ||
| Regie: | Edward Berger | ||
| Drehbuch: | Michael Schenk | ||
| Produzent: | Liane Jessen | ||
| Kamera: | Armin Alker | ||
| Schnitt: | Stefan Blau | ||
| Musik: | Stefan Will | ||
| Produktionsdesign: | Károly Pákozdy | ||
| Kostüme: | Katharina Schnelting | ||
| Ton: | Majid Sarafi | ||
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