Originaltitel: William Shakespeare's Romeo & Juliet
USA 1996
Leonardo DiCaprio
Claire Danes
Brian Dennehy
Regie: Baz Luhrmann
Verleih: Fox
Längst ist die Familienfehde zwischen den Montagues und Capulets zu einem Bandenkrieg ausgeartet. Bei einem Maskenball treffen Romeo und Julia, die Kinder der jeweiligen Familienoberhaupte, aufeinander: Es ist Liebe auf den ersten Blick. Als Romeo bei einer Auseinandersetzung Julias Vetter töten muß, scheint ihre Liebe und der Friede zwischen den Familien nur mehr mit einem tödlichen Täuschungsmanöver zu retten zu sein.

Shakespeare wäre sicherlich erstaunt, bekäme er die neueste Adaption seines zeitlosen Romantikklassikers vor Augen. In Baz Luhrmanns ("Strictly Ballroom") superstylisierter Popkulturversion wurde die anrührendste Liebesgeschichte aller Zeiten in die Gegenwart verlegt, wo statt hoher Rösser und scharfer Schwerter, schnittige Cabriolets und abgefahrene Designer-Pistolen, unterlegt mit aggressiv-rockigen Rhythmen, die sonnig-schmuddelige Szenerie von Verona (Beach) beherrschen. Geblieben ist der Original-Dialog und die ergreifende Liebe des tragischen Titelpaares, die von Leonardo DiCaprio und Claire Danes zwar nicht makellos, aber doch ordentlich zu modernem Leben erweckt wird.
Die Ambivalenz der Tragödie, in der Jugend und Liebe mit Haß und Tod konfrontiert werden, überspitzt sich der bei Luhrmann'schen Inszenierung teilweise bis zur Farce, indem quasi jedem klassischen Element ein zeitgemäßes gegenüber gestellt wird. Die beinahe cartoonartige Zweischneidigkeit reicht von Äußerlichkeiten wie Accessoires (45er Colts werden mit der Eleganz eines Schwertes geführt), Kostümen (Hawaiihemden, schwarzer Straßendesperado-Look und fließende Roben) und Bauten (Wolkenkratzer neben stilvollen Palazzi) zu Versuchen, die starre Ernsthaftigkeit der Vorlage mit humorvollen, gar slapstickartigen Momenten aufzubrechen. Bewirkt wird diese wohl nicht jedermann ansprechende Komik mit an Stummfilmen erinnernder Beschleunigung der Filmgeschwindigkeit, der starken Verfremdung von Mercutio (Harald Perrineau), Romeos treuester Freund, der hier als extravangante Drag Queen über die Stränge schlägt, und der Darstellung von Julias Mutter als affektierter Zicke. Die Liebe zwischen Romeo und Julia hat auch in dieset bizarren Freakshow nichts von ihrer zeitlosen Wirkung verloren, so daß die unvergängliche Emotion im Gewand moderner Trendiness eine neue Generation von Teenagern (vor allem junge Mädchen) in den Bann ziehen wird. Bereits die Opening-Sequenz zeigt, daß hier kräftig entstaubt wurde: Der Prolog wird am Bildschirm von einer schwarzen TV-Nachrichtensprecherin angesagt, während mit hektisch schnellen Schnitten wird Dynamik erzeugt wird. Das wahnwitzige Editing und die atmosphärische Kameraarbeit unterstreichen den innovativen Look der Produktion. Der zeitgemäße Soundtrack fungiert als fortwährende Zelebrierung des omnipräsenten Anachronismus und sorgt überdies für eine köstliche Pointe, wenn ein Knabenchor in Vater Laurence (Pete Postlethwaite perfekt als tätowierter New-Age-Pastor) Princes "When Doves Cry" intoniert. Teenagerschwarm DiCaprio ("Gilbert Grape") legt seinen Romeo als charmanten James-Dean-Typ an, und Neuentdeckung Danes ("Betty und ihre Schwestern") strahlt genau das richtige Maß an Unschuld und Verträumtheit aus. Über gewisse, nicht übermäßig auffallende Ungelenk- und Unbeholfenheit beim Vortragen der Verse läßt sich daher auch geflissentlich hinwegsehen. Mit der Transparenz von Franco Zeffirellis spirituell-religiösen Meisterwerk aus dem Jahr 1968 kann Baz Luhrman nicht gleichziehen, doch das ist auch sicherlich nicht das erklärte Anliegen des Filmemachers. Vielmehr ist das Kunststück gelungen in der anhaltenden Flut von Shakespeare-Verfilmungen auch eine einfallsreiche und maßgeschneiderte Experimental-Aufbereitung für die MTV-Generation zu realisieren, bei der ein Höchstmaß an Konzentration nicht erforderlich ist. ara.
| Darsteller: | Leonardo DiCaprio | als Romeo | |
|---|---|---|---|
| Claire Danes | als Juliet | ||
| Brian Dennehy | als Ted Montague | ||
| John Leguizamo | als Tybalt | ||
| Pete Postlethwaite | als Father Laurence | ||
| Paul Sorvino | als Fulgencio Capulet | ||
| Diane Venora | als Gloria Capulet | ||
| Harold Perrineau jr. | als Mercutio | ||
| Paul Rudd | |||
| Jesse Bradford | |||
| Dash Mihok | |||
| Miriam Margolyes | |||
| Vondie Curtis-Hall | |||
| Christina Pickles | |||
| M. Emmet Walsh | |||
| Regie: | Baz Luhrmann | ||
| Drehbuch: | Craig Pearce | ||
| Baz Luhrmann | |||
| Produzent: | Gabriella Martinelli | ||
| Baz Luhrmann | |||
| Koproduzent: | Martin Brown | ||
| Buchvorlage: | William Shakespeare | ||
| Kamera: | Donald M. McAlpine | ||
| Schnitt: | Jill Bilcock | ||
| Musik: | Nellee Hooper | ||
| Craig Armstrong | |||
| Marius de Vries | |||
| Produktionsdesign: | Catherine Martin | ||
Eine ganz neue Sicht auf das Shakespeare-Drama "Romeo und Julia" liefert nun der CGI-Film "Gnomeo and Juliet". James McAvoy und Emily Blunt sprechen die Hauptrollen.
Neue Karriere als Zwerg: James McAvoy fungiert bald als Romeo im Gartenbeet (Foto: Universal)
Ihre Liebe war so groß - und machte auch vor der Gartenhecke nicht halt. So ähnlich könnte es in einer neuen "Romeo & Julia"-Verfilmung heißen, die den Klassiker auf besondere Art interpretiert: "Gnomeo und Juliet" ist der Titel eines CGI-animierten Projekts, dass das berühmte Shakespeare-Paar als Gartenzwerg-Gespann hinter feindlichen Hecken zeigt.
Für die Hauptrollen haben nun James McAvoy ("Geliebte Jane") und Emiliy Blunt ("Der Teufel trägt Prada") zugesagt. Zuvor war für Julias Stimme Kate Winslet vorgesehen - doch die sagte das Projekt aus terminlichen Gründen ab. Regie bei dem schrägen Animationsspaß führt Kelly Asbury, der schon "Shrek 2 - Der tollkühne Held kehrt zurück" in Szene setzte. Das Ganze soll laut Insiderberichten an ein Musical erinnern und auch Songs von Elton John enthalten, der mit seiner Produktionsfirma Rocket Pictures an Bord ist.
Wie man sich nun Capulets Tochter und Montagues Sohn als Zwerg und Zwergin vorstellen soll und ob die berühmte Balkonszene am Ende gar unterm Apfelbäumchen stattfindet, ist nicht bekannt. Immerhin soll der Film aber mit einem "bissigen Humor á la 'Monty Python'" ausgestattet sein, heißt es.
Im Kino wird "Gnomeo und Juliet" erst 2010 zu bewundern sein. Wer sich bis dahin noch einmal an James McAvoy erfreuen will, kann das ab 4. September in seinem neuen Film "Wanted" tun. Fans von Emily Blunt müssen dagegen noch etwas warten: Die britische Schauspielerin ist erst 2009 mit "The Wolfman" wieder im Kino präsent.
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