Anna Bertheau
Antonio Wannek
Tim Sander
Regie: Connie Walther
Verleih: X Verleih
1982: Bis über beide Ohren verknallt sich die in Westberlin lebende 17-jährige Nele bei einem Besuch im Ostteil der Stadt in den ruppigen Punk Captain. Sie lernt auch seine Clique kennen. Die Punks knöpfen einem ZDF-Fernsehteam die Videokamera ab und drehen ein Selbstportrait, das Nele in den Westen schmuggelt.

Punk ist einfach nicht totzukriegen, erlebt manchmal so etwas wie einen zweiten Frühling, nennt sich dann "Grunge" oder "Hardcore", schleicht sich als Out Of Bed-Look in den Friseursalon zurück oder lässt bei Spike Lee ("Summer of Sam") nostalgische Gefühle aufkommen. Punk war nicht nur irgendein Look, irgendeine subkulturelle Uniform, aus der man irgendwann herauswuchs und die man im nachhinein nur noch belächeln kann. Punk war der letzte große Aufstand gegen das bürgerliche Geschmacksempfinden. Punk war gefährlich; gefährlich für die, die diesen Stil leben wollten, und Punk gab es nicht nur in New York und London, sondern auch in Ost-Berlin. Davon handelt Connie Walthers "Wie Feuer und Flamme". Einerseits eine typische Romeo und Julia-Lovestory ist diese X Film-Produktion auch ein spannendes deutsch-deutsches Politdrama über den Kampf einer Gruppe Jugendlicher mit der allmächtigen Stasi oder - wie es der Sänger von SPN-X, einer der Bands des liebevoll zusammengestellten Soundtracks, ausdrückt - "ein geschichtliches Resümee, was damals abgegangen ist".
Es ist 1982. Helmut Schmidt steht vor seinem letzten Jahr als Kanzler und von Hip Hop hat noch niemand gehört. Man tanzt auf Ideals "Monotonie in der Südsee" und viele Mädchen lassen sich einen Haarschnitt wie Nena verpassen. Die Mauer steht noch und im Westen der geteilten Stadt lebt die 17-jährige Nele (Anna Bertheau). Bis über beide Ohren verknallt sie sich bei einem Besuch in Ost-Berlin in den ruppigen Punk Captain (Antonio Wannek). Wenige Tage später ist sie wieder "drüben", um ihren Schwarm bei einem Konzert in einer Kirche zu erleben. Sie lernt auch seine Clique kennen: Hacki ("GZSZ"-Darsteller Tim Sander), Tremmel (Michael Krabbe), Bax (Luise Helm, bekannt aus "Harte Jungs"), Meise (Aaron Hildebrand, zuletzt in "Schule") und Kopfi (Carmen Birk), die von der Stasi als Spitzel missbraucht wird. Die Punks knöpfen einem ZDF-Fernsehteam die Videokamera ab und drehen auf eigene Faust ein Selbstportrait, das Nele in den Westen schmuggelt. "Kennzeichen D" sendet zwar Ausschnitte, stellt aber Captains Clique als verkappte Neonazis und Säufer hin, was der Stasi wie gerufen kommt. Mielke gibt Befehl, mit aller Härte gegen die Punks vorzugehen. Nele wird das erste Opfer der staatlichen Repressionen. Tagelang verhört man sie, bevor sie schließlich ausgewiesen wird. Die Clique zerfällt in gegenseitigem Misstrauen. Captain kommt ins Gefängnis. Nele überquert in einem Müllcontainer illegal die Grenze, um für Captain auszusagen, wird aber erneut abgeschoben. Zudem lässt man sie im Glauben, dass Captain gestorben ist. Sieben Jahre später erlebt Nele im Fernsehen mit, wie die Berliner die Mauer zu Grabe tragen, und macht sich auf die Suche nach Captain.
Drehbuchautorin Nadja Brunckhorst ("Christiane F.") muss es instinktiv erkannt haben. Die Maueröffnung war vielleicht der einzig wirklich romantische Moment der Wiedervereinigung. Doch bisher gelang es niemanden, sie zum Happy End einer Liebesromanze werden zu lassen. Genau das ist "Wie Feuer und Flamme" gelungen. Es ist ein Teenager-Publikum, an das sich dieser Film richtet. Videoästhetik, ein ausgiebiger Gebrauch von Songs aus dieser Zeit und zwei mitreissende Hauptdarsteller - so emotionsgeladen erlebt man Zeitgeschichte sehr, sehr selten. flx.
| Darsteller: | Anna Bertheau | als Nele | |
|---|---|---|---|
| Antonio Wannek | als Captain | ||
| Tim Sander | als Hacki | ||
| Aaron Hildebrand | als Meise | ||
| Michael Krabbe | als Tremmel | ||
| Luise Helm | als Bax | ||
| Carmen Simone Birk | als Kopfi | ||
| Nora Tschirner | als Anya | ||
| Regie: | Connie Walther | ||
| Drehbuch: | Natja Brunckhorst | ||
| Produzent: | Stefan Arndt | ||
| Maria Köpf | |||
| Kamera: | Peter Nix | ||
| Schnitt: | Ewa Lind | ||
| Musik: | Rainer Oleak | ||
| Produktionsdesign: | Gabriele Wolff | ||
Auch das Publikum kann Preise vergeben: Die diesjährigen Kandidaten für den Deutschen Filmpreis.
Minister Julian Nida-Rümelin, der aus seiner Vorliebe für die deutsche Kinokultur kein Hehl macht, gab am Freitag den 19. April im Berliner Hotel Adlon die Nominierungen bekannt. Durch den Abend führte die Leipziger Darstellerin Manon Straché.
Der kürzlich verstorbene Billy Wilder wurde von Journalist und Schriftsteller Hellmuth Karasek und von Regisseur Volker Schlöndorff mit einem persönlichen Nachruf bedacht.
Ganz heiß - der Publikumspreis: Am 26. April startet das Gewinnspiel um die beiden Auszeichnungen "Deutscher Kinofilm des Jahres" und "Schauspielerin bzw. Schauspieler des Jahres". Einsendeschluss ist der 1. Juni 2002, mitmachen kann man unter www.deutscherfilmpreis.de.
Die Nominierungen
Bester Spielfilm: "Bella Martha", "Halbe Treppe", "Heaven", "Nirgendwo in Afrika", "Das weiße Rauschen" und "Wie Feuer und Flamme".
Bester Dokumentarfilm: "Black Box BRD", "A woman and a half - Hildegard Knef"
Bester Kinder- und Jugendfilm: "Hilfe, ich bin ein Fisch", "Das Sams"
Beste Hauptdarstellerin: Karoline Eichhorn für "Der Felsen", Martina Gedeck für "Bella Martha", Juliane Köhler für "Nirgendwo in Afrika"
Bester Hauptdarsteller: Daniel Brühl für "Nichts bereuen", "Das weiße Rauschen" und "Vaya con dios". Ulrich Noethen für "Das Sams". Antonio Wannek für "Der Felsen" und "Wie Feuer und Flamme".
Beste Nebendarstellerin: Anabelle Lachatte für "Das weiße Rauschen", Eva Mattes für "Das Sams". Marie-Lou Sellem für "Mein Bruder, der Vampir", " Nichts bereuen" und "Hilfe, ich bin ein Junge!".
Bester Nebendarsteller: Martin Feifel für "Was tun, wenn's brennt?", Remo Girone für "Heaven" und Matthias Habich für "Nirgendwo in Afrika"
Beste Regie: Andreas Dresen für "Halbe Treppe", Dominik Graf für "Der Felsen" und Caroline Link für "Nirgendwo in Afrika".
2,815 Millionen Euro stehen gesamt als Prämien für die 16 Preise aus - 10.000 davon gehen sicher an Michael "Bully" Herbig für "Der Schuh des Manitu": Er wird für seinen Erfolg mit einem Sonderpreis der Jury geehrt, dem Filmpreis in Gold.
Die 52. Verleihung des Deutschen Filmpreises findet am 14. Juni 2002 im Berliner Tempodrom am Anhalter Bahnhof statt. Die Zusammenfassung der Gala zur Verleihung des Deutschen Filmpreises wird am 16. Juni 2002 von Sat.1 um 20.15 Uhr ausgestrahlt.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.