August Diehl
Lena Lauzemis
Alexander Fehling
Regie: Andres Veiel
Verleih: Senator
Deutschland in den frühen Sechzigern: Bernward Vesper, Sohn des NS-Schriftstellers Will Vespers, lernt während des Studiums in Tübingen die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin kennen: Beginn einer schmerzhaften und leidenschaftlichen Liebesgeschichte. Sie gründen einen gemeinsamen Verlag, gehen nach Berlin. Gudrun verlässt für den radikalen Andreas Baader Mann und Kind, driftet in die Terrorismusszene, während Vesper sich auf Drogentrips verliert.

Bewegender Blick auf die Zeit vor dem Deutschen Herbst und eine mit der Vorgeschichte des RAF-Terrorismus verbundene bedingungslose Liebe.
Wer wenn nicht Andres Veiel hätte die Geschichte einer Generation, deren Träume von einer besseren Welt an der Wirklichkeit zerschellten so aufwühlend erzählen können? Der preisgekrönte Dokumentarfilmregisseur (Deutscher Filmpreis und Europäischer Filmpreis für "Black Box BRD") begibt sich nach Gerd Koenens Buch "Vesper, Ensslin, Baader - Urszenen des deutschen Terrorismus" auf Spurensuche in die neuere deutsche Geschichte, stellt existenzielle Fragen. Dabei verzicht er auf die üblichen Bilderschleifen vom Schah-Besuch am 2. Juni 1967 und den Schüssen auf den Studenten Benno Ohnesorg, beginnt schon in den frühen 1960ern. In der Republik herrscht Ruhe vor dem Sturm, auch in Universitätsstädten wie Tübingen.
Dort lernt Bernward Vesper, Sohn des NS-Schriftstellers Will Vespers, während des Studiums die Pfarrerstochter Gudrun Ensslin kennen. Beginn einer schmerzhaften und leidenschaftlichen Liebe. Sie gründen einen gemeinsamen Verlag, veröffentlichen eine Anthologie gegen den Atomtod und gleichzeitig die völkischen Werke von Bernwards Vater. 1964 geht das Paar nach West-Berlin, taucht ein in die linke Bohème der Mauerstadt, fühlt sich als Teil des Aufbruchs. Trotz ihres kleinen gemeinsamen Sohnes verlässt Gudrun für den radikalen Andreas Baader Mann und Kind, driftet in die Terrorismusszene, während Vesper sich auf Drogentrips verliert.
Andres Veiel ist einer, der furchtlos heikle Themen anpackt und sich hier an eine Ikone wagt, Gudrun Ensslin in ihren Schwächen und Unsicherheiten zeigt, im Zwiespalt von bürgerlicher Herkunft und ménage à trois und in ihrer Selbstzerstörung - erst in der absoluten Liebe zu Bernward, dann in ihrer kalten Radikalität an der Seite Baaders. Die Zeichnung einer an der Seele beschädigten und orientierungslosen Generation, die neue Identitäten entwickelt, tut weh. Nicht nur inhaltlich in seinem Geflecht aus emotionalen Abhängigkeiten und inneren Widersprüchen, auch formal ist das Drama eine Offenbarung, vor allem durch die subtile 35mm-Kamera von Judith Kaufmann und ihr klares Farb- und Lichtkonzept. Die historische Ausstattung stimmt bis aufs Barometer am Fenster und die Tischdecke im Wohnzimmer, die Schauspieler - Lena Lauzemis, August Diehl und vor allem Alexander Fehling als schillernde Baader-Figur - überzeugen, die Musik ist genial platziert mit Evergreens wie "Summer in the City" als Konterkarierung der Szene mit prügelnden Jubelpersern. "Wer wenn nicht wir", ein deutsches Berlinale-Highlight. mk.
| Darsteller: | August Diehl | als Bernward Vesper | |
|---|---|---|---|
| Lena Lauzemis | als Gudrun Ensslin | ||
| Alexander Fehling | als Andreas Baader | ||
| Thomas Thieme | als Will Vesper | ||
| Imogen Kogge | als Rose Vesper | ||
| Michael Wittenborn | als Helmut Ensslin | ||
| Susanne Lothar | als Ilse Ensslin | ||
| Maria-Victoria Dragus | als Ruth Ensslin | ||
| Regie: | Andres Veiel | ||
| Drehbuch: | Andres Veiel | ||
| Produzent: | Thomas Kufus | ||
| Koproduzent: | Helge Sasse | ||
| Anatol Nitschke | |||
| Buchvorlage: | Gerd Koenen | ||
| Kamera: | Judith Kaufmann | ||
| Schnitt: | Hansjörg Weißbrich | ||
| Musik: | Annette Focks | ||
| Produktionsdesign: | Christian M. Goldbeck | ||
| Kostüme: | Bettina Marx | ||
| Maske: | Monika Münnich | ||
| Ton: | Paul Oberle | ||
| Casting: | Simone Bär | ||
Gleich seine erste Filmrolle brachte August Diehl den Deutschen Filmpreis 2000 ein. Als passionierter Computer-Hacker und...
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