
Die Lage schien den Regisseuren so ernst, dass sie im Sommer einen "Brandbrief" verfassten und auf diese Weise öffentlich auf die immer bedenklichere Qualität der ARD-Fernsehfilme hinwiesen. Der Senderverbund antwortete souverän: mit hochklassigen Fernsehfilmen wie "Nicht alle waren Mörder" oder "Die Mauer - Berlin '61". So gesehen ist das Rührstück "Wenn du mich brauchst" wieder ein Rückschritt, steht es doch für die vom Bundesverband der Regisseure bemängelte "Degetoisierung", also die Ausbreitung der Freitagsschmonzetten auf den anspruchsvolleren Mittwochstermin.
Handwerklich allerdings ist an der von SWR-Tochter Maran produzierten Weihnachtsgeschichte (Regie: Bodo Fürneisen) nichts auszusetzen, und wenn man den Film als Plädoyer für mehr Menschlichkeit betrachtet, passt die Handlung ohnehin perfekt in die Jahreszeit: Ein ehrgeiziger Nachbar (Heikko Deutschmann) bedrängt die kinderlose Witwe Elvira Hertzfeld (Rosemarie Fendel), ihr Eigenheim gegen einen Platz im Altenheim zu tauschen. Hintergrund der vermeintlichen guten Tat: Ganz in der Nähe will die Stadt Baden-Baden eine Therme einrichten. Nachbar Schick, pikanterweise auch noch der Stadtkämmerer, kennt nicht nur die Pläne, sondern weiß auch, dass die Grundstückspreise in die Höhe schießen werden. Guter Geist der Geschichte ist der obdachlose Paul Heisenberg (Miroslav Nemec), ein ehemaliger ICE-Lokführer, der seinen Beruf nach einem "Personenschaden" nicht mehr ausüben konnte und sich nun als Fußgängerzonenmusiker über Wasser hält. Die alte Dame nimmt ihn nach anfänglicher Skepsis unter ihre Fittiche. Gemeinsam mit Haushälterin Doris (Anna Böttcher), die sich zwischenzeitlich von Schicks Charme blenden lässt, vereitelt Heisenberg die skrupellosen Pläne des Nachbarn. Die Handlung basiert auf einem Drehbuch von Karlheinz Freynik und Ilse Biberti und wurde von der routinierten Autorin Brigitte Blobel überarbeitet. Um diese Bearbeitung gab es allerlei unschöne Zwistigkeiten, weil Urheber Freynik den SWR und die Produktionsfirma des Ideenklaus bezichtigte. Der fertige Film rechtfertigt die Streiterei nur bedingt: Wahnsinnig originell ist die Geschichte zumindest in der Sendeversion nicht. Trotzdem trifft der alte Süßstoffvorwurf nur bedingt zu. Natürlich inszeniert Fürneisen die ohnehin harmlose Handlung ohne Ecken und Kanten. Auch die Darsteller verkörpern ihre eindimensional angelegten Figuren weitgehend überraschungsfrei. Als Genre-Film aber funktioniert "Wenn du mich brauchst" perfekt. Ein sicherer Quotenbringer, der dem SWR keine Preise, aber ein dankbares Publikum bescheren wird. tpg.
| Darsteller: | Rosemarie Fendel | als Elvira Hertzfeld | |
|---|---|---|---|
| Miroslav Nemec | als Paul Heisenberg | ||
| Heikko Deutschmann | als Reiner Schick | ||
| Christoph Gareisen | als Marcel Labiche | ||
| Dieter Montag | als Erich Wiedemann | ||
| Anna Böttcher | als Doris | ||
| Eva Herzig | als Lisa | ||
| Regie: | Bodo Fürneisen | ||
| Drehbuch: | Brigitte Blobel | ||
| Karlheinz Freynik | |||
| Produzent: | Sabine Tettenborn | ||
| André Zoch | |||
| Kamera: | Jürgen Carle | ||
| Schnitt: | Carola Hülsebus | ||
| Produktionsdesign: | Florian Haarmann | ||
| Ton: | Peter Tielker | ||
Sanft bestimmte Träumerin. Geschätzte Theater-, TV- und Filmschauspielerin und Regisseurin, deren Kollegen ihre Disziplin und...
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