Wiley Wiggins
Trevor Jack Brooks
Lorelei Linklater
Regie: Richard Linklater
Verleih: Fox
Der Jugendliche Wiley Wiggins sucht auf einer langen, surrealen Reise durch die Nacht nach dem Sinn des Lebens. Dabei trifft er auf die verschiedensten Personen, alltägliche wie auch bekannte Persönlichkeiten (u.a. Steven Soderbergh). Mit ihnen räsoniert Wiley über Sein und Schein, wobei neben den bedeutendsten zeitgenössischen Philosophen auch Schriftsteller wie Thomas Mann oder der Sci-fi-Guru Philip K. Dick zitiert werden.
Richard Linklaters ("Before Sunrise") surrealer Selbstfindungstrip eines Jugendlichen wurde zunächst mit echten Schauspielern gedreht und in der Postproduktion in einen höchst innovativen Zeichentrickfilm umgewandelt.

Auf der diesjährigen Biennale war Richard Linklater gleich mit zwei Werken vertreten. Neben dem Video-Film "Tape", der in der Experimental-Reihe nuovi territori gezeigt wurde, lief im Wettbewerbsprogramm "Waking Life", der nun auf den 35. Internationalen Hofer Filmtagen seine Deutschland-Premiere erleben wird. Der Film schildert die nächtlichen Erlebnisse eines jugendlichen Helden, der sich auf einem Selbstfindungstrip befindet. Das Originelle daran: "Waking Life" wurde zunächst mit realen Schauspielern gedreht und in der Postproduktion unter Leitung des Software-Magiers Bob Sabiston in einen höchst innovativen Zeichentrickfilm umgewandelt.
Wegen Produktionen wie "Slacker" oder "Suburbia" gilt der aus Houston, Texas stammende Richard Linklater als einer der umstrittensten, aber auch populärsten Independent-Filmemacher der USA. Mit "Waking Life" beschreitet der inzwischen 40-Jährige wieder Wege, die vor ihm noch niemand eingeschlagen hat. Bei diesem Projekt wurde zunächst nach dem Prinzip der so genannten kontrollierten Improvisation in 25 Tagen auf Mini-DV-Kameras mit kleiner Crew und echten Schauspielern, darunter auch Julie Delpy und Ethan Hawke, Linklaters Protagonisten aus "Before Sunrise", gedreht. Nach dem Schnitt ließ der Regisseur und Drehbuchautor dann Bild für Bild von einem Team von 30 Künstlern unter der Federführung von Bob Sabiston nach deren Vorstellungen "anmalen", sprich kreativ bearbeiten. Das gibt dem Film einen ganz eigenen, an ein lebendiges impressionistisches Gemälde erinnerndes Aussehen und stößt gleichzeitig das Tor auf dem Gebiet des Animationsfilms weit auf. Sogar Zeichentrick-Monopolist Disney interessierte sich schon für Sabistons kongeniale Computer-Software. Doch der Technik-Freak entschied sich gegen den Major und für ein Independent-Experiment, opferte ein ganzes Jahr, um in Linklaters zu einem Studio umfunktionierter Garage in Austin seine Mitarbeiter, die in drei Schichten an 16 Apple-Rechnern schufteten, zu überwachen.
Während die Optik des mit einem Budget von rund einer Million Dollar erstaunlich preiswerten Films auf ganzer Linie zu überzeugen vermag - obwohl die stets wabernden Bilder das Auge auf Dauer ziemlich anstrengen - zählt die Geschichte zum Schwachpunkt von "Waking Life". In deren Zentrum steht der jugendliche Held Wiley Wiggins, jener Schauspieler, der den Mitch Kramer in Linklaters "Dazed and Confused" verkörperte. Dieser sucht auf einer langen, surrealen Reise durch die Nacht - träumt er oder wacht er? - nach dem Sinn des Lebens. Dabei trifft er auf die verschiedensten Personen, darunter auch Steven Soderbergh (!), und räsoniert über Sein und Schein, Realität und Fiktion, wobei neben den bedeutendsten zeitgenössischen Philosophen auch Schriftsteller wie Thomas Mann oder der Sci-fi-Guru Philip K. Dick zitiert werden. Für das breite US-Publikum mögen deren Thesen neu sein, Europäer wittern jedoch hinter Linklaters Story nichts anderes als eine intellektuell verbrämte Readers-Digest- bzw. Best-of-Version der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts.
"Waking Life" ist ein typischer Festivalfilm - originell, überraschend und revolutionär. Dank der positiven Mundpropaganda, die er aus Venedig erhielt und in Hof noch bekommen wird, könnte aber auch ein regulärer Kinostart durchaus Früchte tragen. Allerdings wäre der Fox-Film bei einem Independent-Verleih, der ihn in den Programmkinos mit studentischem Umfeld platzieren müsste, wohl besser aufgehoben. lasso.
| Darsteller: | Wiley Wiggins | ||
|---|---|---|---|
| Trevor Jack Brooks | |||
| Lorelei Linklater | |||
| Glover Gill | |||
| Laura Hicks | |||
| Ames Asbell | |||
| Leigh Mahoney | |||
| Sara Nelson | |||
| Jeanne Attaway | |||
| Bill Wise | |||
| Robert Solomon | |||
| Kim Krizan | |||
| Eamonn Healy | |||
| J.C. Shakespeare | |||
| Ethan Hawke | |||
| Julie Delpy | |||
| Regie: | Richard Linklater | ||
| Drehbuch: | Richard Linklater | ||
| Produzent: | Anne Walker-McBay | ||
| Tommy Pallotta | |||
| Palmer West | |||
| Jonah Smith | |||
| Ausf. Produzent: | Jonathan Sehring | ||
| Caroline Kaplan | |||
| John Sloss | |||
| Kamera: | Richard Linklater | ||
| Tommy Pallotta | |||
| Schnitt: | Sandra Adair | ||
| Musik: | Glover Gill | ||
| Animation: | Bob Sabiston | ||
| Ton: | Ethan Andrus | ||
Karrieretief hoch zwei: Der eine hat die zwei übelst gefloppten Sequels der Filmgeschichte hinter sich, der andere wurde eben von wütenden Lesben der sexuellen Ausbeutung bezichtigt.
Vielleicht können sich "Matrix"-Opfer Keanu Reeves und Regisseur Spike Lee ja nun gegenseitig aus dem Loch der Kinoverdammnis hieven: Lee hat mit der Komödie "She Hate Me", in der eine Lesbe einem Hetero-Mann zwecks Kinderwunsch 10.000 Dollar für eine Nacht bietet, gerade die Nation erzürnt - und sich dafür am US-Boxoffice eine Backpfeife abgeholt.
Reeves - einst cooler Mantelträger in einem Science-Fiction-Film, der als Revolution des Genres galt - kämpft nun gegen den Makel als Hauptdarsteller der beiden katastrophalen "Matrix"-Fortsetzungen an.
Nun haben die beiden mit "The Night Watchman" ein vielversprechendes gemeinsames Projekt am Start. Erfolgsgarant für den klassischen Film noir ist dabei Drehbuchautor James Ellroy, der für seine Buchvorlage zu "L.A. Confidential" bereits einen Oscar einheimste.
Allerdings klingt der neue Stoff verdächtig ähnlich: Ein Polizist ermittelt gegen Korruption in den eigenen Reihen und verstrickt sich dabei in ein Netz von Intrigen. So dauert es nicht lange, bis er sich selbst dem Vorwurf der illegalen Vorteilsnahme gegenüber sieht.
Reeves scheint überhaupt die Nase gestrichen voll zu haben von Amateur-Schreiberlingen á la Wachowski. Eben hat er nämlich mit Richard Linklater "Der dunkle Schirm" abgedreht. Wie schon bei dessen "Waking Life" wird der reale Keanu in der Postproduktion nun in eine gezeichnete Figur transformiert. Und das Drehbuch des SF-Thrillers um einen schizophrenen Drogenfahnder stammt dabei von keinem Geringeren als Philip K. Dick, dem der Kinofan Juwelen wie "Blade Runner", "Total Recall" und "Minority Report" verdankt.
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