Ein "Dr. Seltsam" für die Neunziger. Zynisch-nihilistische Polit- und Mediensatire. http://images.kino.de/flbilder/max02/mbiz02/mbiz26/z0226574/b150x150.jpg Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Filmdetails

Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Ein "Dr. Seltsam" für die Neunziger. Zynisch-nihilistische Polit- und Mediensatire.


Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt
Start: 26.03.1998

Originaltitel: Wag the Dog

Satire

USA 1997
Laufzeit: 97 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Dustin Hoffman
Robert De Niro
Anne Heche

Regie: Barry Levinson
Verleih: Concorde

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Inhalt

Elf Tage vor der Wahl wird der US-Präsident von einer Anschuldigung eingeholt, er habe im Weißen Haus Sex mit einer Pfadfinderin gehabt. Um die Lage unter Kontrolle zu bringen, will der Spin Doctor Brean die Öffentlichkeit mit einem Krieg ablenken. Weil gerade kein Konflikt greifbar ist, bleibt nichts anderes übrig, als einen zu inszenieren. Dafür sichert sich Brean die Talente des Hollywood-Produzenten Motts.


Kritik

Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Ein "Dr. Seltsam" für die 90er: ausgerechnet zur Jahreszeit der wohlintentionierten Humanitätsepen (siehe "Amistad", "The Boxer", "Good Will Hunting" etc.) läßt New Line diese vernichtend zynische Polit- und Mediensatire über einen vorgetäuschten Krieg Amerikas mit Albanien, der dem Präsidenten die gefährdete Wiederwahl sichern soll, vom Stapel. Ein hündischer Schnellschuß, von Barry Levinson während des Produktionslimbos von "Sphere" nach einem Drehbuch von David Mamet binnen vier Wochen mit einem Budget von 15 Mio. Dollar heruntergerissen, der vor allem dann besonders bissig und tollwütig wird, wenn Dustin Hoffman die Szenerie betritt. Sein aberwitziges Porträt eines mit allen Wassern gewaschenen Hollywood-Produzenten - Hoffmans beste Leistung in diesem Jahrzehnt - ist der Adrenalinstoß, der "Wag the Dog" zur Komödie der Saison macht.

Wie ein bösartiger Bruder von "Bob Roberts" macht sich dieser für Hollywood-Verhältnisse geradezu radikal-nihilistische Rundumschlag im Jahr Sieben nach dem Golfkrieg daran, Oliver Stones Verschwörungsparanoia wie harmoniebedürftige Pazifismusmanifeste anmuten zu lassen. Nichts ist heilig, wenn Barry Levinson - im Stil zwischen Stones fiebrigem Deliriumkino und der Banalität des Reality TV schwankend - den Schwanz mit dem Hund wedeln läßt. Immer bereit, eloquent Seitenhiebe gegen Clinton, Reagan und die verlogene Berichterstattung von der Irakfront auszuteilen, bereitet er die Bühne für die zwei Vollprofis Hoffman und Robert De Niro, die dem Präsidenten höchstselbst aus einer Bredouille helfen sollen - und als Schauspieler sichtbaren Spaß daran haben:

Nur elf Tage vor den Wahlen wird das Staatsoberhaupt von einer Anschuldigung eingeholt, er habe sich einer Besucherin des Oval Office, obendrein minderjährig, sexuell aufgedrängt. De Niro als völlig amoralischer Spin Doctor für Politkrisen aller Art weiß das Rezept, um den Skandal abzuwenden: die Öffentlichkeit muß mit einem Krieg abgelenkt werden. Da gerade kein Konflikt greifbar ist, bleibt nichts anderes übrig, als einen zu inszenieren. Bühne frei für den Hollywood-Produzenten Stanley Motss, mit dessen Auftritt "Wag the Dog" abhebt.

Braungebrannt, mit gelackter Haartolle und voller Showbiz-Weisheiten erinnert Hoffman vor allem an den einstigen Paramount-Studiochef und "Chinatown"-Produzenten Robert Evans, doch der ist nur Ausgangskoordinate für ein furioses Porträt eines Hollywood-Players alter Schule, der einem trotz aller Glattheit, Amoral und Verachtung des eigenen Publikums ans Herz wächst - so daß sein Fall am Ende des Films durchaus auch schmerzt. Amerikas Krieg mit Albanien ("Warum Albanien?" - "Warum nicht?") bereitet Stanley vor, als müsse er die Marketingkampagne seines nächsten Blockbusters ausarbeiten. Mit kindlichem Vergnügen werden patriotische Lieder (der Titelsong zum Krieg!) komponiert, Aufnahmen vom Kriegsschauplatz im Studio nebenan fabriziert und ein guter amerikanischer Held (Woody Harrelson) erfunden, der sich als gemeingefährlicher Psychopath entpuppt, als er der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

Anders als "Dr. Seltsam" sucht "Wag the Dog" sein Heil nicht in der Apokalypse. Die Zeiten haben sich geändert. Aber die unzögerliche Bereitschaft, mit der David Mamets brillantes Buch die absolute Regentschaft des Fernsehens über das amerikanische Leben anerkennt, ist kaum minder erschreckend. Diese Realisation wird goutierbar gemacht von einer Galavorstellung zweier Superstars, die nie besser waren. Während der eine (Hoffman) Vollgas gibt, hat der andere (De Niro - so gut und zurückhaltend wie in "Jackie Brown") die Größe, seinem Kollegen die Bühne zu überlassen - und selbst über dessen wunderbare Darstellung zu staunen. Über sie wird bei der Berlinale gesprochen werden. ts.

Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Darsteller:  Dustin Hoffman   als Stanley Motss
  Robert De Niro   als Conrad Brean
  Anne Heche   als Winifred Ames
  Woody Harrelson   als Sgt. William Schumann
  Denis Leary   als Fad King
  Willie Nelson   als Johnny Green
  Andrea Martin   als Liz Butsky
  Michael Belson   als Präsident
  Suzanne Cryer   als Amy Cain
  John Michael Higgins   als John Levy
  Suzie Plakson   als Grace
  Kirsten Dunst   als Tracy Lime
  William H. Macy   als Mr. Young
  Craig T. Nelson   als Senator Neal
 
Regie:  Barry Levinson  
Drehbuch:  Hilary Henkin  
  David Mamet  
Produzent:  Jane Rosenthal  
  Robert De Niro  
  Barry Levinson  
Ausf. Produzent:  Michael De Luca  
  Claire Rudnick Polstein  
  Ezra Swerdlow  
Buchvorlage:  Larry Beinhart  
Kamera:  Robert Richardson  
Schnitt:  Stu Linder  
Musik:  Mark Knopfler  
  Willie Nelson  
Produktionsdesign:  Wynn Thomas  
  Mark Worthington  
Kostüme:  Rita Ryack  
Ton:  Steve Cantamessa  

Mr. President in Sex-Nöten

Wenn sich der US-Präsident einen Fehltritt erlaubt, ist das ganze Volk empört und gegen ihn aufgebracht.

Großansicht Dustin Hoffman und Robert De Niro inszenierten in "Wag The Dog" ein Ablenkungsmanöver (Foto: Concorde)

Dustin Hoffman und Robert De Niro inszenierten in "Wag The Dog" ein Ablenkungsmanöver (Foto: Concorde)

Sowas kann man jedoch geschickt mit einer gut inszenierten Medienkampagne verhindern. Wie genau das geht, zeigten Robert De Niro und Dustin Hoffman am 9. Januar 1998 in "Wag The Dog", einer schlauen Medien-Satire von Barry Levinson, die ihrer Zeit voraus war. Darin ging es nämlich um einen Sex-Skandal des amerikanischen Staatsoberhauptes, der durch einen erfundenen Krieg unter den Tisch gekehrt werden sollte.

Tatsächlich befand sich Ex-Präsident Bill Clinton kurz darauf in einer ähnlichen Situation: Durch Bombenangriffe im Irak wollte er offensichtlich von seiner Affäre mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky ablenken - was ihm jedoch nur bedingt gelang.

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