Originaltitel: Les herbes folles
Frankreich/Italien 2009
Sabine Azéma
André Dussollier
Anne Consigny
Regie: Alain Resnais
Verleih: Schwarz-Weiss (Filmagentinnen)
Doch während Georges seine sexuelle Anziehungskraft nur austesten will, glaubt Marguerite in jeder seiner Gesten, in jedem Wort bedeutungsschwangere Liebeserklärungen zu sehen. Das kann nicht gutgehen.

Altmeister Alain Resnais beweist in dieser unterhaltenden Lektion über Liebe, Freiheit und Fantasie erneut Esprit, jugendliche Kraft und Eleganz.
Er kann's auch mit fast 90 Jahren nicht lassen: Alain Resnais schafft es immer noch, mit seinen hintergründigen Geschichten und großartigen Bildern zu verführen, egal, ob das Leben nun ein "Roman" oder ein "Chanson" ist, die "Herzen" sich mal wieder nicht finden. "Vorsicht Sehnsucht" warnt schon im Titel, vor zuviel emotionalen Erwartungen der Protagonisten, die sich mal wieder auf das dünne Eis der Gefühle begeben und einbrechen (können).
Marguerite ist in den besten Jahren, kann sich damit aber nicht abfinden, macht auf kindlich. Der Raub ihrer Handtasche bringt eine "Affäre" ins Rollen, die eigentlich keine ist. Hätte George, der Finder mit den leicht grauen Schläfen, gewusst, was auf ihn zukommt, hätte er sicherlich nicht die ausgeleerte Tasche aufgehoben und die Dame kontaktiert. Aus Telefongesprächen werden Treffen, falsche Hoffnungen, vergebliche Sehnsucht. Der Rentner lebt mit Partnerin in der Pariser Banlieue und will nur seine sexuelle Anziehungskraft austesten. Die Zahnärztin und Hobbyfliegerin sieht jedoch in jeder Geste, jedem Wort bedeutungsschwangere Liebeserklärungen. Das kann nicht gut gehen.
Nach Christian Gaillys Roman "L 'incident" webt Resnais ein Netz aus Wünschen und Fantasien, in dem die Wirklichkeit nur am Rande existiert, die Figuren manchmal wie in einem Comic reagieren. Bei der Besetzung setzt Resnais auf seine bewährten Schauspieler wie Sabine Azéma, die hier allerdings mit infantilem Geplapper nerven muss, und André Dussollier, wie immer routiniert und mit doppelbödig-rauem Charme. Die Stimme des Erzählers lässt vieles ahnen, auch den Tod. Wie aus den absurden Flirtinitiativen und irrationalen Handlungen Zorn und Verletzung erwachsen, das zeichnet das romantische Drama in magischen nächtlichen Bildern von Eric Gautier und in einer gelungenen Verknüpfung von Charme, Ironie und Melancholie und verbeugt sich dabei vor dem Medium Film und seinen Kinoformen. Die eng an die Vorlage angelehnten Dialoge strotzen vor unterschwelligen Andeutungen, es macht Spaß in den filigranen Wortspielen auf unterschiedlichen Ebenen die wahren Bedeutungen und Zeichen zu lesen. mk.
| Darsteller: | Sabine Azéma | als Marguerite Muir | |
|---|---|---|---|
| André Dussollier | als Georges Palet | ||
| Anne Consigny | als Suzanne | ||
| Emmanuelle Devos | als Josepha | ||
| Mathieu Amalric | als Bernard de Bordeaux | ||
| Sandrine Bonnaire | als Lucien d'Orange | ||
| Edouard Baer | als Erzähler | ||
| Annie Cordy | als Nachbarin | ||
| Sara Forestier | als Elodie | ||
| Nicolas Duvauchelle | als Jean-Mi | ||
| Vladimir Consigny | als Marcelin Palet | ||
| Dominique Rozan | als Sikorsky | ||
| Jean-Noël Brouté | als Mickey | ||
| Roger-Pierre | als Marcel Schwer | ||
| Patrick Mimoun | als Jean-Baptiste Larmeur | ||
| Candice Charles | als Elodie Larmeur | ||
| Regie: | Alain Resnais | ||
| Drehbuch: | Alain Resnais | ||
| Laurent Herbiet | |||
| Produzent: | Jean-Louis Livi | ||
| Koproduzent: | Valerio De Paolis | ||
| Ausf. Produzent: | Julie Salvador | ||
| Buchvorlage: | Christian Gailly | ||
| Kamera: | Eric Gautier | ||
| Schnitt: | Hervé de Luze | ||
| Musik: | Mark Snow | ||
| Produktionsdesign: | Jacques Saulnier | ||
| Kostüme: | Jackie Budin | ||
Die Spekulationen haben sich bestätigt. Das Line-up für das 62. Festival de Cannes liest sich wie ein Klassentreffen der Cannes-Lieblinge. Einen deutschen Regisseur sucht man zwar vergeblich, dafür ist "Das weiße Band" vom Österreicher Michael Haneke dabei. Und um die französischen Titel wurde bis zur letzten Minute noch heftig gerungen.
Unter den für den Wettbewerb ausgewählten Filmemachern haben neun in der Vergangenheit bereits wichtige Preise in Cannes gewonnen. 15 haben wenigstens einmal am Wettbewerb teilgenommen; ein weiterer war wenigstens schon einmal bei einem A-Festival im Wettbewerb vertreten. Es ist kein Regiedebütant im Wettbewerb zu finden.
Und auch einen deutschen Regisseur sucht man in diesem Jahr vergeblich, obwohl zu einem früheren Zeitpunkt einmal Fatih Akin ins Spiel gebracht worden war - doch sein neuestes Werk "Soul Kitchen" ist offenbar nicht rechtzeitig fertig geworden. Dafür ist "Das weiße Band" vom Österreicher Michael Haneke mit von der Partie.
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Um die französischen Titel soll bis zur letzten Minute noch heftig gerungen worden sein, wie man hört. Mit vier Filmen ist das Gastgeberland erneut stark im Wettbewerb vertreten. So wurde Alain Resnais mit "Les herbes folles" eingeladen. Jacques Audiard reist mit "Un prophète" an. Gaspar Noé kehrt mit "Enter the Void" an die Croisette zurück und Xavier Giannoli zeigt "À l'origine" mit Gérard Depardieu. Abschlussfilm (außer Konkurrenz) ist Jan Kounens "Coco Chanel & Igor Stravinsky".
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