
Die Szene gehört zu jedem Krimi: Polizisten informieren die Eltern oder Ehepartner über den Tod eines Angehörigen. Die Verwandten sind entsprechend entsetzt, aber damit haben sie ihre Schuldigkeit in der Regel getan. Was der Verlust für ihr weiteres Leben bedeutet, spielt für den Krimi keine Rolle mehr; und genau hier setzt die Geschichte dieses SWR-"Debüt im Dritten" von Lisa-Marie Dickreiter (Buch) und Winfried Oelsner (Regie an).
Hauptfigur ist eine Mutter, deren 16jährige Tochter Sarah zwölf Monate zuvor ermordet worden ist, eine sinnlose, brutale Tat, unter der Anne immer noch leidet, als sei sie erst gestern geschehen. Für Andrea Sawatzki bietet die Rolle alles, wovon man als Schauspielerin nur träumen kann: Als trauernde Mutter darf sie von Trauer über Wut bis hin zur Verzweiflung das ganze emotionale Spektrum durchleben und bleibt dabei doch stets glaubwürdig und überzeugend. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht ihres Sohnes Simon (Adrian Topol), dem die kleine Schwester stets vorgezogen wurde. Der Film beginnt mit einer Rückblende, als der junge Simon seine kleine Schwester in einen Bus setzt, um sie ein für alle mal loszuwerden.
Im Zentrum aber steht die lautstarke Untröstlichkeit der lebensmüden Mutter, die Dickreiter und Oelsner sehr detailliert und nachvollziehbar gestalten. Immer wieder riecht sie zum Beispiel an der getragenen Wäsche ihrer Tochter, bis sie eines Tages verzweifelt feststellen muss, dass ihr Mann (Thorsten Merten) die Kleidungsstücke - angeblich aus Versehen - gewaschen hat. Mit den treffenden Worten "Für immer nie mehr" beschreibt Anne die Gründe für ihre grenzenlose Trauer, die Andrea Sawatzki mit einer fast mädchenhaften Verletzlichkeit spielt. Als Anne die letzten Stunden vor der Ermordung rekonstruiert, findet sie raus, dass Elena (Paula Kahlenberg), Sarahs beste Freundin, deren Tod indirekt verschuldet hat; und ausgerechnet in Elena hat sich Simon gerade verliebt. Der wiederum ist mit seinen gerade mal zwanzig Jahren naturgemäß überfordert damit, seine Mutter ins Leben zurückzuholen. Sein Vater hat sich innerlich längst aus der Familie verabschiedet und ein Verhältnis mit einer anderen.
Da darstellerische Leistungen immer auch eine Menge über die Qualität der Regie aussagen, dürfte Martin Oelsner über beachtliches Talent verfügen. Bei seinem eigentlichen Debüt "Tsunami" (Pro Sieben) musste er noch in erster Linie Elemente bändigen. tpg.
| Darsteller: | Andrea Sawatzki | als Anne | |
|---|---|---|---|
| Adrian Topol | als Simon | ||
| Thorsten Merten | als Jo | ||
| Paula Kalenberg | als Elena | ||
| Gitta Schweighöfer | |||
| Mirco Kreibich | |||
| Susanne-Marie Wrage | |||
| Regie: | Winfried Oelsner | ||
| Drehbuch: | Lisa-Marie Dickreiter | ||
| Produzent: | Hans-Hinrich Koch | ||
| Kamera: | Felix Cramer | ||
| Schnitt: | Vessela Martschewski | ||
| Musik: | Stefan Schulzki | ||
| Produktionsdesign: | Jost Schrader | ||
| Kostüme: | Charlotte Graf | ||
| Ton: | Michael Diehl | ||
| Casting: | Wiltrud Goericke | ||
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