Originaltitel: Volver
Spanien 2006
Penélope Cruz
Carmen Maura
Lola Dueñas
Regie: Pedro Almodóvar
Verleih: Tobis
Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs: Als er noch betrunken vor dem Fernseher saß, war ihr Gatte Raimunda (Penélope Cruz) schon lästig genug. Seit er aber von der Tochter gerechter-, aber illegalerweise erschlagen mausetot im Keller liegt, ist guter Rat wirklich teuer. Für letzteren ist schließlich neben der Dorfprostituierten auch die liebe Großmutter (Carmen Maura) zuständig. Die allerdings sollte eigentlich auch schon tot sein.
Fantastische Elemente mischen sich mit sozialkritischen, Tragik mit Komik, Surrealismus trifft mediterrane Landbühne in einer sonnendurchfluteten, lebenslustigen Ensemble-Moritat von Frauenversteher und Meisterregisseur Pedro Almodovar.
In Pedro Almodóvars Geniestreich versprühen drei Generationen von hinreißenden Frauen grenzenlose Lebenskraft - auch der sehr lebendige Geist der verstorbenen Mutter ...
Keiner kann die Frauen besser feiern und in Szene setzen. Diesmal treibt es Spaniens Wunderregisseur Pedro Almodóvar besonders bunt: Da kann es schon mal passieren, dass eine Frau wie die willensstarke Raimunda den von der pubertierenden Tochter versehentlich erstochenen Gatten erst einmal in der Kühltruhe des Restaurants entsorgt, während vorne im Gastraum die Gläser klingen.
Damit nicht genug stirbt die Tante, verhält sich Schwesterherz Sole in ihrem schwarz betriebenen Frisiersalon seltsam und Tote scheinen wieder aufzuerstehen, jedenfalls taucht der Geist der Mutter putzmunter aus Fleisch und Blut im Kofferraum auf. Zu allem Übel muss noch nächtens die männliche Leiche irgendwo entsorgt werden. Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs!
Volver heißt zurückkehren, für Almodóvar heißt das auch die Rückkehr zur dramatischen Komödie, in die Stadt seiner Geburt und zur Zusammenarbeit mit Carmen Maura, die urkomisch die Mutter einer umwerfend schönen Penélope Cruz spielt.
Da musste es in Cannes für das gesamte weibliche Ensemble einfach die "Goldene Palme" geben.
| Darsteller: | Penélope Cruz | als Raimunda | |
|---|---|---|---|
| Carmen Maura | als Irène | ||
| Lola Dueñas | als Sole | ||
| Blanca Portillo | als Agustina | ||
| Yohana Cobo | als Paula | ||
| Chus Lampreave | als Tante Paula | ||
| Leonardo Rivera | als Auxiliar | ||
| Antonio de la Torre | als Paco | ||
| Yolanda Ramos | als Moderatorin | ||
| Regie: | Pedro Almodóvar | ||
| Drehbuch: | Pedro Almodóvar | ||
| Produzent: | Esther Garcia | ||
| Ausf. Produzent: | Agustin Almodóvar | ||
| Kamera: | José Luis Alcaine | ||
| Schnitt: | José Salcedo | ||
| Musik: | Alberto Iglesias | ||
| Produktionsdesign: | Salvador Parra | ||
| Kostüme: | Bina Daigeler | ||
| Ton: | Miguel Rejas | ||
| Casting: | Luis San Narciso | ||
25 Jahre ist es her, dass mit Wim Wenders' "Paris, Texas" zuletzt ein deutscher Film in Cannes mit der begehrten Goldenen Palme prämiert wurde.
Strahlten um die Wette: Sieger-Regisseur Michael Haneke und sein Hauptdarsteller Ulrich Tukur (Foto: Kurt Krieger)
Gestern gab es an der Croisette endlich wieder strahlende deutschsprachige Sieger. Die Goldene Palme ging an "Das weiße Band", ein Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, produziert in Deutschland mit einer deutschen Schauspieler-Riege, angeführt von Ulrich Tukur, Josef Bierbichler und Burghart Klaußner. Ein formal strenges Werk in starken Schwarz-Weiß-Bildern, das von mysteriösen Vorkommnissen in einem norddeutschen Dorf am Vorabend des Ersten Weltkriegs erzählt, in dem die Autorität und Strenge der dörflichen Autoritäten schleichend die Gesellschaft vergiftet. Eine Parabel auf die Mechanismen von Faschismus und Terrorismus.
Mit Christoph Waltz gab es einen weiteren glücklichen deutschsprachigen Gewinner: Der österreichische Schauspieler, der bislang vornehmlich in Fernsehrollen glänzte, wurde für seinen Part in "Inglourious Basterds" als bester Darsteller prämiert. Zurecht, verkörpert er doch meisterhaft einen ebenso charmanten wie bedrohlichen SS-Offizier in Quentin Tarantinos neuestem Film. Er ist der Gegenspieler der "Basterds", einem Trupp jüdischer US-Soldaten, die während des zweiten Weltkriegs Jagd auf Nazis machen, im Film angeführt von Brad Pitt.
Willkommen in Hollywood: Für Christoph Waltz bedeutet die Darsteller-Palme den Beginn einer neuen Karriere-Phase (Foto: Kurt Krieger)
Am Ende besiegt das Kino selbst das Dritte Reich in diesem wunderbaren Filmmärchen, das Tarantino mit gewohnt witzigen Dialogen, einem ausgefeilten Soundtrack und jeder Menge Reminiszenzen an die Filmgeschichte angereichert hat. Neben Waltz haben in diesem in Berlin-Babelsberg gedrehten Film noch jede Menge anderer deutscher Schauspieler ihren großen Auftritt, von Til Schweiger über Diane Kruger bis Daniel Brühl.
Viele Filme des diesjährigen Cannes-Wettbewerbs strotzten nur so vor Gewalt. Der große Skandalfilm war "Der Anti-Christ" des dänischen Regisseurs Lars von Trier, in dem sich ein Paar nach dem Tod seines Kindes in einer abgeschiedenen Waldhütte gegenseitig malträtiert - Genitalverstümmelungen inklusive. Schauspielerin und Sängerin Charlotte Gainsbourg brachte dieser Rolle eine Palme ein.
Als sie ihre Wiese hinter dem Haus in Augenschein nahmenm, ahnten sie nicht, dass es das größte Konzert aller Zeiten werden würde: "Taking Woodstock" (Foto: Tobis)
Blutig waren auch Park Chan-wooks Vampirfilm "Thirst" und "Kinatay" vom Philippino Brillante Mendoza, der über weite Strecken beschreibt, wie eine Prostituierte vergewaltigt, ermordet und zerteilt wird - die Jury hielt dies dennoch für preiswürdig. Auch der Kritikerliebling "Un prophète" aus Frankreich (Großer Preis der Jury) sparte nicht mit Gewalt. Doch in der Geschichte über einen jungen Kleinkriminellen, der sich im Knast zum Gangsterboss hocharbeitet, steht sie zumindest im Dienst der Geschichte.
Ohne Gewalt, aber mit viel lakonischem Humor kommt dagegen "Looking for Eric" von Ken Loach aus. Ein kleiner Postangestellter bekommt darin Lebenstipps von ManU-Fußballstar Eric Cantona. Ang Lee zeichnet mit "Taking Woodstock" ein warmherziges Porträt der Hippie-Ära mit viel Liebe zum Detail, während Pedro Almodóvar sein Liebesdrama "Zerrissene Umarmungen", das leider nicht so so gelungen ist wie sein Vorgänger "Volver", ganz auf seine Diva Penélope Cruz angelegt hat. Das Weltkino hat eben auch 2009 viele Gesichter.
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