Die "Millennium"-Trilogie geht in die letzte Runde: Nerven aufreibender, actionreicher Thriller und atmosphärisch stimmiger Politkrimi in bester skandinavischer Tradition. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto22/10220579/b150x150.jpg Vergebung

Filmdetails

Vergebung

Die "Millennium"-Trilogie geht in die letzte Runde: Nerven aufreibender, actionreicher Thriller und atmosphärisch stimmiger Politkrimi in bester skandinavischer Tradition.


Vergebung
Start: 03.06.2010

Originaltitel: Luftslottet som sprängdes

Thriller

Schweden 2009
Laufzeit: 146 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Noomi Rapace
Michael Nyqvist
Peter Andersson

Regie: Daniel Alfredson
Verleih: NFP (Warner)

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Inhalt

Lisbet Salander wird beim Kampf mit ihrem Widersacher Zala schwer verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Sie schwebt weiterhin in höchster Lebensgefahr, will doch nun der Geheimdienst sie mundtot machen, damit die Verbindung zwischen Zala und höchsten Regierungskreisen nicht publik wird. Derweilen setzt der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist alles daran, Lisbeths Unschuld an den Morden an ihrem sadistischen Vormund sowie zwei Journalisten zu beweisen.


Kritik

Vergebung

In bewährter skandinavischer Krimimanier beschließt das Trio Noomi Rapace, Michael Nyqvist und Daniel Alfredson Stieg Larssons dreiteilige Bestseller-Adaption.

"Verblendung", "Verdammnis", "Vergebung"... Stieg Larssons fulminante "Millennium-Trilogie" geht in die letzte Runde. Regie führte wie bei Teil zwei, erneut nach Jonas Frykbergs Drehbuch, Daniel Alfredson, was insofern Sinn macht, weil die Story - nach finalem Cliffhanger - direkt dort anknüpft, wo "Verdammnis" aufhörte und beide "Folgen" im Prinzip als ein langer Film gesehen werden können. Entsprechend gleichen sich auch Machart und Aufbau, entsprechend werden hier nach dem etwas ruhigeren "Zwischenspiel" eher die Spannungselemente, weniger die psychologischen Momente herausgearbeitet.

Die Punk-Ermittlerin Lisbeth Salander, wieder überzeugend zum Leben erweckt von Noomi Rapace, wird nach einem Kampf mit ihrem Widersacher Zala mit einer Schussverletzung ins Krankenhaus eingeliefert. Doch in Sicherheit ist sie deswegen nicht, trachtet ihr doch nun der Geheimdienst nach dem Leben, der auf keinen Fall will, dass die Verbindung zwischen Zala und höchsten Regierungskreisen bekannt wird. Derweilen arbeitet der Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist (gleichbleibend gut: Michael Nyqvist) fieberhaft daran, Lisbeths Unschuld an den Morden an ihrem sadistischen Vormund und zwei Journalisten zu beweisen.

Mit Hilfe einer langen, verschachtelten Parallelhandlung erzählt Alfredson seinen Nerven aufreibenden Thriller. Zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt der Film, der sich abwechselnd auf seine beiden Protagonisten konzentriert und die Geschichte jeweils aus deren Blickwinkel schildert. Wieder geht es um Perversion und Scheinmoral, um Hass und Verlogenheit, um Gewalt und Familiengeheimnisse - (mögliche) staatserschütternde Konsequenzen inklusive. Die bekannten Zutaten skandinavischer Krimiqualitätsware sind vorhanden, für Hitchcockschen Suspense ist reichlich gesorgt, dafür fehlt weitgehend der feministische Blickwinkel, der viel zur Qualität von "Verblendung" beitrug.

Atmosphärisch überzeugt "Vergebung" wie schon seine Vorläufer, dunkel und düster, blau-schwarz hält "Mankell"-Kameramann Peter Mokrosinski seine Bilder, ob Hospital, Gefängnis oder auch freie Natur, bedrohlich legt Jacob Groth seinen Soundtrack an. (Fast) zu viel Wert wird auf beinharte Action gelegt, der Nebenplot um eine Rockerbande wirkt etwas aufgesetzt - wie auch die Irokesenfrisur mit der Salander erhobenen Hauptes zur Gerichtsverhandlung schreitet. Insgesamt geradliniger fällt diese Larsson-Adaption aus, Politmachenschaften drängen persönliche Dramen in den Hintergrund. Eine Entscheidung, die wohl der berechtigten Hoffnung nach (noch) breiterem Publikumszuspruch geschuldet ist. geh.

Vergebung

Darsteller:  Noomi Rapace   als Lisbeth Salander
  Michael Nyqvist   als Mikael Blomkvist
  Peter Andersson   als Nils Bjurman
  Jacob Ericksson   als Christer Malm
  Sofia Ledarp   als Malin Erikson
  Mikael Spreitz   als Ronald Niedermann
  Niklas Hjulström   als Richard Ekström
  Lennart Hjulström   als Fredrik Clinton
  Georgi Staykov   als Alexander Zalachenko
  Lena Endre   als Erika Berger
  Annika Hallin   als Annika Giannini
  Michalis Koutsogiannakis   als Dragan Armanskij
  Yasmine Garbi   als Miriam Wu
  Per Oscarsson   als Holger Palmgren
  Anders Ahlbom Rosendahl   als Peter Teleborian
  Johan Kylén   als Jan Bublanski
  Tanja Lorentzon   als Sonja Modig
  Paolo Roberto   als Paolo Roberto
  Pelle Bolander   als Sonny Nieminen
  Thomas Lindblad   als Magge Lundin
  Mirja Turestedt   als Monica Figuerola
  Magnus Krepper   als Hans Faste
  Hans Alfredson   als Evert Gullberg
  Tomas Köhler   als Plague
 
Regie:  Daniel Alfredson  
Drehbuch:  Ulf Rydberg  
Produzent:  Søren Stærmose  
Koproduzent:  Jenny Gilbertsson  
Ausf. Produzent:  Lone Korslund  
  Prof. Dr. Peter Nadermann  
  Mikael Wallén  
  Ole Søndberg  
  Anni Faurbye Fernandez  
  Klaus Bassiner  
  Wolfgang Feindt  
  Gunnar Carlsson  
Buchvorlage:  Stieg Larsson  
Kamera:  Peter Mokrosinski  
Schnitt:  Mattias Morheden  
Musik:  Jacob Groth  
Produktionsdesign:  Maria Haard  
  Jan Olof Agren  
Kostüme:  Cilla Rörby  
Maske:  Jenny Fred  
Casting:  Tusse Lande  

Millennium-Trilogie: Früher Vogel

Der schwedische Autor Stieg Larsson lieferte mit seinen
Krimis die Basis: Die Verfilmung der "Millennium-Trilogie" ist eine aufregende
Geschichte über Risikobereitschaft und das Gespür für gute Geschichten
- beides fehlte einer deutschen Firma, die den Stoff ablehnte.

Großansicht Kult: Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist in "Millennium" (Foto: ZDF)

Kult: Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist in "Millennium" (Foto: ZDF)

"Ein solcher Erfolg lässt sich nicht wiederholen." Ole Søndberg, in Dänemark geboren, spricht viel und schnell, sein Englisch klingt abgehackt, wie oft bei Skandinaviern. Doch dann wird er nachdenklich, fast sentimental; es geht um seinen größten Glücksgriff: die "Millennium-Trilogie", die er produzierte.

Die Entstehungsgeschichte von "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" ist längst zum Mythos geworden. Stieg Larsson, der Gutmensch, der gegen die Neonazis in Schweden anschreibt, verfasst die Romanvorlage; sein Werk bleibt unvollendet, drei fertige Manuskripte werden nach seinem plötzlichen Tod im Jahr 2004 posthum veröffentlicht. 15 Mio. verkaufte Buchexemplare, über 210 Mio. Dollar weltweites Boxoffice der drei Spielfilmadaptionen, eine sechsteilige Fernsehfassung, die Millionen Fernsehzuschauer in ihren Bann zieht. Das ZDF strahlte die TV-Miniserie sonntags um 22.15 Uhr aus: sechs Episoden in sechs Wochen - eine ambitionierte Programmierung, gelten doch heute schon Zweiteiler als Risiko für die Programmplanung. Die Mainzer sind mit dem Ergebnis hochzufrieden.

Doch wie kommt ein kleines schwedisches Produktionsunternehmen an die Filmrechte eines Bestsellers? Es ist das Jahr 2002, Sondberg produziert und finanziert bereits seit 20 Jahren Fernsehfilme und Spielfilme, da lernt er den schwedischen Krimiautor Henning Mankell kennen. Sondberg ist zu der Zeit auf der Suche nach einem Partner für sein Konzept. Der Produzent ist es überdrüssig, nach jedem Projekt wieder bei null anfangen zu müssen, ihm schwebt ein TV-Franchise vor, basierend auf erfolgreichen Romanvorlagen, das sich international vermarkten lässt und so seiner Firma Early Bird zu mehr Kontinuität verhilft.

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Mankell gefällt die Idee. Der Bestsellerautor hält mit seiner eigenen Firma Yellow Horse schon länger Ausschau nach jemandem, dem er die Filmrechte an seinen berühmten Romanen anvertrauen kann. Seine große Angst ist, eine Verfilmung könnte Figuren wie Kommissar Kurt Wallander verhunzen und sein literarisches Werk beschädigen. Anders verhält es sich mit Sondberg. Die beiden kommen ins Geschäft. Bedingung: Mankell behält die Kontrolle über seine Bücher und Ideen. Das Produktionsunternehmen Yellow Bird wird als Joint Venture gegründet, Sondberg und Mankell sind jeweils hälftig an der Firma beteiligt.

Gleich beim ersten Projekt wird die Firmenphilosophie in die Realität umgesetzt. Basierend auf Mankells Romanvorlage "Vor dem Frost", entstehen in der Folgezeit insgesamt 13 "Wallander"-Krimis. Mankell schreibt teilweise an den Drehbüchern mit; in Skandinavien werden die Produktionen auch im Kino ausgewertet. Finanziert wird die Reihe von verschiedenen skandinavischen Sendern und der ARD Degeto mit dem Ziel, sie in möglichst vielen Ländern zu vertreiben.

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Und dann geschieht das, wovon wohl jeder Produzent träumt: Sondberg wird der Stoff eines völlig unbekannten Schriftstellers angeboten. Er erkennt das Potenzial der starken Geschichte, schlägt zu - und landet einen Volltreffer. Yellow Bird kauft 2004, vier Monate vor Stieg Larssons Tod, die Filmrechte an der "Millennium-Trilogie". Während Larsson noch an seinem Monumentalwerk arbeitet, das ursprünglich auf zehn Bücher angelegt war, versucht sein Verlag Norstedts bereits, die Filmrechte an den Mann zu bringen. Yellow Bird hatte sich damals schon mit den anspruchsvollen Mankell- Literaturverfilmungen einen Namen gemacht, war auf der Suche nach neuen vielversprechenden Autoren - und greift zu. "Eine reine Bauchentscheidung", beschreibt Sondberg die Situation von damals.

Übrigens wurde der Stoff seinerzeit auch einem großen deutschen Produktionsunternehmen angeboten. Dort fand die Geschichte des investigativen Journalisten Mikael Blomkvist und der Punkerin Lisbeth Salander auf Rachefeldzug wenig Anklang, man winkte dankend ab. Zunächst ging es Sondberg nicht besser. Schnell war klar, dass Larssons Vorlage in der Filmadaption eine große Herausforderung sein würde: Wenig eingängige Charaktere, unbekannter Autor, aufwendige Locations und Dreharbeiten - für ein solches Projekt steht kein Koproduktionspartner Schlange. "Oft habe ich bei den Fernsehsendern ein 'Nein' gehört, wenn ich ihnen 'Millennium' gepitcht habe", erzählt Sondberg.

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Ein tragischer Zufall sollte Yellow Bird zu Hilfe kommen. Völlig unerwartet stirbt Larsson am 9. November 2004 an einem Herzinfarkt, nachdem der Kettenraucher kurz vorher die Treppen zu den Redaktionsräumen des Magazins "Expo" hochgestiegen war, für das er arbeitete. Nach seinem Tod veröffentlich der Verlag Norstedts drei Romane aus Larssons Nachlass, für die sich zunächst außerhalb Schwedens niemand interessiert. Erst langsam steigen die Verkaufszahlen. Später werden "Verblendung", "Verdammnis" und "Vergebung" in vielen Ländern der Welt zu Bestsellern.

Damit ist der Grundstein gelegt für den Erfolg der "Millennium"- Trilogie, die Yellow Birds Meisterstück werden sollte. "Amphibisch" produziert als dreiteiliges Kinoprojekt und sechsteilige Fernsehfassung, stemmten Fernsehsender aus Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und Deutschland die Finanzierung. Die Rechnung geht auf, "Millennium" wird ein Riesenerfolg, Sony kauft die Rechte für eine US-Interpretation mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Der Film kommt noch dieses Jahr in die Kinos und ist "zu 90 Prozent anders als die skandinavische Fassung", verrät Sondberg.

Star

Noomi Rapace

Schwedische Schauspielerin. Mit ihrer genialen Interpretation der Computer-Hackerin, Punkerin, missbrauchten, zurückschlagenden, knallharten,...

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