George Clooney
Vera Farmiga
Anna Kendrick
Regie: Jason Reitman
Verleih: Paramount
Ryan Bingham ist immer unterwegs: Wenn er sein Leben nicht gerade in Flugzeugen, Leihautos oder Airport-Hotels verbringt, macht er für seine Firma die Drecksarbeit und feuert Mitarbeiter. Er steht kurz vor der Erfüllung seines großen Ziels, die Zehn-Mio.-Frequent-Flyer-Meilen-Hürde zu nehmen. Als eine neue Mitarbeiterin Ryans Chef eine Möglichkeit eröffnet, wie man künftig auch auf Ryan verzichten könnte, sieht sich Bingham mit einem Leben konfrontiert, in dem Begriffe wie Zuhause oder Liebe plötzlich eine Bedeutung bekommen.

Mit einem hervorragend aufgelegten George Clooney als Super-Frequent-Flyer ist Jason Reitman ein boshaft-bissiger Comedy-Überflieger gelungen.
Seine Figuren sind Kontrollfreaks, nicht im negativen Sinn, aber auf alle Fälle bleiben sie stets Herr der Lage. Siehe die schwangere "Juno", siehe die Vertreter der Waffen-, Alkohol- bzw. Zigarettenlobby in "Thank You for Smoking". Jason Reitman ist der Filmemacher der Stunde, beim TIFF 09 erst recht, wo er als (Co-)Produzent von "Jennifer's Body" bzw. Atom Egoyans "Chloe" und eben als Regisseur von "Up in the Air" vertreten ist. Der Titel ist hier Programm, denn Ryan Bingham - ein wunderbar entspannter und überaus charmanter George Clooney - verbringt mehr Zeit in der Luft als am Boden. Er ist ein Mann fürs Grobe, schreitet zur Tat, wenn Firmenchefs nicht den Mumm haben, ihre Angestellten selbst zu kündigen. Überaus freundlich übernimmt er das dann, nie ohne darauf hinzuweisen, dass so ein Rausschmiss einem doch immer auch neue Perspektiven eröffnet.
322 Tage, verkündet er stolz, hat er vergangenes Jahr im Hotel verbracht. Kein Wunder, dass sein eigenes Apartment in Omaha, Nebraska, aussieht wie ein Motelzimmer vielleicht nur dürftiger eingerichtet. Dafür versteht er sich unterwegs auf Luxus, Upgraden lautet sein Zauberwort, ob in Sachen Hotel, Mietauto oder Flugzeug. Eines Abends trifft er in einer Hotellobby eine Gleichgesinnte, Alex (Vera Farmiga), im Management tätig und auch mehr unterwegs als zu Hause. Launig beginnen sie ein Spiel mit ihren Mitgliedskarten, diskutieren darüber, ob Hertz Avis, Marriott Hilton oder Lufthansa American Airlines sticht. Überhaupt American Airlines: Da steht Ray knapp vor der 10-Millionen-Meilen-Schallmauer, als siebenter Mensch überhaupt. Das heißt, ein Flugzeug wird nach ihm benannt, Händeschütteln mit dem Chefpiloten der Airline ist garantiert. Kein Wunder, dass Alex verzückt in Binghams Arme sinkt.
Gemeinsam mit Sheldon Turner hat Reitman Walter Kirns gleichnamigen Roman adaptiert, dabei jedoch die Vorlage um zahlreiche Nebenstränge erweitert. So macht die Geschichte zwischen Ryan und Alex nur das Herz des Films aus, während für die (schwarze) Komödie die Paarung Ryan-Natalie zuständig ist. Natalie Keener - schmallippig-effizient und im dezenten Business-Zweiteiler gewandet, gespielt von Anna Kendrick ("New Moon - Biss zur Mittagsstunde") - wird nämlich von Ryans Chef Craig Gregory (Jason Bateman) als neuer Besen eingestellt, hat sie doch einen Weg gefunden, wie man Leute via Internet-Konferenzschaltung freistellen kann. Eine kostengünstige Alternative und Katastrophe für den passionierten Meilenjäger. Und so verliert Luftikus Ryan tatsächlich den Boden unter den Füßen, beginnt zu rudern, verliebt sich obendrein auch noch in Alex und bittet sie, ihn zur Hochzeit seiner kleinen Schwester ins nördliche Wisconsin zu begleiten, in ein Hotel, für das beide keine Kundenkarte haben.
Mit unglaublichem Tempo und einem hervorragenden Gespür fürs richtige Timing spult Reitman seine Story ab. In Blitzmontagen werden Leute gefeuert, via Luftaufnahmen und Inserts atemlose Ortswechsel vorgenommen, nur um dann wieder das Geschehen mit spritzigen Dialogduellen zu bremsen. Das sieht nach routinierter Kinotrickkiste aus und ist es auch, aber wenn der Regisseur dann Hochzeit feiert, mit der Kamera (Eric Steelberg) ins Geschehen eintaucht und ganz beiläufig Stimmung einfängt, denn erkennt man, dass Reitman bereits ein Großer im Filmbusiness ist. Sein Tod bei einem Flugzeugabsturz würde ihn sogleich in Hollywoods Olymp einziehen lassen und posthume Oscars garantieren. Das hat Reitman zumindest im Interview so formuliert. Wer will da widersprechen? geh.
| Darsteller: | George Clooney | als Ryan Bingham | |
|---|---|---|---|
| Vera Farmiga | als Alex Goran | ||
| Anna Kendrick | als Natalie Keener | ||
| Danny McBride | als Jim | ||
| Jason Bateman | als Craig Gregory | ||
| Melanie Lynskey | als Julie Bingham | ||
| Amy Morton | als Kara Bingham | ||
| Sam Elliott | als Maynard Finch | ||
| J.K. Simmons | als Bob | ||
| Zach Galifianakis | als Steve | ||
| Chris Lowell | als Kevin | ||
| Regie: | Jason Reitman | ||
| Drehbuch: | Sheldon Turner | ||
| Jason Reitman | |||
| Produzent: | Ivan Reitman | ||
| Daniel Dubiecki | |||
| Jeff Clifford | |||
| Ausf. Produzent: | Tom Pollock | ||
| Joe Medjuck | |||
| Ted Griffin | |||
| Michael Beugg | |||
| Buchvorlage: | Walter Kirn | ||
| Kamera: | Eric Steelberg | ||
| Schnitt: | Dana E. Glauberman | ||
| Musik: | Rolfe Kent | ||
| Produktionsdesign: | Steven Saklad | ||
| Kostüme: | Danny Glicker | ||
| Casting: | Mindy Marin | ||
"Männer und Frauen können nie Freunde sein. Der Sex kommt ihnen immer wieder dazwischen." Für George Clooney stimmt dieses "Harry & Sally"-Zitat nicht.
George Clooney glaubt an Freundschaften zwischen Männern und Frauen. (Foto: Kurt Krieger)
Frauenschwarm George Clooney hält zwar Beziehungen nicht besonders lange durch - dennoch spielen Frauen in seinem Leben eine entscheidende Rolle: als gute Freundinnen. "Ich hatte schon immer großartige Freunde unter beiden Geschlechtern", so der Star. Schließlich habe er auch sein ganzes Leben mit starken Frauen verbracht und sei mit ihnen aufgewachsen: "Meine Mutter ist sehr stark, meine Schwester und meine Tante Rosemary Clooney. Ich habe mich im Kreis von Frauen schon immer wohl gefühlt und pflege einige tolle Freundschaften, die keinesfalls romantischer Natur sind."
Ob in Freundschaften oder in der Liebe - auch George Clooney hat dabei seine Checkliste für Menschen, die er in sein Leben lässt: "Ich achte auf einen gewissen Humor und ein Interesse an anderen. Am wichtigsten aber ist mir Ehrlichkeit." Idealerweise bringen ihn seine Lieben dezent in die Realität zurück und vermeiden heuchlerisches Geschwätz: "Mit Leuten, die auf mein Geld aus sind oder immer alles gut finden, was ich sage, umgebe ich mich nicht."
Eine gewisse Bewunderung müssen Menschen, die George Clooney näher stehen, aber schon mitbringen - schließlich will der Star bei Laune gehalten werden: "Die meisten Leute erzählen viel flaches Zeug. Wer aber sagt: 'George, du warst in diesem oder jenen Film super', der ist mein Freund. Genauso wie meine Mutter, mein Vater oder meine Schwester, die mit den Augen rollen und mich mit 'George, du bist ein großes Genie' loben ... Das ist mir sehr wichtig", scherzt Clooney.
Der Star aus "Up in the Air" und "Ocean's Eleven" und hat vor einigen Wochen die Beziehung zu Elisabeta Canalis beendet. Eng befreundet ist er angeblich mit Julia Roberts, Brad Pitt und Angelina Jolie.
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