
Ganz egal, welchen Stein Eva Maria Prohacek im Zuge ihrer unermüdlichen Don-Quichotterie in bayerischen Amtsstuben auch umdreht: Darunter kommt irgendwie immer ihr jovialer Chef zum Vorschein, denn der ist offenbar in sämtliche nur erdenklichen Amigo-Affären verwickelt. "Der Mensch ist gut, die Leute sind schlecht": Karl Valentins unsterblicher Aphorismus, im jüngsten Beitrag zur vermutlich besten Krimireihe im deutschen Fernsehen Bindeglied zwischen Prolog und eigentlicher Handlung, ist wie auf Claus Reiter gemünzt. Diesmal aber geht es dem Karrieristen an den Kragen: Die Schlinge um seinen Hals zieht sich so eng zu wie noch nie. Prompt lässt sich Reiter krank schreiben, um der drohenden Beurlaubung zuvor zu kommen.
"Hase und Igel" heißt Ed Herzogs Film, dem das Bemühen anzusehen ist, es den großartigen Auftaktfilmen der Reihe von Friedemann Fromm gleichzutun. Das klappt nicht immer, weil Herzog einige Male übers Ziel hinausschießt; einige Dialoge (Buch: Wolfgang Stauch) klingen gewollt kryptisch. Dennoch gelingen Szenen von hoher Intensität, etwa ein Verhör, das wie eine Hommage an "Uhrwerk Orange" anmutet; ganz zu schweigen von der düsteren Bildgestaltung (Frank Sthamer) und einer ständig bedrohlich dräuenden Musik (Manu Kurz). Die Geschichte ist ohnehin reizvoll und rüttelt, wie stets, an den Grundfesten des Freistaats. War Reiter (Gerd Anthoff) in den diversen Seilschaften bislang meist bloß rückgratloser Mitläufer, so wird er diesmal zum Täter: Als vor Jahren ein Konkurrent um den Posten des Kommissariatsleiters unter Mordverdacht geriet, ließ Reiter entlastendes Material verschwinden. So stellt es zumindest der einstige Wirtschaftskriminalist Sell (Christoph Waltz), 13 Jahre später wieder auf freiem Fuß, heute dar. Er war damals drauf und dran, einen riesigen Schwarzarbeiterring auffliegen zu lassen, tappte aber in eine Falle. Prohacek (Senta Berger) und ihr Mitarbeiter Langer (Rudolf Krause) lassen sich gern überzeugen und finden nicht nur im Nu die unterschlagenen Informationen: Die Spur zu den Hintermännern, auch dies ein typisches Versatzstück der Reihe, führt in höchste Kreise.
Der große Reiz der Münchener Katz-und-Maus-Spiele liegt nach wie vor darin, dass sich Prohaceks mächtige Gegner stets für die Katze halten. Diesmal aber übertreibt es Autor Stauch etwas mit der Tierwelt: Der Drahtzieher ist ein Luchs, aus dem später ein Fuchs wird, sein Scherge heißt Fliege (auf tschechisch), und am Ende bringt die interne Ermittlerin auch noch Hase und Igel ins Spiel. Immerhin ist dieser Schluss, obgleich meilenweit vom versöhnlichen Happy End eines "Tatorts" entfernt, für die Verhältnisse von "Unter Verdacht" fast schon übermütig. tpg.
| Darsteller: | Senta Berger | als Dr. Eva-Maria Prohacek | |
|---|---|---|---|
| Rudolf Krause | als André Langner | ||
| Gerd Anthoff | als Dr. Claus Reiter | ||
| Christoph Waltz | als Thomas Sell | ||
| Jewgenij Sitochin | als Pavel Moucha | ||
| Janusz Cichocki | als Jan Lischka | ||
| Marion Mitterhammer | als Antonia | ||
| Jonathan Beck | als Sören | ||
| Dietmar Mues | als Cord Hansen | ||
| Silvia Seidel | als Steffi Moucha | ||
| Noah Bolten | als Felix Moucha | ||
| Joshua Bolten | als Moritz Moucha | ||
| Heinz-Josef Braun | als Bangert | ||
| Anna Clarin | als Sabine Pfeiffer | ||
| Regie: | Ed Herzog | ||
| Drehbuch: | Wolfgang Stauch | ||
| Produzent: | Mario Krebs | ||
| Kamera: | Frank Sthamer | ||
| Musik: | Manu Kurz | ||
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