Samar Qahtan
Yousif Al-Ani
Auwatif Al-Salman
Regie: Oday Rasheed
Verleih: X Verleih
Nach der Befreiung bzw. Besetzung Bagdads durch amerikanische Truppen beschließt der irakische Filmemacher Hassan (Samer Rahftan), das Leben in seiner Umgebung und die bevorstehenden Veränderungen mit der Kamera festzuhalten.
Bilder aus einem Land, das für viele nicht mehr zugänglich ist. Fiktionale und dokumentarische Elemente in flottem Wechsel, Eindrücke vom Versuch eines normalen Lebens im organisierten Irrsinn, dazu ein Rückblick, wie es früher einmal war, dank auf dem Schwarzmarkt erworbener 35-mm-Filme des ehemaligen Kultusministeriums. Tom Tykwer und Maria Köpf koproduzierten unterstützt vom Auswärtigen Amt ein Werk des irakischen Regisseurs Oday Rasheed.

Bagdad, das ist in den Nachrichten inzwischen Synonym für menschenverachtende Selbstmordattentäter unter Terrorchef Al-Sarkawi, der besonders gerne brutal vor laufender Kamera Geiseln enthauptet. Aber es gibt auch ein anderes Bagdad. Im ersten irakischen Spielfilm nach dem Krieg und der ersten irakisch-deutschen Koproduktion überhaupt erzählt Regisseur Oday Rasheed von der zerstörten Stadt und ihren Bewohnern, die dem alltäglichen Schrecken trotzen.
Häuserfassaden erzittern unter Explosionen, wenige Straßenzüge weiter sitzen Menschen in Cafés und lesen Zeitung. Keine Fata Morgana, sondern Wirklichkeit in Bagdad - Stadt des Terrors und der ständigen Angst, Stadt des Aufbaus und des Neuanfangs. Beunruhigende Bilder aus Absurdistan in (Bürger)Kriegszeiten. Oday Rasheed führt in einer Mischung aus Fiktion und Doku mehrere Geschichten zusammen, so die eines Musiker, der gegen den Krebs kämpft und die eines jungen Filmemachers, sein Alter Ego. Der Film beginnt mit der Invasion der Amerikaner und endet im April 2004 im beginnenden Chaos der Suicidebombers. Die sukzessive Verwüstung der Stadt geht mit der Verwüstung der Seele einher. Manchmal glaubt man sich in zwei total verschiedenen Welten, wie sie gegensätzlicher nicht sein können. Während Teile Bagdads zu Schlachtfeldern zerfallen, versuchen die Bewohner mit dem Mut der Verzweiflung inmitten von Tod und Verderben ein Stück Normalität aufrechtzuerhalten, ohne dass sie den Glauben ans Überleben ganz verlieren würden. Und wie in jeder Großstadt gerät ein Paar in die Beziehungskrise, streitet und versöhnt sich.
Die Hauptfigur berichtet gar von einem Zeitungsjungen, der vor und nach dem Krieg den gleichen Weg nimmt, unbeirrbar. Die Figuren kreisen um sich selbst, vor allem Hassan, der Filmemacher und ganz klar Rasheeds Alter Ego geht dabei an die Grenze des Erträglichen bei dieser inneren Emigration. "Underexposure" ist ein philosophisches Konglomerat, das in seiner Abstraktion den Zugang zu den Protagonisten nicht gerade erleichtert. Ihre tiefe Verwundbarkeit kann man nur ahnen. Interessant die Entstehungsgeschichte des Films. Das abgelaufene Ausgangs-Filmmaterial stammt aus alten Beständen des ehemaligen Kulturministeriums, erworben auf dem Schwarzmarkt. Der Crew mit 35mm-Equipment, einer alten Arri-Kamera, Kran, Licht und Dolly flogen mehr als einmal Kugeln um die Ohren. Die Angst, dass aufgrund des Alters die Aufnahmen "underexposed", unterbelichtet sein könnten, erwies sich als unbegründet. Das unter Lebensgefahr gedrehte experimentelle Porträt einer Stadt im Ausnahmezustand sollte bei einem politisch bewegten und neugierigem Großstadtpublikum Anklang finden. mk.
| Darsteller: | Samar Qahtan | als Hassan | |
|---|---|---|---|
| Yousif Al-Ani | als Abu Shaker | ||
| Auwatif Al-Salman | als Futha | ||
| Hayder Helo | als Nasser | ||
| Majed Rasheed | als Ziyad | ||
| Meriam Abbas | als Maysoon | ||
| Khalid Al-Samarai | als Singer | ||
| Basim Hamed | als Soldat | ||
| Basim Al-Tayib | als Khalid | ||
| Adil Khalid | als Mann | ||
| Muhanad Rasheed | als Doku-Teammitglied | ||
| Hayder Jokan | als Soldat | ||
| Basim Al-Hajar | als Ma'taz | ||
| Abu Suhad | als Erster Zeuge | ||
| Abu Wisam | als Zweiter Zeuge | ||
| Samer Qahtan | |||
| Regie: | Oday Rasheed | ||
| Drehbuch: | Oday Rasheed | ||
| Hayder Helo | |||
| Produzent: | Majed Rasheed | ||
| Koproduzent: | Tom Tykwer | ||
| Maria Köpf | |||
| Ausf. Produzent: | Furat al Jamil | ||
| Kamera: | Ziyad Turkey | ||
| Schnitt: | Antje Zynga | ||
| Musik: | Gabriel Yared | ||
| Produktionsdesign: | Dharam Abdul Wahad | ||
| Hussein Kamel | |||
| Kostüme: | Mina Plenker | ||
| Ton: | Iman Qasim | ||
| Dirk Jacob | |||
| Matthias Lempert | |||
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