Sehr persönlicher Blick auf den Nachkriegs-Irak, der Dokumentar- und Spielfilmelemente mischt. http://images.kino.de/flbilder/max05/mbiz05/mbiz30/z0530500/b150x150.jpg Underexposure

Filmdetails

Underexposure

Sehr persönlicher Blick auf den Nachkriegs-Irak, der Dokumentar- und Spielfilmelemente mischt.


Underexposure
Start: 04.08.2005

Drama

Irak/Deutschland 2005
Laufzeit: 74 Min.
FSK: Ungeprüft

Samar Qahtan
Yousif Al-Ani
Auwatif Al-Salman

Regie: Oday Rasheed
Verleih: X Verleih

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Inhalt

Nach der Befreiung bzw. Besetzung Bagdads durch amerikanische Truppen beschließt der irakische Filmemacher Hassan (Samer Rahftan), das Leben in seiner Umgebung und die bevorstehenden Veränderungen mit der Kamera festzuhalten.

Bilder aus einem Land, das für viele nicht mehr zugänglich ist. Fiktionale und dokumentarische Elemente in flottem Wechsel, Eindrücke vom Versuch eines normalen Lebens im organisierten Irrsinn, dazu ein Rückblick, wie es früher einmal war, dank auf dem Schwarzmarkt erworbener 35-mm-Filme des ehemaligen Kultusministeriums. Tom Tykwer und Maria Köpf koproduzierten unterstützt vom Auswärtigen Amt ein Werk des irakischen Regisseurs Oday Rasheed.


Kritik

Underexposure

Bagdad, das ist in den Nachrichten inzwischen Synonym für menschenverachtende Selbstmordattentäter unter Terrorchef Al-Sarkawi, der besonders gerne brutal vor laufender Kamera Geiseln enthauptet. Aber es gibt auch ein anderes Bagdad. Im ersten irakischen Spielfilm nach dem Krieg und der ersten irakisch-deutschen Koproduktion überhaupt erzählt Regisseur Oday Rasheed von der zerstörten Stadt und ihren Bewohnern, die dem alltäglichen Schrecken trotzen.

Häuserfassaden erzittern unter Explosionen, wenige Straßenzüge weiter sitzen Menschen in Cafés und lesen Zeitung. Keine Fata Morgana, sondern Wirklichkeit in Bagdad - Stadt des Terrors und der ständigen Angst, Stadt des Aufbaus und des Neuanfangs. Beunruhigende Bilder aus Absurdistan in (Bürger)Kriegszeiten. Oday Rasheed führt in einer Mischung aus Fiktion und Doku mehrere Geschichten zusammen, so die eines Musiker, der gegen den Krebs kämpft und die eines jungen Filmemachers, sein Alter Ego. Der Film beginnt mit der Invasion der Amerikaner und endet im April 2004 im beginnenden Chaos der Suicidebombers. Die sukzessive Verwüstung der Stadt geht mit der Verwüstung der Seele einher. Manchmal glaubt man sich in zwei total verschiedenen Welten, wie sie gegensätzlicher nicht sein können. Während Teile Bagdads zu Schlachtfeldern zerfallen, versuchen die Bewohner mit dem Mut der Verzweiflung inmitten von Tod und Verderben ein Stück Normalität aufrechtzuerhalten, ohne dass sie den Glauben ans Überleben ganz verlieren würden. Und wie in jeder Großstadt gerät ein Paar in die Beziehungskrise, streitet und versöhnt sich.

Die Hauptfigur berichtet gar von einem Zeitungsjungen, der vor und nach dem Krieg den gleichen Weg nimmt, unbeirrbar. Die Figuren kreisen um sich selbst, vor allem Hassan, der Filmemacher und ganz klar Rasheeds Alter Ego geht dabei an die Grenze des Erträglichen bei dieser inneren Emigration. "Underexposure" ist ein philosophisches Konglomerat, das in seiner Abstraktion den Zugang zu den Protagonisten nicht gerade erleichtert. Ihre tiefe Verwundbarkeit kann man nur ahnen. Interessant die Entstehungsgeschichte des Films. Das abgelaufene Ausgangs-Filmmaterial stammt aus alten Beständen des ehemaligen Kulturministeriums, erworben auf dem Schwarzmarkt. Der Crew mit 35mm-Equipment, einer alten Arri-Kamera, Kran, Licht und Dolly flogen mehr als einmal Kugeln um die Ohren. Die Angst, dass aufgrund des Alters die Aufnahmen "underexposed", unterbelichtet sein könnten, erwies sich als unbegründet. Das unter Lebensgefahr gedrehte experimentelle Porträt einer Stadt im Ausnahmezustand sollte bei einem politisch bewegten und neugierigem Großstadtpublikum Anklang finden. mk.

Underexposure

Darsteller:  Samar Qahtan   als Hassan
  Yousif Al-Ani   als Abu Shaker
  Auwatif Al-Salman   als Futha
  Hayder Helo   als Nasser
  Majed Rasheed   als Ziyad
  Meriam Abbas   als Maysoon
  Khalid Al-Samarai   als Singer
  Basim Hamed   als Soldat
  Basim Al-Tayib   als Khalid
  Adil Khalid   als Mann
  Muhanad Rasheed   als Doku-Teammitglied
  Hayder Jokan   als Soldat
  Basim Al-Hajar   als Ma'taz
  Abu Suhad   als Erster Zeuge
  Abu Wisam   als Zweiter Zeuge
  Samer Qahtan  
 
Regie:  Oday Rasheed  
Drehbuch:  Oday Rasheed  
  Hayder Helo  
Produzent:  Majed Rasheed  
Koproduzent:  Tom Tykwer  
  Maria Köpf  
Ausf. Produzent:  Furat al Jamil  
Kamera:  Ziyad Turkey  
Schnitt:  Antje Zynga  
Musik:  Gabriel Yared  
Produktionsdesign:  Dharam Abdul Wahad  
  Hussein Kamel  
Kostüme:  Mina Plenker  
Ton:  Iman Qasim  
  Dirk Jacob  
  Matthias Lempert  

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