Die besten Leben sind die, die wir uns erfinden. Ein Motto wie geschaffen nicht nur für einen einzigen Film, sondern für das Kino generell. Daraus hat Co-Autor und Jung-Regisseur Jacques Audiard eine bitterböse, herrlich ironische Komödie gedreht mit einem exzellenten Mathieu Kassovitz ("Hass") in der Hauptrolle.
Albert Dehousse, sein selbsternannter Held, eigentlich Monsieur Unspektakulär in Person, erschwindelt sich eine ruhmreiche Identität als Résistance-Kämpfer, neun Monate nach der Befreiung von Paris durch die Alliierten. Nach und nach verschafft er sich Zugang zu den internen politischen Zirkeln der ehemaligen Kämpfer, und Stück für Stück fügt sich seine Existenz, die er ständig aufs neue erfinden muß, zu einem beeindruckenden Ganzen. Der als Schauspieler bereits vielfach ausgezeichnete Kassovitz, der letztes Jahr in Cannes mit seiner Regiearbeit "Hass" Aufsehen erregte (er gewann den Regie-Preis und den César als bester französischer Film und für den besten Schnitt) ist in jeder Einstellung zu sehen. Mühelos und überzeugend trägt er den Film und verlangt dem Zuschauer immer wieder Sympathie und Einfühlungsvermögen mit dem Loser und Betrüger Albert ab. Das sorgsame Drehbuch der Autoren Alain le Henry ("Indochine") und Jacques Audiard (Buch und Regie von "Regard Les Hommes Tomber", ausgezeichnet mit dem César für den besten Erstlingsfilm) nach dem gleichnamigen Roman von Jean-Francois Deniau tut ein übriges, um Albert als Sympathieträger zu etablieren. Überzeugend, aber immer mit wohltuender ironischer Distanz, werden die Züge seiner bereits in der Kindheit angelegten "Identitätskrise" geschildert. Schon als 12jähriger lernt Albert seine Lektion in Sachen (Selbst)Betrug, als er erfährt, daß sein Vater, den er nie kennengelernt hatte, nicht als Kriegsheld gestorben war, wie seine Mutter immer behauptete, sondern als Alkoholiker. Wohltuend, daß die Autoren nie ins Psychologisieren verfallen, sondern immer den komischen Momenten der Geschichte vertrauen. Dazu tragen auch gefakte Doku-Passagen bei, in denen Historiker und Kriegsveteranen Statements über Albert abgeben. Der äußerst sorgsam beobachtete und ironisch kommentierte Film funktioniert ebenso als Tragikomödie eines liebenswerten Psychopathen wie als bissige politische Parabel. Als "Madame Résistance" und heiße Lady in Uniform gibt Anouk Grinberg ("Mein Mann") eine überzeugende Darstellung, als souveräner Erzähler überrascht Jean-Louis Trintignant mit einem Cameo-Auftritt. Ausgestattet mit einer guten Portion gallischem Humor wäre dem französischen Top-Ten-Erfolg mehr als nur ein Festivaldasein zu wünschen. boe.
| Darsteller: | Mathieu Kassovitz | ||
|---|---|---|---|
| Anouk Grinberg | |||
| Sandrine Kiberlain | |||
| Albert Dupontel | |||
| Nadia Barentin | |||
| Jean-Louis Trintignant | |||
| Bernard Bloch | |||
| François Chattot | |||
| Philippe Duclos | |||
| François Berléand | |||
| Philippe Berodot | |||
| Yves Verhoeven | |||
| Regie: | Jacques Audiard | ||
| Drehbuch: | Alain Le Henry | ||
| Jacques Audiard | |||
| Produzent: | Patrick Godeau | ||
| Buchvorlage: | Jean-François Deniau | ||
| Kamera: | Jean-Marc Fabre | ||
| Schnitt: | Juliette Welfling | ||
| Musik: | Alexandre Desplat | ||
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