Originaltitel: U-Carmen e Khayelitsha
Südafrika 2005
Pauline Malefane
Andile Tshoni
Zweilungile Sidloyi
Regie: Mark Dornford-May
Verleih: MFA (24 Bilder)
Carmen (Pauline Malefane), selbstbewusste Schönheit aus einem Township von Soweto, gibt dem Balztanz des stolzen und leider auch hochgradig eifersüchtigen Sergeanten Jongikhaya (Andile Tshoni) nach. Als sie ihr Herz bald darauf an einen heißen jungen Stierkämpfer verliert, greift der enttäuschte Jongikhaya zur Waffe.
Die bekannte, bereits vielfach filmisch interpretierte Oper von George Bizet, erstrahlt erneut in einer gut gelaunten Afrika-Version. Einen Goldenen Bären bei den Berliner Filmfestspielen gab es für das mit eigenwilligen Kulissen- und Klangexperimenten sowie jeder Menge rustikaler Erotik nicht geizende Filmdebüt von Theaterregisseur Mark Dornford-May.
Die klassische Liebesgeschichte von Carmen und Don José vor dem Hintergrund des aufreibenden Alltags in einem südafrikanischen Township.
Die tragische Geschichte von Carmen und Don José, eine Oper um Liebe, Hass, Eifersucht, Rache, erotische Obsessionen, Begierde, Wahnsinn und eine sinnliche, unabhängige Frau, deren Freiheitsliebe und Mut auch angesichts des Todes ungebrochen bleibt, wird hier vor dem Hintergrund des aufreibenden Alltags in einem südafrikanischen Township inszeniert.
Der Überraschungssieger der Berlinale 2005: Theaterregisseur Mark Dornford-Mays "Carmen"-Adaption verlegt Bizets Oper in die südafrikanischen Townships. Dornford-May beschritt bereits mit seiner Bühnenversion bei der Theaterkompanie South African Dimpho Di Kopane neue Wege.
Der Text wird komplett in der Landessprache Xhosa gesungen. In der Titelrolle ist die körperbetonte und äußerst feminine Opernsängerin Pauline Malefane zu sehen, die als "Carmen" zuvor Erfolge auf internationalen Bühnen feiern konnten.
| Darsteller: | Pauline Malefane | als Carmen | |
|---|---|---|---|
| Andile Tshoni | als Sergeant Jongikhaya | ||
| Zweilungile Sidloyi | als Lulamile | ||
| Andiswa Kedama | als Amanda | ||
| Bulelwa Cosa | als Mandisa | ||
| Ruby Mthethwa | als Pinke | ||
| Zintle Mgole | als Faniswa | ||
| Noluthando Boqwana | als Manelisa | ||
| Andries Mbali | als Bra Nkomo | ||
| Sibusiso "Otto" Ziqubu | als Tiny | ||
| Sibulele Mjali | als Kayza | ||
| Bongani Mbato | als Mthura | ||
| Mvuyisi Mjali | als Soldat | ||
| Zukile Gqadushe | als Erics Freund | ||
| Joel Mthethwa | als Sangoma | ||
| Regie: | Mark Dornford-May | ||
| Drehbuch: | Mark Dornford-May | ||
| Charles Hazlewood | |||
| Andiswa Kedama | |||
| Pauline Malefane | |||
| Produzent: | Ross Garland | ||
| Mark Dornford-May | |||
| Ausf. Produzent: | Ross Garland | ||
| Buchvorlage: | Georges Bizet | ||
| Kamera: | Giulio Biccari | ||
| Schnitt: | Ronelle Loots | ||
| Musik: | Georges Bizet | ||
| Kostüme: | Jessica Dornford-May | ||
| Ton: | Simon Rice | ||
Die 55. Berlinale, das hieß Schmuddelwetter, laue Wettbewerbsfilme, wenig Euphorie.
Der Goldene Bäre für das Team des Außenseiters "U-Carmen e Khayelitsha" (Foto: Berlinale)
Erstmals ging der Goldene Bär nach Afrika für "U-Carmen e Khayelitsha", die Township-Version der Bizet-Oper "Carmen". Erfolg auch für den deutschen Film. Marc Rothemunds sensibel inszeniertes Drama "Sophie Scholl - Die letzten Tage" heimste gleich zwei Auszeichnungen ein - für die Beste Regie und für Julia Jentsch als Beste Darstellerin.
Überraschend kam die Ehrung für die brillante Schauspielerin nicht. "Das war selbstverständlich", erklärte Jury-Präsident Roland Emmerich. Julia Jentsch musste den Bären allerdings schon nachmittags kosen statt bei der Preis-Gala, da sie abends schon wieder auf der Bühne der Münchner Kammerspiele stand. Ein tolles Geschenk für ihren 27. Geburtstag, den sie einen Tag später feierte. Und Marc Rothemund, der bis zuletzt am Film feilte, freute sich nicht nur über die Statuette, sondern fast noch mehr über das Kompliment "Du hast sie verdient!".
Julia "Sophie Scholl" Jentsch freute sich im Schnellverfahren über ihren Preis in Silber (Foto: Berlinale)
Die beiden anderen deutschen Wettbewerbsbeiträge stießen international auf zwiespältige Resonanz. Christian Petzolds Kindsverlust-Drama "Gespenster" wurde als zu prätenziös empfunden und Hannes Stöhrs Fußball-Ode "One Day in Europe" als zu leichtgewichtig. Ein Argument, das auf die meisten anderen Filme nicht zutraf. Im Gegenteil, es dominierten politische Themen oder Geschichten von zerbrochenen Familien und aufgebrochenen sozialen Beziehungen.
Nach dem belächelten Fehlstart mit Régis Wargniers Forscherfilm "Man to Man" kam die Berlinale nur langsam in die Gänge. Zweimal wurde auf ganz unterschiedliche Weise der Genozid in Ruanda thematisiert. Der Ire Terry George präsentierte mit dem Völkermord-Drama "Hotel Ruanda" ein starkes Stück Kino, das sich auf ein individuelles Schicksal konzentriert und das Grauen auch ohne Massaker ahnen lässt (Cinema for Peace-Preis). Der auf Haiti geborene Raoul Peck ging die Pogrome der Hutus gegen die Tutsis in "Sometimes in April" pädagogischer an und spannte am Beispiel eines Bruderkonflikts den Bogen von 1994 zu 2004.
Romain Duris, bekannt aus "Barcelona für ein Jahr", ging zu Unrecht leer aus (Foto: Concorde)
"Wir sind vielleicht nicht die Schlauesten, aber wir sehen am besten aus", flapste Jury-Präsident Emmerich gut gelaunt, denn so mancher traute der Jury mit Modemann Nino Cerruti und dem chinesischen Schauspiel-Sternchen Bai Ling nicht viel zu. Letztere trug ihre zumeist nackte Haut zu Markte, stürzte sich auf jede Kamera und prunkte auch noch damit, selten ins Kino zu gehen.
Die schlimmsten Befürchtungen bestätigten sich, als ein Fliegengewicht wie Lou Taylor Pucci den Silbernen Bären als Bester Darsteller in der sympathischen Coming-of-Age-Komödie "Thumbsucker" erhielt. Dagegen wurden außergewöhnliche Leistungen übersehen, wie die von Michel Bouquet als alternder Mitterand in "Le promeneur du champ de mars" oder Romain Duris als Schuldeneintreiber, der sich in "De battre mon coeur s'est arrêté" zum sensiblen Pianisten wandelt. Beide Filme galten als Bären-Kandidaten.
Leer gingen auch Yoji Yamadas "Hidden Blade" aus, der eindrucksvolle Abschied von den Werten der Samurai, sowie Wes Andersons skurriler Unterwasser-Ausflug "Die Tiefseetaucher" mit Bill Murray. Und statt Mark Dornford-Mays Township-Carmen-Adaption "U-Carmen e Khayelitsha" hätte man den Goldenen Bären doch lieber beim Favoriten Hany Abu Assad gesehen für "Paradise Now", den intensiven Blick auf zwei palästinensische Selbstmordattentäter. Dafür entschädigte Abu Assad der Blaue Engel, der Filmpreis von Amnesty International.
Nach zwei formidablen und einem mittleren Jahrgang unter dem umtriebigen Dieter Kosslick schwächelte der Wettbewerb erheblich in diesem Jahr, steppte der Bär nicht. Es fehlten sowohl cineastische Entdeckungen wie Hollywood-Highlights, um die kein Festival herumkommt, auch eines mit politischem Anspruch nicht. Und ob ein Faible für engagierte Filme zur Profilierung gegenüber Cannes und Venedig reicht, muss sich noch erweisen.
War einer der wenigen US-Stars, die Glamour an die Spree brachten: "Kinsey"-Darsteller Liam Neeson (Foto: Berlinale)
Ein Lichtblick am Ende: Bill Condons "Kinsey", Abschlussfilm mit Liam Neeson als legendärem Sex-Revolutionär der vierziger und fünfziger Jahre. Dass Kosslick "Million Dollar Baby" als Eröffnungsfilm ablehnte, weil das Erscheinen von Clint Eastwood und Hilary Swank fraglich war, ist kein Ruhmesblatt. Mit solchen Entscheidungen macht sich ein Festival-Chef keine neuen Freunde und vergrämt alte.
Der Glamour hielt sich in Grenzen, auch wenn Cathérine Deneuve ihr Pflichtprogramm abspulte, Dennis Quaid locker grüßte oder Anjelica Huston und Cate Blanchett würdig winkten. Meistens zogen deutsche Promis im Alternativlook gen Berlinale-Palast.
Wenn er auf Friedensmission ist, kommt er sogar ins kalte Berlin: Edelmime und Menschenfreund Tim Robbins (Foto: Kurt Krieger)
Der klamme Starauftrieb auf dem Roten Teppich darf aber nicht nur Kosslick angelastet werden. Die Vorverlegung der Oscar-Verleihung lässt Planungen schnell Makulatur erscheinen. Die besten US-Produktionen brauchen Berlin als Plattform nicht mehr, die Weltstars sind im Oscar-Vorbereitungsfieber. Gegen eine mögliche Berlinale-Terminierung in den Januar sprechen noch schlechteres Wetter und die Nähe zu den Feiertagen.
Ein weiterer Knackpunkt: Die Berlinale platzt aus allen Nähten. Die rund 1100 Vorführungen der 343 Filme des Gesamtprogramms waren gut besucht und allein 180.000 Tickets gingen an das Publikum. Das Gedränge in Berlin war eine harte Prüfung für die Festival-Besucher.
Der Film war Massenware, aber US-Megastar Will Smith als "Hitch - Der Date Doktor" hob ebenfalls den Glamour-Faktor (Foto: Berlinale)
An Events herrschte jedenfalls kein Mangel. So forderte Tim Robbins auf der Gala Cinema for Peace, der Wahrheit zu vertrauen, nicht den Ideologen und gab sein Redemanuskript zur Versteigerung - was 6.500 Euro einbrachte. Da es tagsüber nichts zu lachen gab, amüsierte sich die Branche abends, und das nicht zu knapp.
So lud die Fox zur Premierenparty von "Night Watch", dem erfolgreichsten russischen Film aller Zeiten, in ein pittoreskes Gemäuer mit "Russendisko". Will Smith ("Hitch - Der Date Doktor") küsste sich im In-Treff "Felix" durch, bevor er eine Rap-Einlage aufs Parkett legte. Ganz exklusiv ging es bei Solo-Film zu. Anlässlich der Premiere von "Beyond the Sea" begeisterte Kevin Spacey die Gäste im Friedrichsstadtpalast mit einer einstündigen Live-Performance und machte die Berlinale wieder zu dem, was sie sein sollte: ein Fest mit Metropolen-Feeling.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.