Leonardo DiCaprio
David Thewlis
Romane Bohringer
Regie: Agnieszka Holland
Verleih: Senator
Der frühreife Dichter Rimbaud will unbedingt sein großes Idol Paul Verlaine kennenlernen. Vom Lande kommend dringt er in das nahezu bürgerlich geordnete Leben des zehn Jahre älteren Verlaines und seiner Frau Mathilde. Die beiden werden schon Bald ein Liebespaar, wobei der agressive Jungdichter den Älteren nicht selten demütigt. Die Liebe der beiden driftet jedoch bald in eine destruktive und häufig selbstzerstörerische Abhängigkeit.

Ein Biopic über die französischen Dichter des 19. Jahrhunderts, Paul Verlaine und Arthur Rimbaud, ist dieser etwas sperrige, aber auf seine krude obsessive Art faszinierende Film nicht eine einzige Sekunde. Das gibt er auch nie vor zu sein. Wer sich also eine Poeten-Biographie im klassischen Sinne erwartet, dürfte ziemlich ratlos vor der Leinwand sitzen, vielleicht sogar verärgert sein. Die polnische Regisseurin Agnieszka Holland ("Hitlerjunge Salomon") hat Christopher Hamptons Theaterstück verfilmt, das dieser 1967 im rebellischen Alter von 18 Jahren geschrieben hat. Hampton war damals etwa genauso jung wie der berühmte Rimbaud, der sein gesamtes Îuvre vor seinem 20. Lebensjahr schrieb und dann nur noch in der Welt unterwegs war auf der Suche nach Abenteuern. Der frühvollendete Dichter, von Leonardo DiCaprio mit verblüffend kindlicher Wildheit gespielt, begibt sich in das Abenteuer, den zehn Jahre älteren Kollegen Paul Verlaine kennenzulernen. Als junger Wilder vom Lande dringt er in das nahezu bürgerlich geordnete Pariser Leben Verlaines und dessen schwangerer Frau Mathilde (lustvoll voluminös: Romane Bohringer) ein. Verlaine, von dem nervös-sensiblen David Thewlis bemerkenswert gespielt, ist von dem unverschämt jungen, idealistischen und sich selbst als Genie bezeichnenden Rimbaud auf Anhieb fasziniert. Die beiden werden schon bald ein Liebespaar, wobei der exzentrische, aggressive Jüngere den Älteren nicht selten demütigt. Eine immer bösartiger werdende leidenschaftliche "Amour fou" bringt die beiden Männer in eine destruktive und auch heftig selbstzerstörerische gegenseitige Abhängigkeit. Agnieszka Holland inszeniert Hamptons Stück und Drehbuch wie eine Reminiszenz an die 60er und 68er Jahre, aus deren Geist heraus es ganz offensichtlich ja auch geschrieben wurde. Sie räumt der sexuellen Beziehung - in Verlaines Ehe, zwischen den beiden Dichtern und schließlich auch im Dreier mit Mathilde - viele im erotischen Flair nicht immer ganz geglückte Szenen ein. Diese Sex-Betonung mag heute merkwürdig vorkommen, aber sie erklärt sich aus der 68er Zeit. Und Hamptons subjektive Sicht auf dieses Dichterverhältnis hat etwas erfrischend Junges und gleichzeitig etwas so abgrundtief Böses, Zynisches, daß es wiederum haargenau in unsere Zeit paßt. Holland spart die Entstehung poetischer Werkbeispiele der legendären Scribenten gänzlich aus. "Total Eclipse" funktioniert einfach nicht wie ein populärwissenschaftliches TV-Programm oder eine Hollywood-Soap-Opera. Und das ist auch gut so. Denn Agnieszka Holland schafft es immerhin, zwei Figuren auf die Leinwand zu bringen, deren ungewöhnlich wilde und existentiell bedrohliche Beziehung neugierig macht, die Werke der beiden gerade jetzt (noch einmal) zu Lesen und vielleicht auf Spuren dieses Lebens zu überprüfen. Man muß sich einlassen auf diesen Film und von ihm nicht nur die Befriedigung vorgefaßter Erwartungen verlangen - dann hat man 110 Minuten ungewöhnliches Kino. fh.
| Darsteller: | Leonardo DiCaprio | als Arthur Rimbaud | |
|---|---|---|---|
| David Thewlis | als Paul Verlaine | ||
| Romane Bohringer | als Mathilde Maute | ||
| Dominique Blanc | als Isabelle Rimbaud | ||
| Nita Klein | als Rimbauds Mutter | ||
| James Thiérrée | als Frederic | ||
| Denise Chalem | als Mrs. Maute De Fleurville | ||
| Andrzej Seweryn | als Mr. Maute De Fleurville | ||
| Christopher Thompson | als Carjat | ||
| Regie: | Agnieszka Holland | ||
| Drehbuch: | Christopher Hampton | ||
| Produzent: | Ramsay Levi | ||
| Ausf. Produzent: | Jean-Yves Asselin | ||
| Staffan Ahrenberg | |||
| Pascale Faubert | |||
| Kamera: | Yorgos Arvanitis | ||
| Musik: | Jan A.P. Kaczmarek | ||
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