Aus Frankreich zurückgekehrt, begegnet die junge Shiang-Chyi zufällig erneut dem Uhrenverkäufer Hsiao-Kang, in den sie sich vor ihrer Abreise verliebte. Eine zarte Romanze beginnt mit täglichen Treffen in Shiang-Chyis Appartment. Was sie nicht ahnt: Hsiao-Kang arbeitet mittlerweile als Schauspieler in Pornofilmen und dreht entsprechende Videos in einer benachbarten Wohnung.

Einer der am heftigsten diskutierten Filme der Berlinale 2005, weil er in bislang kaum gesehener Weise mit Körpern umgeht. Die zarte Liebesgeschichte eines Pornodarstellers und seiner schönen jungen Nachbarin, die sich in der Zeit akuten Wassermangels im Hochsommer in Taipeh begegnen, verlieben und im schockartig überwältigenden Finale wohl wieder verlieren werden, wurde als der Melonen-Porno aus Taiwan gehandelt, weil sehr witzig demonstriert wird, was man alles mit der süßklebrigen Frucht anstellen kann. Dabei verzichtet der Film, schaut man genau hin, weitgehend auf wirklich explizite Hardcore-Szenen mit dem in Genre geforderten Detailnaturalismus. Er seziert statt dessen in so grotesker wie distanzierter Form den Umgang mit Sexualität und bricht die Story mit mehreren ausgesprochen lustigen Musical-Tanznummern.
Sexualität, die für Einsamkeit, Entfremdung, wortlose Begegnungen und hilfloses Interagieren von Paaren in Großstädten steht, ist Dauerthema im acht Filme umfassenden Werk von Regisseur Tsai Ming-liang. In "The River" (1996, Silberner Bär) und "What Time is it There?" (2001, Technischer Preis Cannes) ging es um die Familie und ein über Kontinente getrenntes Paar, das in der Fortsetzung "Tian bian yi duo yun" nicht recht zueinander findet: Dabei brennen der damalige Uhrenverkäufer Hsia-Kang (Lee Kang-Sheng, in allen Filmen von Tsai Ming-liang Hauptdarsteller) und die Studentin und jetzige Reiseführerin Cheng (Shiang-Chyi) vor Begierde. Sie wird nur einen Satz sprechen ("Verkaufst du noch immer Uhren?"), er ihren Kofferschlüssel aus dem Asphalt fräsen. Er will seinen Beruf vor ihr verheimlichen, sie verführt ihn in der Hardcore-Abteilung einer Videothek.
Die minimalistische Komik, die sich aus vielen in den für Ming-Liang typisch langen Einstellungen ergibt, sprüht vor Lebenslust und Komik in den Musicalszenen, in denen in popbunter Pracht in Blumendekors gesungen und mit einem Phallus-Mann und Melonenregenschirmen irrwitzig getanzt wird und junge Mädchen um Tschiang Kai-Tscheks Denkmal springen. Die umstrittenen Pornopassagen verändern im Lauf der Zeit ihren Charakter: zu Beginn eher spaßiger Kommentar zu Sexkonsum und Körperverbrauch, kulminieren sie in einer zehnminütigen gewagten und zu diskutierenden Sequenz, in der das Filmteam Kangs Kopulation mit der bewusstlosen (und nicht toten, wie ein Teil der Presse schrieb) japanischen Darstellerin aufnimmt. Grenzüberschreitungen dieser Art, der wilde Genremix und das stilvolle Umgehen mit Tabus sollten den Film in Arthouse-Kinos zum Selbstläufer und Gesprächtsthema machen. ger.
| Darsteller: | Lee Kang-sheng | als Hsiao-Kang | |
|---|---|---|---|
| Chen Shiang-chyi | als Shiang-Chyi | ||
| Yi-Ching Lu | |||
| Yang Kuei-mei | |||
| Yozakura Sumomo | |||
| Hsiao Huan-wen | |||
| Lin Hui-xun | |||
| Jao Kuo-xuan | |||
| Regie: | Tsai Ming-liang | ||
| Drehbuch: | Tsai Ming-liang | ||
| Produzent: | Bruno Pésery | ||
| Ausf. Produzent: | Vincent Wang | ||
| Kamera: | Liao Pen-jung | ||
| Schnitt: | Chen Sheng-chang | ||
| Produktionsdesign: | Yip Kam-tim | ||
| Lee Tian-Jue | |||
| Kostüme: | Sun Hui-Mey | ||
| Ton: | Tu Duu-chih | ||
| Tang Shiang-chu | |||
Im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin werden 21 Filme um die Goldenen und Silbernen Bären konkurrieren. Darunter sind fünf Spielfilmdebüts und insgesamt 16 Weltpremieren. Vervollständigt wird das Programm durch fünf Produktionen, die außer Konkurrenz präsentiert werden.
Von den bereits gemeldeten Filmen wurden jetzt folgende Titel offiziell bestätigt: "Sometimes in April" von Raoul Peck (USA), der sich ebenso wie "Hotel Rwanda" mit dem Bürgerkrieg in Ruanda beschäftigt.
Weitere Filme sind: die New Yorker Liebesgeschichte "Heights", das Debüt von Chris Terrio (USA / Großbritannien, außer Konkurrenz); das Familiendrama "Provincia meccanica" von Stefano Mordini (Italien); "Angeklagt", das Spielfilmdebüt des Dokumentarfilmers Jacob Thuesen (Dänemark); der Episodenfilm "Tickets" (Italien, Großbritannien, außer Konkurrenz), mit Beiträgen von Ermanno Olmi, Abbas Kiarostami und Ken Loach, die alle in einem Zug nach Rom spielen.
Chaos garantiert: Stefano Accorsi und Ivan Franek in "Provincia Meccanica" (Foto: Medusa Film)
Die französischen Beiträge werden komplettiert von der Familiengeschichte "Les mots bleus" von Alain Corneau und "De battre mon coeur s'est arrêté" von Jacques Audiard.
Der Nahostkonflikt ist Thema in "Paradise Now" von Hany Abu Assad (Niederlande, Deutschland, Frankreich). Der renommierte russische Regisseur Alexander Sokurow präsentiert "Solnze" (Russland, Italien, Frankreich), den dritten Teil einer Trilogie über die Psychologie der Macht. Tsai Ming-Liang, zuletzt mit "Der Fluss" im Wettbewerb der Berlinale, kehrt mit der taiwanesisch-chinesisch-französischen Koproduktion "Tian bian yi duo yun" ("The Wayward Cloud") nach Berlin zurück. Aus Japan kommt die Samuraigeschichte "Kakushi ken: oni no tsume" ("The Hidden Blade") von Yoji Yamada, der vor zwei Jahren mit "The Twighlight Samurai" in Berlin war.
Der renommierte US-Videoclipregisseur Mike Mills zeigt sein Spielfilmdebüt "Thumbsucker", mit Keanu Reeves, Vincent D'Onofrio und Tilda Swinton. Aus den USA wird außerdem Paul Weitz mit "In Good Company" vertreten sein, mit Dennis Quaid und Scarlett Johansson.
Film der Woche: Der Kult geht weiter, die Alien-Jäger blitzdingsen wieder! Will Smith reist in die Sixties, um den jungen Agent Kay (Josh Brolin) zu retten.
Preview der Woche: Schöne Komödie mit "Hannah Montana" Miley Cyrus, die sich in ihren besten Freund verliebt.