Packendes Überlebensepos nach dem Tatsachenroman von Slawomir Rawicz, in dem sieben Männer aus einem sibirischen Gulag fliehen und einen 6000 Kilometer langen Fußmarsch ins rettende Indien antreten. http://images.kino.de/flbilder/max11/auto11/auto19/11190757/b150x150.jpg The Way Back - Der lange Weg

Filmdetails

The Way Back - Der lange Weg

Packendes Überlebensepos nach dem Tatsachenroman von Slawomir Rawicz, in dem sieben Männer aus einem sibirischen Gulag fliehen und einen 6000 Kilometer langen Fußmarsch ins rettende Indien antreten.


The Way Back - Der lange Weg
Start: 30.06.2011

Originaltitel: The Way Back

Abenteuer / Drama

USA 2010
Laufzeit: 133 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Jim Sturgess
Ed Harris
Saoirse Ronan

Regie: Peter Weir
Verleih: Splendid (Fox)

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Inhalt

Der polnische Soldat Janusz gehört zu den Tausenden, die von den Russen während des Zweiten Weltkriegs als Kriegsgefangene in Sibirien in Gulags gesteckt und dort unmenschlichen Bedingungen ausgesetzt werden. Der findige junge Mann adaptiert schnell. Mit sechs weiteren Gefangenen gelingt ihm die Flucht. Gemeinsam wollen sie sich zu Fuß mit nur einem Messer als Waffe mehrere Tausend Kilometer in die rettende Mongolei durchschlagen - nur um festzustellen, dass auch dieses Land mittlerweile unter kommunistischer Herrschaft ist. Janusz und die anderen Männer setzen ihre Reise Richtung Indien fort. Und der eigentliche Überlebenskampf beginnt.


Kritik

The Way Back - Der lange Weg

Packendes Überlebensepos, in dem sieben Männer aus einem sibirischen Gulag fliehen und einen 6000 Kilometer langen Fußmarsch ins rettende Indien antreten.

Es ist nicht entscheidend, ob Slawomir Rawicz die Geschichte in seinem legendären Tatsachenroman aus dem Jahr 1956 - eine Version des in Deutschland deutlich bekannteren und zweimal verfilmten "So weit die Füße tragen" - erfunden hat, wie ihm in den letzten sechs Jahrzehnten wiederholt vorgeworfen wurde. Entscheidend ist, dass Peter Weir die Ode an den menschlichen Überlebenswillen behandelt, als wäre sie tatsächlich passiert: Mit einem an Obsession grenzenden Realismus schildert der australische Meisterregisseur in seinem ersten Film seit "Master and Commander" aus dem Jahr 2003 die Odyssee des polnischen Soldaten Janusz und sechs weiterer Gefangenen eines sibirischen Gulags, die nach ihrer Flucht während eines Schneesturms, mit nur einem Messer als Waffe, elf Monate Richtung Süden marschierten, bis sie nach 6000 Kilometern im rettenden Tibet ankommen.

Gleich in den ersten Szenen wird der Zuschauer darüber informiert, dass sie zu diesem Zeitpunkt nur noch zu viert sein werden. Die Spannung bezieht das imposante Naturepos also nicht daraus, ob es Überlebende gibt, sondern wer die Überlebenden sein werden - und wie bzw. wo die anderen sterben. Fesselnd sind aber vor allem die Aufnahmen, die Weir weitgehend ohne unterstützende Hilfe von computeranimierten Manipulationen gelangen: Die Natur erweist sich als der eigentliche Feind der sieben Flüchtlinge, obwohl sie sich von ihrer ganzen Pracht präsentiert. Während alle erdenklichen Härten, von gnadenloser Kälte in Sibirien über Moskitoplagen und quälendem Hunger hin zur mörderischen Hitze in der Wüste Gobi, an Kräften und Moral zehren, gelingt es dem Regisseur, seine Hauptfiguren mit groben Strichen doch als nachvollziehbare Figuren zu zeichnen, um deren Leben man bangt: Neben der von Jim Sturgess gespielten Identifikationsfigur Janusz hinterlassen Ed Harris als enigmatischer und zynischer Amerikaner und Saoirse Ronan als Mädchen, das sich der Gruppe unterwegs anschließt, den bleibendsten Eindruck, während Colin Farrell als unberechenbarer russischer Heißsporn jeder Regieanweisung mit wildem Augenrollen beantwortet.

Das eigentliche Problem des Epos ist jedoch, dass Weirs versessener Authentizitätswille dem Film zunächst nicht erlaubt, mehr zu sein als das, was er zeigt. Erst in den späten Szenen in der Wüste Gobi, wenn Ronan mit Kopftuch und einer Art Dornenkrone zugleich wie eine Maria Magdalena und ein Jesus erscheint, stellt sich jene Transzendenz ein, die tiefer geht: Wenn Entscheidungen getroffen werden müssen, wen man wann zurück- und seinem eigenen Schicksal überlässt, fühlt man sich daran erinnert, dass man es mit einem Filmemacher zu tun hat, der Meisterwerke wie "Fearless", "Club der toten Dichter" oder "Der einzige Zeuge" geschaffen hat. Dann ist "The Way Back" größer als die aufdringliche Coda, dass die Odyssee auch dann nicht zu Ende ist, als die Überlebenden am Ziel ankommen, sondern weitergeht, bis die Geißel des Kommunismus noch einmal fast 50 Jahre später besiegt werden kann. ts.

The Way Back - Der lange Weg

Darsteller:  Jim Sturgess   als Janusz
  Ed Harris   als Mr. Smith
  Saoirse Ronan   als Irena
  Colin Farrell   als Valka
  Mark Strong   als Khabarov
  Gustaf Skarsgård   als Voss
  Alexandru Potocean   als Tomasz
  Sebastian Urzendowsky   als Kazik
  Dragos Bucur   als Zoran
 
Regie:  Peter Weir  
Drehbuch:  Peter Weir  
Produzent:  Peter Weir  
  Duncan Henderson  
  Joni Levin  
  Nigel Sinclair  
Ausf. Produzent:  Keith Clarke  
  John Ptak  
  Guy East  
  Simon Oakes  
  Tobin Armbrust  
  Jake Eberts  
  Edward Borgerding  
  Mohamed Khalaf Al-Mazrouei  
  Adam Leipzig  
Buchvorlage:  Slawomir Rawicz  
Kamera:  Russell Boyd  
Schnitt:  Lee Smith  
Musik:  Burkhard Dallwitz  
Produktionsdesign:  John Stoddart  

"Unter Druck steht man bei jedem Film"

Peter Weir nimmt sich Zeit mit seinen Filmen. Im Interview erklärt der Altmeister, weshalb er statt dem Johnny-Depp-Film "Shantaram" lieber "The Way Back - Der lange Weg" über Männer, die zu Fuß 6000 Kilometer aus einem sibirischen Gulag fliehen wollen, drehte.

Großansicht Colin Farrell musste für seine Rolle in "The Way Back - Der lange Weg" trotz 6000 Fluchtkilometern zu Fuß keine Hungerdiät absolvieren (Foto: Splendid (Fox))

Colin Farrell musste für seine Rolle in "The Way Back - Der lange Weg" trotz 6000 Fluchtkilometern zu Fuß keine Hungerdiät absolvieren (Foto: Splendid (Fox))

Die große Flucht im Film wirkt authentisch. Muss man dafür beim Dreh Ähnliches erleben wie die Protagonisten des Films?
PETER WEIR: Nein. Wobei ich den Verdacht und die Sorge hatte, dass meine Schauspieler zu wenig aßen, um den Hunger ihrer Figuren darzustellen. Ich sagte ihnen: "Werdet ja nicht zu dünn." Ich jedenfalls gehöre nicht zu den Regisseuren, die ihre Akteure in einen Vulkan schicken - so etwas fake ich lieber. Natürlich drehten wir "The Way Back - Der lange Weg" in dramatisch-spektakulären Landschaften, aber die waren auch teilweise sehr angenehm.

Was ist Ihr Rezept für diesen hochgradigen Realismus?
Mit einem Wort: Recherchen. Ich vertiefe mich darin, verfasse Notizen für die einzelnen Abteilungen. Weil das Thema der Gulags noch zur jüngeren Geschichte gehört, konnte ich auch noch mit Überlebenden sprechen. Meine Auseinandersetzung geht sogar so weit, dass ich selbst echte Requisiten sammelte - Gürtelschnallen von NKWD-Offizieren oder ein Schild von einem Hinrichtungsgebäude. Diese Einstellung steckt natürlich alle anderen Beteiligten an, bis hin zu den Schauspielern. Und sie prägt das Drehbuch. Ich wollte keinen schlichten Unterhaltungsfilm machen. Nur die kleinen Details ermöglichen eine echte Erfahrung.

Ist diese Detailversessenheit ein Grund dafür, dass Sie sich so viel Zeit lassen?
Das sehe ich nicht so. In den letzten Jahren arbeitete ich an drei Projekten, die einfach nicht zustande kamen. In einem Fall war es nicht möglich, das Skript nach meinem Wunsch hinzubekommen, bei "Shantaram" war ich sogar in einem frühen Stadium der Vorproduktion, ich scoutete bereits Motive. Doch dann stellte sich heraus, dass die Beteiligten nicht so recht zusammenpassten, und wir ließen den Film fallen.

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Stattdessen wagten Sie sich an eine Independent-Produktion - mit geringerem Budget und genauso viel Druck?
29 Mio. Dollar, um genau zu sein. Unter Druck steht man bei jedem Film. Bei "Master and Commander" rangen wir neun Monate lang mit den Spezialeffekten. Bei "The Way Back" war es eher ein Zeitproblem. Wir hatten zwar geeignete Motive gefunden, aber die ließen sich nicht immer gut erreichen. Manchmal konnte ich nur hoffen, dass der Dreh dort die lange Fahrt auch rechtfertigen würde. Aber die Planung war vorbildlich, sonst wäre es eine Katastrophe geworden. Außerdem hatten wir Glück mit dem Wetter. Der schlimmste Druck entsteht sowieso durch ein nicht funktionierendes Drehbuch - und das war nicht der Fall.

In den USA erreichte der Film weder die -Zuschauerzahlen noch die Oscar-Nominierungen von "Master and Commander" oder "Truman Show".
Das kleine Marketingbudget war mir auch ein Dorn im Auge. Aber was sollte ich dagegen tun? Es gab einfach nicht so viel Geld wie bei einem Film wie "Truman Show". Uns blieb nichts anderes übrig, als viele Vorführungen des Films zu organisieren. Die geringe Resonanz bei den Oscars hat mich nicht gestört. So schön es wäre, einen zu gewinnen, mit meinen bisherigen Nominierungen bin ich glücklich.

Sie sind sehr gelassen.
Es hat über ein Jahr gedauert, einen Verleih zu finden, deshalb habe ich zwangsläufig eine gewisse Distanz zu dem Film. Aber das Entscheidende ist: Die ganze Energie, die wir hineingesteckt haben, haben wir auch zurückbekommen. Die Erfahrung selbst war es wert. Und noch eines ist mir sehr wichtig: Bislang gab es kaum Filme über die Erfahrung des Gulags. Das ist dank "The Way Back" endlich anders.

Star

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