Billy Bob Thornton
Frances McDormand
Michael Badalucco
Regie: Joel Coen
Verleih: Constantin
Der schweigsame Barbier Ed Crane hadert mit der Monotonie seines Lebens. Als ein Kunde ihm anbietet, mit 10.000 Dollar Geschäftspartner seines florierenden Unternehmens zu werden, wittert Ed eine Chance, sein Leben zu ändern. Er will das Geld von Kaufhausbesitzer Big Dave erpressen, der mit Eds Frau ein Verhältnis hat. Doch Big Dave bekommt heraus, wer der anonyme Erpresser ist.

Das Genre des Film Noir haben die Coen-Brüder mittlerweile fast für sich alleine: Wie unendlich schief die Dinge laufen können, wenn ein amerikanischer Jedermann nur einen kleinen Augenblick lang schwach und gierig wird und die falsche Entscheidung trifft, arbeiteten sie zuletzt in "Fargo" auf - nun gerät Billy Bob Thornton als schweigsamer Friseur in den Strudel einer Mordgeschichte. Fans der Brüder werden sich auch für "The Man Who Wasn't There" begeistern, nicht zuletzt wegen seiner brillanten Schwarzweiß-Fotografie und seiner absurd-komischen Momente, während andere zu ihren typischen Coen-kritischen Argumenten greifen werden, der Film strahle Herzenskälte und Distanz aus. Die Jury in Cannes zählte offenbar zu ersteren und verlieh dem Film, ex aequo mit David Lynch, den Regiepreis.
Schon in "O Brother, Where Art Thou?", ihrem letzten und kommerziell erfolgreichsten Film, experimentierten die Coens mit monochromer Bildkomposition. Der logische nächste Schritt war es, nun einen Schwarzweiß-Film zu drehen, und das Ergebnis ist technisch beeindruckend. Die Sauberkeit, Tiefe und Schärfe der Bilder, die ihr langjähriger Kameramann Roger Deakins für "The Man Who Wasn't There" findet (der auf Farbmaterial gedreht hat) sucht ihresgleichen. Gleichzeitig stimmt von der ersten Einstellung an die Atmosphäre für die sich langsam entfaltende Geschichte: In einer kalifornischen Kleinstadt Ende der vierziger Jahre hadert der schweigsame Barbier Ed Crane (Billy Bob Thornton) mit der Monotonie seines Lebens. Unzufrieden mit Job und Ehe, scheint sich ihm die große Gelegenheit zu bieten, als ein Kunde vom Segen der Trockenreinigung erzählt und anbietet, mit 10.000 Dollar Geschäftspartner seines florierenden Unternehmens zu werden. Ed beschließt, das Geld von Kaufhausbesitzer Big Dave (James Gandolfini, den die Coens in einer Drehpause seiner Erfolgsserie "The Sopranos" besetzten) zu erpressen, von dem er weiß, dass er mit seiner Frau (Frances McDormand) ein Verhältnis hat. Big Dave wiederum bekommt heraus, dass Ed der anonyme Erpresser ist, und verwickelt ihn in ein Handgemenge, das Big Dave nicht überlebt. Der Geschäftsmann verschwindet gleichzeitig spurlos mit dem Geld, und Eds Frau wird des Mordes an Big Dave angeklagt, weil sie für ihn die Bilanzen frisierte. Ed heuert einen sündteuren und extravaganten Anwalt an, der sie aus dem Gefängnis holen soll, doch da sind wir erst bei der Hälfte des Films, und bis das Drehbuch alle Beteiligten ihrem (mehr oder weniger) gerechten Schicksal zugeführt hat, stehen noch zwei weitere Tote, ein Autounfall und ein Ufobesuch an. Erstaunlich dabei ist, dass die Coens ihre Geschichte größtenteils durch den lakonischen Monolog von Ed aus dem Off erzählen und viele elementare Handlungselemente entweder gar nicht oder nur in ihren Folgeerscheinungen zeigen. Damit brechen sie mit dem genretypischen Muster und geben dem Off-Monolog praktisch das gesamte erzählerische Gewicht, während ihnen stimmungsvolle Arrangements und mit vielsagenden Pausen inszenierte Dialoge als atmosphärische Duftlampen genügen. Das gelingt, einerseits, hervorragend, weil allein der Look des Films schon die Noir-Welten von James M. Cain ("Frau ohne Gewissen") oder Raymond Chandler wach ruft - andererseits ist der vollkommen passiv bleibende Ed eine nicht gerade mitreißende Hauptfigur, auch wenn Billy Bob Thornton, aufgemacht wie Montgomery Clift, eine Glanzleistung in schauspielerischem Minimalismus liefert. So bleibt man bis zum Schluss fasziniert von einem kettenrauchenden Hauptdarsteller, einer präzise das Hardboiled-Kino der vierziger Jahre erweckenden Ausstattung und jener Coen-typischen Gelassenheit, mit der die haarsträubendsten Ereignisse präsentiert werden. Emotional aber will der Film einem nicht recht nahe gehen. evo.
| Darsteller: | Billy Bob Thornton | als Ed Crane | |
|---|---|---|---|
| Frances McDormand | als Doris Crane | ||
| Michael Badalucco | als Frank Raffo | ||
| James Gandolfini | als Big Dave Brewster | ||
| Katherine Borowitz | als Ann Nirdlinger | ||
| Jon Polito | als Creighton Tolliver | ||
| Scarlett Johansson | als Birdy Abundas | ||
| Richard Jenkins | als Walter Abundas | ||
| Tony Shalhoub | als Freddy Riedenschneider | ||
| Adam Alexi-Malle | als Jacques Carcanogues | ||
| Nicholas Lanier | als Tony | ||
| Ted Raimi | als Boven | ||
| Regie: | Joel Coen | ||
| Drehbuch: | Joel Coen | ||
| Ethan Coen | |||
| Produzent: | Ethan Coen | ||
| Koproduzent: | John Cameron | ||
| Ausf. Produzent: | Tim Bevan | ||
| Eric Fellner | |||
| Kamera: | Roger Deakins | ||
| Schnitt: | Roderick Jaynes | ||
| Tricia Cooke | |||
| Musik: | Carter Burwell | ||
| Produktionsdesign: | Dennis Gassner | ||
| Chris Gorak | |||
| Kostüme: | Mary Zophres | ||
| Ton: | Peter F. Kurland | ||
Der Tochter des großen Francis Ford fehlen in Tokio die Worte: Sofia Coppola ist "Lost in Translation" ("Verloren in der Übersetzung"). So lautet zumindest der Titel ihres neuen Films mit Bill Murray (zuletzt in "Die Royal Tenenbaums") und Scarlett Johansson ("The Man Who Wasn't There").
Sofia wird dabei nicht nur im Regiestuhl Platz nehmen, sie schrieb auch das Drehbuch selbst: Es erzählt die Geschichte zweier verlorener Seelen - ein Schauspieler und eine verlassene Frau - die gemeinsam eine Woche in der japanischen Metropole verbringen.
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