Intelligente Komödie über ein Lesbenpaar, das sich aus heiterem Himmel mit dem Vater ihrer beiden Kinder konfrontiert sieht. http://images.kino.de/flbilder/max10/auto10/auto40/10400255/b150x150.jpg The Kids Are All Right

Filmdetails

The Kids Are All Right

Intelligente Komödie über ein Lesbenpaar, das sich aus heiterem Himmel mit dem Vater ihrer beiden Kinder konfrontiert sieht.


The Kids Are All Right
Start: 18.11.2010

Komödie / Drama

USA 2010
Laufzeit: 106 Min.
FSK: ab 12 Jahre

Annette Bening
Julianne Moore
Mark Ruffalo

Regie: Lisa Cholodenko
Verleih: Universal

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Inhalt

Jules und Nic sind seit Jahren ein glückliches lesbisches Paar, mit der 18-jährigen Joni und dem 15-jährigen Laser haben sie zwei aufgeweckte Kids, mit denen sie in Los Angeles leben. Unruhe in ihr ereignisloses Dasein bringt die Erkenntnis, dass ihre Kinder ohne ihr Wissen Kontakt zu ihrem biologischen Vater aufgenommen und ihn zu sich nach Hause eingeladen haben. Die Ankunft des alten Hippies Paul bringt Nic auf die Palme, zumal er Jules schnell verspricht, ihr bei ihren bislang wenig erfolgreichen Versuchen als Landschaftsgärtnerin unter die Arme zu greifen - und vielleicht nicht nur da. Konfrontationen scheinen unausweichlich.


Kritik

The Kids Are All Right

Von Bio-Dads und Lesben-Moms erzählt Lisa Cholodenko in ihrem geistreichen Homo-Hetero-Spaß, in dem Annette Bening und Julianne Moore eine Ehekrise durchleben.

Kuschelig haben sie es sich eingerichtet, das lesbische Paar Nic und Jules, das sich bereits aus Universitätstagen kennt und die sich Pony und Hühnchen nennen, wenn niemand anderer zuhört. Nic, souverän unterkühlt gespielt von Annette Bening ("American Beauty"), die im Film aussieht wie Regisseurin Lisa Cholodenko ("Laurel Canyon") im richtigen Leben, hat die Hosen an und garantiert mit ihrem Medizinergehalt das sorgenfreie Leben, Jules (liebenswerte Glucke mit Sexappeal: Julianne Moore) ist der mütterliche Typ - wehender Rotschopf, besorgter Blick - und somit für den Haushalt zuständig. Die Muster-Familie komplettieren die 18-jährige Joni (Mia Wasikowska, die "Alice" aus Tim Burtons "Wunderland") und der 15-jährige Laser (Josh Hutcherson). Letzter will seinen "Bio-Dad", sprich Samenspender, kennen lernen, was den knackigen Biogärtner/Kneipier Paul (Mark Ruffalo) auf den Plan ruft und in der Folge für jede Menge hormonelle Aufruhr sorgt.

"The Kids Are All Right" nennt Cholodenko ihren bislang komödiantischsten Film, zu dem sie zusammen mit Stuart Blumberg ("The Girl Next Door") das Drehbuch verfasste und der trotz ernsten Grundthemas eindeutig (auch) auf ein Mainstream-Publikum zielt. Der Titel ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen, denn der Nachwuchs kommt mit dem neuen, Motorrad-fahrenden Papa wunderbar klar, nur die beiden älteren Mädels haben mit dem virilen Hetero so ihre Probleme. Nic beäugt ihn misstrauisch, erweist sich als Meisterin der spitzen Zunge und versteckt sich hinter Tiraden von four letter words, während Jules das Objekt der Begierde dem handfesten Praxistest unterzieht - und weil der Mann (be-)steht, wird gleich fröhlich jauchzend das Kamasutra durchexerziert. Das ist doch besser als sich wie sonst gelegentlich mit schwulen Männerpornos in Stimmung zu bringen.

Homo oder hetero, das ist hier die Frage, die sich dann aber wegen der unkontrollierbaren Libido gar nicht so einfach beantworten lässt. Um Lebensentwürfe geht es, um (traditionelle) Familienmodelle, aber auch um Sorgen auf hohem Niveau. Geld spielt keine Rolle und in den von Igor Jadue-Lillo ("Per Anhalter durch die Galaxis") anheimelnd fotografierten Künstlerenklaven von Los Angeles lässt es sich gut aushalten. Die Frauen sind klug, die Jungs kantig und ein wenig doof. Sagt eine der Moms beispielsweise zu Laser: "Schade, dass du nicht schwul bist, dann wärst du sensibler." Das könnte sich auch Paul hinter die Ohren schreiben, der ein überzeugtes Single-Dasein pflegt, definitiv zu wenig Knöpfe am Hemd schließt und Bildung eher für überschätzen Luxus hält. Klassische Hollywood-Geschlechterverteilungen werden hier lustvoll auf den Kopf gestellt, geschickt und intelligent Klischees gebrochen. Auf der 60. Berlinale war der hintersinnige Spaß der schwul-lesbischen Jury einen Teddy Award wert - Grund genug, den Film wärmstens weiter zu empfehlen. geh.

The Kids Are All Right

Darsteller:  Annette Bening   als Nic
  Julianne Moore   als Jules
  Mark Ruffalo   als Paul
  Mia Wasikowska   als Joni
  Josh Hutcherson   als Laser
  Yaya DaCosta   als Tanya
  Rebecca Lawrence   als Brooke
  Kunal Sharma   als Jai
 
Regie:  Lisa Cholodenko  
Drehbuch:  Lisa Cholodenko  
  Stuart Blumberg  
Produzent:  Gary Gilbert  
  Jordan Horowitz  
  Jeffrey Levy-Hinte  
  Celine Rattray  
  Daniela Taplin Lundberg  
  Philippe Hellmann  
Ausf. Produzent:  J. Todd Harris  
  Neil Katz  
  Riva Marker  
  Anne O'Shea  
  Andy Sawyer  
  Steven Saxton  
  Ron Stein  
Kamera:  Igor Jadue-Lillo  
Schnitt:  Jeffrey M. Werner  
Musik:  Carter Burwell  
  Nathan Larson  
Produktionsdesign:  Julie Berghoff  
Kostüme:  Mary Claire Hannan  
Casting:  Laura Rosenthal  
  Liz Dean  

Oscar-Nominierungen: Duell zwischen Firth in "King's Speech" und Bridges in "True Grit"

Königlicher Zungen-Akrobat gegen Western-Veteran mit Augenklappe.

Großansicht Von der Academy am häufigsten nominiert: "The King's Speech" und "True Grit" (Foto: Fox, Paramount)

Von der Academy am häufigsten nominiert: "The King's Speech" und "True Grit" (Foto: Fox, Paramount)

Das sind Helden, wie Hollywood sie liebt: Colin Firth glänzt im wundervollen Historienfilm "The King's Speech" als englischer König George VI, der den Thron nie wollte, weil er schlimm stottert, und dann doch am Vorabend des Zweiten Weltkriegs Britannien auf den Kampf gegen Hitler einschwören soll. Die gefühlvoll inszenierte Antihelden-Geschichte wurde von der Academy of Motions Picture Arts and Sciences für sage und schreibe 12 Oscars nominiert - und ist damit sicher auch der Favorit auf die Auszeichnung als bester Film.

Dahinter folgt der neue Streich der Academy-Lieblinge Joel und Ethan Coen, die zuletzt mit "No Country for Old Men" abgeräumt hatten. Ihr Remake des John Wayne-Klassikers "Der Marshall" unter dem Titel "True Grit" bringt es für die Verleihung am 27. Februar auf insgesamt 10 Nominierungen. Darunter selbstverständlich auch Jeff Bridges, der in die offensichtlich doch nicht unausfüllbaren Fußstapfen von John Wayne tritt.

Trotzdem gilt Colin Firth als Favorit auf den Oscar für den besten Hauptdarsteller, nicht zuletzt da Bridges erst letztes Jahr den Oscar für "Crazy Heart" gewann. Bestenfalls Außenseiterchancen haben Jesse Eisenberg als Facebook-Gründer in "The Social Network", James Franco als Outdoor-Freak in "127 Hours" und Javier Bardem in "Biutiful", dessen Film auch als Favorit in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film gehandelt wird - ein deutscher Beitrag ist dort diesmal leider nicht nominiert.

Der schwarze Schwan weint, aber Portman darf trotzdem hoffen

Als Gewinner dürfen sich zudem schon jetzt das Facebook-Drama "The Social Network" und Christopher Nolans SciFi-Verwirrspiel "Inception" mit 8 Nominierungen zählen. Das Box-Drama "The Fighter" mit Mark Wahlberg und Christian Bale, beide auch als Darsteller nominiert, bringt es auf 7 Oscar-Chancen, dann folgt mit 6 Nominierungen das Extremsportler-Drama "127 Hours" von "Slumdog Millionär"-Macher Danny Boyle um einen Mann, der sich den eigenen Arm abtrennt.

Erst dann reiht sich der im Vorfeld schwer gehypete Ballett-Thriller "Black Swan" ein, der es überraschend auf lediglich 5 Oscar-Chancen bringt. Trotzdem ist Natalie Portman weiter die unantastbare Favoritin für den Oscar als beste Hauptdarstellerin: Die Mitbewerberinnen Nicole Kidman im Familiendrama "Rabbit Hole", Annette Bening im Patchwork-Familienfilm "The Kids Are All Right", Jennifer Lawrence im Südstaatendrama "Winter's Bone" und Michelle Williams im Liebestagebuch "Blue Valentine" haben nicht annähernd so eindringliche schauspielerische Leistungen zu bieten.

Ebenfalls 5 Nominierungen gab's etwas überraschend für "Toy Story 3", der nicht nur als bester Animationsfilm, sondern auch als bester Film nominiert ist, dazu in den Kategorien Drehbuch, Filmsong und Tonschnitt.

Als beste Filme sind konsequenterweise hauptsächlich die Filme nominiert, die auch insgesamt die meisten Nominierungen erhielten. Neben den erwähnten "The King's Speech", "True Grit", "The Social Network", "Inception" (der allerdings fast nur in "technischen" Kategorien nominiert ist), "The Fighter", "127 Hours", "Black Swan" und "Toy Story 3" sind das außerdem "The Kids Are All Right" (4 Nominierungen) und "Winter's Bone" (ebenfalls 4).

Der Regisseur trägt enorm zum Gelingen oder Scheitern des gesamten Films bei, meint auch dieses Jahr wieder die Academy, und so sind die Macher der multipel nominierten Filme auch hier ganz vorn dabei. Tom Hooper dürfte logischerweise für "The King's Speech" die besten Karten haben, gefolgt von den Coens für "True Grit", die aber möglicherweise schon den ein oder anderen Preis zu viel gewonnen haben. David Fincher für "The Social Network", David O. Russell für "The Fighter" und Darren Aronofsky für "Black Swan" werden wohl das Nachsehen haben.

Klarer Favorit auf den Oscar als bester Nebendarsteller ist eindeutig Geoffrey Rush, der in "The King's Speech" den exzentrischen Sprachtherapeuten von King George spielt. Christian Bale hat als Mark Wahlbergs Boxer-Bruder in "The Fighter" eine Außenseiterchance.

Enger geht's bei den Damen zu: Die junge Hailee Steinfeld gilt als Geheimtipp, sie bittet in "True Grit" Jeff Bridges um Hilfe bei der Suche nach dem Mörder ihres Vaters. Amy Adams spielt in "The Fighter" groß auf, ihre Kollegin Melissa Leo (zuletzt für "Frozen River" nominiert) macht ihr im selben Film direkte Konkurrenz. Auch Helena Bonham Carter könnte als Ehefrau von Colin Firth alias König George in "The King's Speech" gewinnen und von einem möglichen Goldregen in anderen Kategorien profitieren. Für Jackie Weaver aus "Animal Kingdom" gilt dagegen wohl eher die alte Oscar-Platitüde: "Es ist schon eine Ehre, nur nominiert zu sein…"


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