Originaltitel: The Ides of March
USA 2011
Ryan Gosling
George Clooney
Evan Rachel Wood
Regie: George Clooney
Verleih: Tobis
Stephen Myers, Berater der demokratischen Präsidentschaftshoffnung Morris, gilt in jungen Jahren schon als politisches Wunderkind, der für jedes Problem einen genialen Dreh kennt und sich für keinen schmutzigen Trick zu schade ist. Zunehmend hält Myers sich für unfehlbar. Er trifft sich mit dem Wahlkampfchef des anderen Lagers und lässt sich auf sexuelle Eskapaden ein. Er ahnt nicht, dass hinter seinem Rücken längst intrigiert und an seinem Untergang gearbeitet wird.

Politisch, packend und provozierend: George Clooney entlarvt in seiner vierten Regiearbeit Zynismus und Skrupellosigkeit eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten
Der perfekte Eröffnungsfilm nach Maß für die 68. Mostra. Italien-Liebhaber George Clooney und einer der Lieblinge des Festivals kann nicht von der Politik im weitesten Sinne lassen. Leichter zugänglich als "Good Night and Good Luck" entwirft er in "The Ides of March" in Assoziation an die Jahreszeit, in der Brutus seinen Ziehvater Cäsar verriet, ein Panoptikum des Vorwahlkampfes in den USA, der einen seiner Höhepunkte in Ohio findet.
Clooney ist der charmante demokratische Kandidat, der seine Anhänger durch Integrität mitreißt. Er will ein neues Amerika, ein besseres Amerika und eine Regierung, die sich für alle verantwortlich fühlt, nicht nur für die Reichen, sondern auch die sozial Schwachen - fast O-Ton Obama. Als Gouverneur Mike Morris steht er für Gerechtigkeit und Moral. Nur ist er nicht der erste, der Wasser predigt und Wein trinkt. Sein junger und idealistisch gesonnener Pressechef unterstützt ihn und kämpft für den Sieg seines Idols. Bis er eine Affäre mit einer 20jährigen Praktikantin beginnt und merkt, dass er nicht der Einzige ist und in ein gefährliches Netz aus Lüge, Korruption und Skrupellosigkeit gerät, aus Ehrgeiz in die Falle des Gegners tappt.
Star des bis in die letzte Nebenrolle brillant besetzte Dramas ist der Kanadier Ryan Gosling, der als enttäuschter Idealist am Ende eiskalt seinen Weg geht und seine Karriere vorantreibt, seinen Gegenspieler Philip Seymour Hoffman ausbootet und bar jeglicher Illusion wahrscheinlich so wird wie die anderen. Nach Beau Willimons Theaterstück "Farragut North" inszeniert Clooney Politik als schmutziges Geschäft und den Sieg von Zynismus über Moral stilsicher, wenn auch etwas konventionell und mit kraftvollen und eindringlichen Bildern, wirft Fragen auf, ohne sie beantworten zu wollen und verkörpert den janusköpfigen Mann mit Verve. Zwischen dem charismatischen Bewerber mit netter Ehefrau an seiner Seite und dem machtgierigen Demokraten, der im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht, liegt oft nur ein Wimpernschlag. Eigentlich war der Film, dem man das geringe Budget von zwölf Mio. Dollar nicht ansieht, schon für 2007 geplant. Aber ein Start kurz nach Obamas Wahl wäre wohl prekär gewesen. Für den kommenden US-Wahlkampf kommt "The Ides of March" aber genau richtig.
mk.
| Darsteller: | Ryan Gosling | als Stephen Myers | |
|---|---|---|---|
| George Clooney | als Mike Morris | ||
| Evan Rachel Wood | als Molly Stearns | ||
| Marisa Tomei | als Ida Horowicz | ||
| Philip Seymour Hoffman | als Paul Zara | ||
| Paul Giamatti | als Tom Duffy | ||
| Jeffrey Wright | als Senator Thompson | ||
| Max Minghella | als Ben Harper | ||
| Regie: | George Clooney | ||
| Drehbuch: | George Clooney | ||
| Grant Heslov | |||
| Produzent: | George Clooney | ||
| Grant Heslov | |||
| Brian Oliver | |||
| Ausf. Produzent: | Leonardo DiCaprio | ||
| Barbara A. Hall | |||
| Stephen Pevner | |||
| Nigel Sinclair | |||
| Guy East | |||
| Todd Thompson | |||
| Jennifer Davisson Killoran | |||
| Nina Wolarsky | |||
| Buchvorlage: | Beau Willimon | ||
| Kamera: | Phedon Papamichael | ||
| Schnitt: | Stephen Mirrione | ||
| Musik: | Alexandre Desplat | ||
| Produktionsdesign: | Chris Cornwell | ||
| Kostüme: | Louise Frogley | ||
| Ton: | Elmo Weber | ||
| Casting: | Ellen Chenoweth | ||
Ich habe einen Oscar! Ich … ich habe meine Dankesrede vergessen!
Von der Academy mehrfach gewürdigt: Das Stummfilm-Kunstwerk "The Artist" und Meryl Streeps "Die Eiserne Lady". (Foto: ©A.M.P.A.S)
Regisseur Michel Hazanavicius ging es wie den Helden seines Films - er war sprachlos! Sein Filmkunstwerk "The Artist" um eine Liebe in den letzten Tagen des Stummfilms ist von der Academy überraschend mit 5 Oscars zum meistprämierten Film gekürt worden - darunter Preise in allen drei "Königskategorien": Bester Film, Beste Regie und Bester Hauptdarsteller!
Doch der Franzose mit litauischen Vorfahren fand seine Sprache bald wieder, hielt eine überschwängliche Dankesrede und endete mit Worten, so poetisch wie sein Filmkunstwerk: "Im Film geht es um das Leben. Und an manchen Tagen ist das Leben wunderbar. Heute ist solch ein Tag. Danke! Danke!"
Ebenfalls fünf Oscars gingen an Martin Scorseses Verfilmung des Kultkinderbuchs "Hugo Cabret". Allerdings gab's die Goldjungs ausnahmslos in Bereichen, die in Hollywood eher zu den Nebenkategorien gezählt werden: Kamera, Visual Effects (hier stach man etwas überraschend den Blockbuster "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2" aus), Ausstattung, Ton und Tonschnitt. Damit war Martin Scorsese eher einer der Verlierer des Abends.
Ganz anders Academy-Liebling Meryl Streep. Auch sie hatte zu den Oscar-Favoriten gezählt, doch ihr Traum erfüllte sich auch: Streeps fast schon gespenstisch gute Leistung als britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in "Die Eiserne Lady" brachte ihr bei der siebzehnten (!) Nominierung erwartungsgemäß endlich den dritten Oscar nach "Kramer gegen Kramer" und "Sophies Entscheidung".
Überraschenderweise verlor die Veteranin auf der Bühne des Kodak Theatre nach einem launigen Einstieg in ihre Dankesrede ("Ganz Amerika denkt sich jetzt 'Oh nein, nicht sie schon wieder'"!) komplett die Fassung und brach - unter stehenden Ovationen - in Tränen aus: "Ich werde wahrscheinlich nicht noch einmal hier oben stehen, also danke an Euch alle!" Trotz ihrer überragenden mimischen Leistung dankte Meryl Streep auch ihren Maskenbildnern, die ebenfalls einen Oscar erhielten.
Kollege Jean Dujardin, der als Stummfilmstar in "The Artist" wirklich alle darstellerischen Register zieht, machte es dagegen kurz: "Ich liebe Euer Land!", schmeichelte er französisch-charmant dem Auditorium in Los Angeles, das eher mit George Clooney als Sieger für seine Rolle als überforderter Vater in "The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten" gerechnet hatte. Clooney durfte sich aber zumindest über einen Drehbuch-Oscar für "The Ides of March" freuen.
Eine herbe Enttäuschung war die Oscar-Verleihung sowohl für Steven Spielbergs Kriegspferd-Epos "Gefährten" wie auch "Moneyball" mit Brad Pitt als revolutionärem Baseball-Coach. Trotz sechs Nominierungen gingen beide Filme komplett leer aus -weil in den entsprechenden Kategorien zumeist entweder "Hugo Cabret" oder "The Artist" punkteten.
Auch aus deutscher Sicht boten die 84. Academy Awards keinen Grund zum Feiern. Für den Auslands-Oscar war der deutsche Vorschlag "Pina" gar nicht erst nominiert worden, hier machte erwartungsgemäß erstmals ein iranischer Beitrag das Rennen, "Nader und Simin - Eine Trennung". Aber als beste Doku war Wim Wenders' lyrisches 3D-Juwel um das Schaffen der verstorbenen Choreographie-Legende Pina Bausch nominiert und als Sieg-Kandidat gehandelt worden. Hier machte aber der US-Beitrag "Undefeated" um den Aufstieg eines erfolglosen Football-Teams das Rennen.
Die deutsche Kostümbildnerin Lisy Christl ("Anonymus") musste sich den Oscar-Abonnenten Dante Ferretti und Francesca Lo Schiavo für "Hugo Cabret" geschlagen geben und der deutsche Kurzfilm "Raju" zog gegen "The Shore" um eine Freundschaft im Nordirlandkonflikt den Kürzeren. Zumindest waren aber die deutschen Effektkünstler Alex Henning und Ben Grossmann von der Frankfurter Firma Pixomondo am Visual-FX-Oscar für "Hugo Cabret" beteiligt.
Als ältester Schauspieler aller Zeiten gewann Christopher Plummer einen Oscar als Nebendarsteller in "Beginners". Der 82-Jährige erlebt im Film von Mike Mills zum Erstaunen seines Sohnes (Ewan McGregor) ein spätes Coming Out. Die Dankesrede des Veteranen zählte zu den absoluten Highlights der diesjährigen Academy Awards. Mit Blick auf die Oscar-Statue in seinen Händen begann Christopher Plummer:
"Mann, Du bist nur zwei Jahre älter als ich, wo warst Du nur die ganze Zeit?!?" Dann wandte er sich ans Publikum: "Wisst ihr, schon als ich aus der Gebärmutter meiner Mutter kam, habe ich diese Dankesrede einzuüben begonnen. Zu Eurem Glück ist das jetzt so lange her, dass ich sie inzwischen vergessen habe. Also: Danke!"
Den Preis für die beste weibliche Nebenrolle überreichte Batman Christian Bale an Octavia Spencer, die in "The Help" eine mutige schwarze Haushaltsgehilfin spielt. Die Gewinnerin nutzte die Chance für einen Flirt: "Danke, dass ihr mich neben den heißesten Typen im Raum gestellt habt!" Spencers Dankesrede ersoff dann aber fast komplett in einer Tränenflut, die Halle Berry alle Ehre machte. Die letzten Worte "Danke… Welt!" konnte man nur noch erahnen.
Zum besten Animationsfilm wurde erwartungsgemäß "Rango" gekürt - eine besondere Genugtuung für Regisseur Gore Verbinski, der in Hollywood wegen seiner drei "Fluch der Karibik"-Filme als Popcorn-Filmemacher verschrien gewesen war. Er dankte überschwänglich Johnny Depp, der im Original dem titelgebenden Wildwest-Chamäleon seine Stimme leiht.
Als großes Highlight war eine Performance der legendären Artisten des Cirque du Soleil angekündigt worden - auch, weil mit 50 Künstlern die größte Truppe für einen Einzelauftritt der Truppe bereit stand. Die Hommage an Filmklassiker wie Hitchcocks "Verdacht" oder "King Kong" wirkte aber recht konventionell, trotz hoch in der Kuppel des Kodak Theatre schwebender Trapeze.
Erwartet souverän agierte Moderator Billy Crystal, der nur Notnagel war, nachdem das eigentlich vorgesehene Duo von Moderator Eddie Murphy und Produzent Brett Ratner wegen rassistischer Entgleisungen Ratners gehen musste. So kündigte Crystal den von seiner Krebserkrankung sichtbar erholten Michael Douglas als Präsentator für den Regie-Oscar mit den Worten an: "He occupied Wall Street, long before that was cool - Er besetzte die Wall Street, lange bevor das als cool galt!"
Und Crystal, der schon zum neunten Mal Oscar-Gastgeber war, lieferte den besten Trost für alle Verlierer des Abends, indem er die Bedeutung der Preisverleihung mit den ironischen Worten relativierte: "Nichts lenkt einen besser von den Wirtschaftskrisen in aller Welt ab, als einem Haufen Millionäre dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig goldene Statuen in die Hand drücken…"
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